Gesundheit Hilfe bei Leukämie: Knochenmarkspenden retten Leben

Ulm (dpa/tmn) - José Carreras hatte Glück im Unglück: Der spanische Sänger ist ein prominentes Beispiel dafür, wie ein Patient mit der passenden Behandlung Blutkrebs überwinden und anschließend wieder ein normales Leben führen kann.
02.06.2010, 10:32
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Ulm (dpa/tmn) - José Carreras hatte Glück im Unglück: Der spanische Sänger ist ein prominentes Beispiel dafür, wie ein Patient mit der passenden Behandlung Blutkrebs überwinden und anschließend wieder ein normales Leben führen kann.

In Deutschland erkranken den Zahlen der Deutschen Krebsgesellschaft zufolge jedes Jahr rund 10 000 Menschen an Leukämie. Dabei ist die Blutbildung im Knochenmark gestört. Für viele dieser Patienten ist eine Transplantation von Stammzellen die einzige Überlebenschance.

Das Problem bei der Stammzellentransplantation ist allerdings, einen geeigneten Spender zu finden. «Bei Blutstammzellen ist es sehr viel schwieriger als beispielsweise bei einer Bluttransfusion, die erforderliche Passgenauigkeit zu erzielen», erklärt Carlheinz Müller, Geschäftsführer des Zentralen Knochenmarkspender-Registers Deutschland (ZKRD) in Ulm. Entscheidend ist, dass die Humanen Leukozyten-Antigene, kurz HLA-Merkmale, von Spender und Empfänger möglichst genau übereinstimmen.

«Nur rund 20 Prozent aller Patienten, die eine Stammzellspende von einer anderen Person benötigen, finden einen geeigneten Spender im eigenen Verwandtenkreis», sagt Prof. Michael Pfreundschuh, Direktor der Klinik für Innere Medizin I im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar. Die übrigen Patienten sind auf einen Fremdspender angewiesen. Für deren Vermittlung haben sich weltweit zahlreiche Organisationen gegründet und vernetzt. «In Deutschland gibt es aktuell 29 Organisationen, die Spender werben, auf deren Daten wir in unserem zentralen Register zugreifen können», erklärt ZKRD-Geschäftsführer Müller.

Als Stammzellenspender kommen alle gesunden Personen zwischen 18 und 55 Jahren infrage. Sie können sich bei den sogenannten Spenderdateien melden, deren Adressen unter www.zkrd.de zu finden sind. Eine mögliche Anlaufstelle ist der DRK-Blutspendedienst Ost in Dresden. «80 bis 90 Prozent der bei uns registrierten potenziellen Stammzellspender sind auch Blutspender», sagt dessen ärztliche Leiterin Elisabeth Förstemann. Sie ließen sich bei dieser Gelegenheit ein zusätzliches Röhrchen zur Gewebeuntersuchung abnehmen.

Doch auch geografische Entfernung ist kein Hindernis: Auf telefonische Anfrage werden entsprechende Sets versandt. Der Spendewillige schickt ein Röhrchen Blut oder auch einen Abstrich der Wangenschleimhaut zurück. Registrierte Spender sind erstmal in der Warteschleife, oft über Jahre. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Bereitschaft in Anspruch genommen wird, liegt nach Angaben des ZKRD bei 1 zu 100.

Für eine Stammzellentransplantation kommen vor allem zwei Verfahren infrage. «In den allermeisten Fällen wird heute eine periphere Blutstammzellentransplantation durchgeführt», erklärt Pfreundschuh. Hierzu spritzt sich der Spender vier bis fünf Tage vor dem Transplantationstermin einen Wachstumsfaktor. Diese Behandlung kann von grippeähnlichen Symptomen begleitet sein. Der Wachstumsfaktor sorgt dafür, dass vermehrt Stammzellen vom Knochenmark in das Blut übertreten. Dem Spender wird dann ambulant aus der Armvene Blut entnommen, die Stammzellen werden herausgefiltert, und das Blut wird in einem ständigen Kreislauf über die andere Armvene dem Spender wieder zugeführt.

«Die Alternative ist eine Knochenmarkentnahme unter Vollnarkose», sagt Pfreundschuh. Mit einer Punktionsnadel wird dem Spender ein Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen entnommen, aus dem die Stammzellen isoliert werden. Mögliche Nebenwirkungen sind leichte Schmerzen und Bewegungseinschränkungen ähnlich einem Muskelkater sowie Hämatome an den Einstichstellen. Die entnommenen Zellen werden im Körper des Spenders innerhalb weniger Wochen nachgebildet.

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