Überblick Für wen die Masern-Impfpflicht gilt

Für bestimmte Kinder, Jugendliche und Erwachsene gilt ab kommenden März in Deutschland eine Masern-Impfpflicht. Ein Überblick darüber, was dies konkret bedeutetet und wer von der Verpflichtung ausgenommen ist.
01.12.2019, 21:34
Lesedauer: 4 Min
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Für wen die Masern-Impfpflicht gilt
Von Sabine Doll

Ab März kommenden Jahres gilt in Deutschland eine Masern-Impfpflicht für bestimmte Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Was dies konkret bedeutet, welche Kosten auf die von der gesetzlichen Regelung Betroffenen zukommt und wer von der Verpflichtung ausgenommen ist – ein Überblick.

Für wen gilt die Impfpflicht?

Das Gesetz sieht vor, dass alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Masern-Impfungen vorweisen müssen. So steht es in dem Gesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), das Mitte November vom Bundestag beschlossen wurde. „Auch bei der Betreuung durch eine Kindertagespflegeperson muss in der Regel ein Nachweis über die Masernimpfung erfolgen“, teilt das Ministerium mit.

Auch Menschen, die in Gemeinschafts- oder medizinischen Einrichtungen arbeiten, müssen den Vorgaben zufolge eine Impfung nachweisen oder belegen, dass sie die Erkrankung bereits hatten. Zu dieser Gruppe zählen etwa Lehrer, Erzieher, medizinisches Personal – soweit sie nach 1970 geboren sind. Zu den medizinischen Einrichtungen zählen zum Beispiel Krankenhäuser und Arztpraxen.

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Ab wann wird die Masern-Impfpflicht scharf geschaltet?

Die Masern-Impfpflicht tritt am 1. März 2020 in Kraft. Für Kinder, die bereits in Betreuung oder in der Schule sind, und für betroffene Mitarbeiter gilt eine Übergangsfrist bis zum 31. Juli 2021. Wurde die Impfung bereits in einer zuvor besuchten Einrichtung nachgewiesen, reicht demnach eine entsprechende Bestätigung dieser Einrichtung aus.

Wie wird der Nachweis erbracht, und wer kontrolliert?

Laut Gesetz kann der Nachweis über den Impfpass, das Kinderuntersuchungsheft oder bei bereits erlittener Masernerkrankung durch einen Labortest beziehungsweise ein ärztliches Attest erbracht werden. Die Einrichtungen sind nach den Regelungen des Gesetzes dafür zuständig, die Nachweise zu kon­trollieren.

Wer übernimmt die Kosten für eine Impfung?

Die Impfung gegen Masern zählt zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Das heißt: Wer sich gegen die Infektionskrankheit, die von Viren verursacht wird, impfen lässt, muss dies nicht selbst zahlen.

Was passiert, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen beziehungsweise der Nachweis nicht vorgelegt wird?

In diesen Fällen sind die Einrichtungen verpflichtet, das Gesundheitsamt darüber zu informieren. Die Behörde kann beispielsweise Eltern von Kita-Kindern oder Schülern zu einer Beratung einladen. Darüber hinaus werden die Eltern vom Gesundheitsamt aufgefordert, den entsprechenden Nachweis zur Impfung oder ein ärztliches Attest vorzulegen. Ungeimpfte Kinder dürfen nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes in Kitas nicht mehr aufgenommen werden. Außerdem droht Eltern und betroffenen Erwachsenen ein Bußgeld in Höhe von 2500 Euro.

Aber auch Einrichtungen, die ungeimpfte Kinder betreuen, müssen mit einem solchen Bußgeld rechnen. Anders stellt sich die Situation in Schulen dar: Wegen der allgemeinen Schulpflicht können ungeimpfte Kinder laut einer Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums nicht ausgeschlossenen werden. „Die weiteren Schritte obliegen dann den Behörden in den Bundesländern. Insbesondere kommt neben oder alternativ zum Bußgeld auch ein Zwangsgeld in Betracht, wenn der vollstreckbaren Pflicht, einen Nachweis vorzulegen, nicht nachgekommen wird“, so die Sprecherin. Eine Zwangsimpfung komme in keinem Fall in ­Betracht.

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Wie viele Menschen sind in den vergangenen Jahren an Masern erkrankt?

Seit 2001 sind Masern in Deutschland meldepflichtig. Das heißt: Erkrankungen müssen den Gesundheitsämtern mitgeteilt werden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts schwankt die Zahl jährlich, weil es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen kommt. 2018 wurden dem RKI 543 Masernfälle gemeldet, im Jahr davor waren es 929 Fälle. Mehr als die Hälfte der Erkrankungen (520) wurden allein aus Nordrhein-Westfalen gemeldet. Das Bundesland verzeichnete einen der größten Masernausbrüche seit mehr als zehn Jahren. Im Land Bremen registrierte das Gesundheitsamt 2017 nach Auskunft von Behördensprecher Malte Hinrichsen drei Masernfälle, im vergangenen Jahr wurden zwei Erkrankungen gemeldet. Die RKI-Statistik für Niedersachsen zeigt 15 Masernfälle in 2017 und 18 Erkrankungen im vergangenen Jahr.

Ab welchem Alter wird eine Impfung empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die erste Masern-Impfung im Alter von elf bis 14 Monaten und die zweite Impfung im zweiten Lebensjahr im Alter von 15 bis 23 Monaten, wie es auf der Seite des Robert-Koch-Instituts heißt.

Welche Folgen kann eine Masernerkrankung haben?

Nach Angaben des Berufsverbands der Kinder und- und Jugendärzte heilen Masern in den meisten Fällen aus. Bei zehn bis zwölf Prozent komme es zu Komplikationen, wie es im Online-Portal des Verbands heißt. Infektionen könnten Mittelohrentzündungen, Bronchitis, Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen sein. Bei einer von 1000 Masernerkrankungen komme es zu einer Enzephalitis, einer akuten Entzündung des Gehirns mit der Schädigung von Nervenzellen.

Bei zehn bis 20 Prozent der Patienten verlaufe diese Entzündung tödlich, 20 bis 30 Prozent der Betroffenen litten unter bleibenden Schäden des Zentralen Nervensystems, so die Experten. Durchschnittlich sechs bis acht Jahre nach einer Maserninfektion könne es außerdem zu der immer tödlich verlaufenden sogenannten subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) kommen.

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