Recht Für ein gute Behandlung haken mündige Patienten nach

Berlin (dpa/tmn) - Viele Menschen fühlen sich bei einem Arztbesuch überfordert. Zwar bringen Patienten noch immer weitgehend volles Vertrauen ihrem Arzt gegenüber mit.
16.06.2010, 10:31
Lesedauer: 2 Min
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Berlin (dpa/tmn) - Viele Menschen fühlen sich bei einem Arztbesuch überfordert. Zwar bringen Patienten noch immer weitgehend volles Vertrauen ihrem Arzt gegenüber mit.

Doch das Bild der «Halbgötter in Weiß» verblasst schon seit einigen Jahren: Auch Ärzte machen Fehler und können sich irren. Patienten sind den Medizinern nicht blind ausgeliefert. «Wichtig ist, dass sich Patienten heute mündig machen», sagt Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) in Berlin.

Schon kleine Veränderungen während des Arztbesuchs verbessern die Situation. «Es beginnt schon mit einfachem Nachfragen, wenn man schulmedizinische Fachausdrücke oder Therapiemaßnahmen nicht versteht und seine Unsicherheiten darüber äußert», sagt der Buchautor Georg Francken. Treten Patienten selbstbewusster und kritischer auf, so verändert sich auch die Rolle des Arztes: Er wird zum Partner auf dem Weg zur Heilung, und der Patient ist stärker in die Behandlung einbezogen.

Außerdem ist medizinisches Wissen kein Buch mit sieben Siegeln. Für Patienten, die sich vorab informieren wollen, bietet das Internet einen nahezu unendlichen Wissensfundus über Krankheiten und Behandlungen. Jedoch schwankt das unübersichtliche Angebot hinsichtlich Qualität und Verlässlichkeit. «Informationen in Foren sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, weil dort gerne mit versteckten Marketing-Kampagnen seitens der Pharmahersteller gearbeitet wird», warnt Francken. Auch von einer Selbstdiagnose rät er ab: «Man entwickelt dabei schnell eine Hypochondermentalität. Der Arzt hingegen hat Erfahrungen, die man nutzen muss.»

Neben dem passenden Arzt ist auch die Wahl der Krankenkasse relevant. Dabei kommt es auf die Details an. «Der Leistungskatalog ist bei den Krankenkassen zu 95 Prozent gleich», erklärt Ulrich Nieland von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland in Köln. «Der Leistungsunterschied liegt größtenteils beim Service und den fünf Prozent der Leistungen, die gesetzlich nicht vorgeschrieben sind.» Je nach Kasse können sich Versicherte an Filialen, die Beratungen am Ort bieten, oder lediglich an Call-Center wenden.

Um entscheiden zu können, ob mein Arzt der Richtige für mich ist, sollten laut Francken mehrere Kriterien erfüllt sein: Gespräche verlaufen offen und freundlich, der Doktor ist pünktlich und zuverlässig. Er sollte sich Zeit nehmen und den Patienten ausreden lassen. Bei der Behandlung sollte er keinen Druck ausüben. Zieht sich er sich hinter Fachbegriffe zurück und kann diese nicht verständlich erklären, sei dies möglicherweise ein Zeichen dafür, dass er sie selbst nicht versteht. Hält ein Doktor sich bei Verschreibungen und Überweisungen zurück, sei das ein gutes Zeichen. Oft stellen Ärzte diese nur aus, weil der Patient sie fordert.

Ergeben sich Zweifel an einer Diagnose oder der Kompetenz des behandelnden Arztes, kann der Patient weitere Ärzte konsultieren. Besonders bei schwierigen Operationen ist es sinnvoll, eine zweite Meinung einzuholen. Da in Deutschland die freie Arztwahl gilt, besteht keine Verpflichtung, bei Unzufriedenheit weiterhin denselben Doktor aufzusuchen. Ebenso hat der Patient ein Recht auf Einsicht in seine Krankenakte und deren Aushändigung als Kopie.

«Es gibt Patienten, die ihrem Arzt vollauf vertrauen, und diejenigen, die für sich entscheiden», sagt Schaefer. Wer sich als mündigen Patienten versteht und bewusster mit Ärzten und der eigenen Gesundheit umgeht, findet besser eine persönlich passende Behandlung.

Literatur: Georg Francken, Dr. Ich: Wie mündige Patienten sich im Medizinbetrieb behaupten und die optimale Behandlung finden, Trias, ISBN-13: 978-3-8304-3584-6, 14,95 Euro; Hans-Willi Maria Breuer, Mit dem Arzt auf Augenhöhe. Das kann ich erwarten - Mögliches und Unmögliches in der Medizin, Humboldt, ISBN-13: 978-3-89994-205-7, 9,90 Euro

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