Gesundheit Nur jede dritte künstliche Befruchtung erfolgreich

Stockholm. Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den «Vater» der Reagenzglasbabys, Robert Edwards. Die künstliche Befruchtung hat seither viele Paare glücklich gemacht. Doch der Weg dorthin ist schwer. Nur nur jeder dritte Versuch ist erfolgreich.
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Stockholm. Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den «Vater» der Reagenzglasbabys, Robert Edwards. Die künstliche Befruchtung hat seither viele Paare glücklich gemacht. Doch der Weg dorthin ist schwer. Nur nur jeder dritte Versuch ist erfolgreich.

Im Jahr 2008 gab es in Deutschland bei rund 44 000 Frauen 68 000 Versuche der künstlichen Befruchtung. Nach Angaben des deutschen IVF-Registers, das die Daten erhebt, war davon nur etwa jeder dritte Versuch erfolgreich. Mit rund 11 000 wurden die meisten Befruchtungsversuche 2008 in dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen vorgenommen, die wenigsten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit gemeinsam 1200. Die Frauen waren durchschnittlich 34,7 Jahre alt.

Aktuell wird die Zahl der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch auf 1,6 Millionen geschätzt. Erstmals gab es in Deutschland 1982 eine künstliche Befruchtung. Die Zahl stieg stetig bis zum Jahr 2003, wo es 106 000 Behandlungen gab. Seit der 2004 in Kraft getretenen Gesundheitsreform müssen Paare die Behandlungen zur Hälfte selbst bezahlen. In der Folge sank die Zahl der Behandlungen drastisch auf rund 59 000 im selben Jahr. Eine Behandlungszyklus kostet durchschnittlich 3600 Euro. Laut der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) sind in Deutschland rund 1,5 Prozent der Kinder Retortenbabys.

Medizinern stehen heute mehrere Verfahren der künstlichen Befruchtung zur Verfügung, um zu helfen. Weil die Erfolgsaussichten relativ gering sind, sind pro Paar meistens mehrere Versuche nötig. Bei der künstlichen Insemination wird das aufbereitete Sperma des Mannes zu einem passenden Zeitpunkt direkt in die Gebärmutter der Frau gespritzt, um den Weg zur Eizelle zu verkürzen. Meist werden dafür besonders bewegliche Spermien gewählt. Die Erfolgsaussichten für eine Schwangerschaft liegen bei etwa 5 bis 15 Prozent pro Zyklus. Über die Zahl der so gezeugten Kinder gibt es nach Expertenangaben keine genauen Daten.

Seit der Zeugung des weltweit ersten Retortenbabys Louise Brown 1978 können Ärzte Eizellen auch außerhalb des Körpers befruchten. Diese vom diesjährigen Medizin-Nobelpreisträger Robert Edwards mitentwickelte In-Vitro-Fertilisation (IVF) benutzen Mediziner bei bestimmten Fruchtbarkeitsproblemen der Frau wie etwa einem Eileiterverschluss. Hierfür wird zunächst mit Hormonpräparaten die Eizellreifung stimuliert. Die gereiften Eizellen werden anschließend abgesaugt, im Labor von den Samenzellen des Mannes befruchtet und der entstehende Embryo in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt. In Europa gab es 2006 nach Zahlen der europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin mindestens 117 000 derartige Behandlungen. Etwa jeder dritte so gezeugte und eingepflanzte Embryo führt zu einer Schwangerschaft. Meist werden mehrere Embryonen eingepflanzt.

In einem alternativen Verfahren, dem In-Vitro-Maturation (IVM), werden die Eizellen unreif entnommen und reifen im Labor, wodurch der Frau die Hormonbehandlung weitgehend erspart bleibt.

Die neuere ICSI kommt bei Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes zum Einsatz. Der Ablauf ist zunächst derselbe wie bei der IVF, zur Befruchtung wird jedoch eine Samenzelle unter einem Mikroskop direkt in die Eizelle gespritzt. Die Intra-Cytoplasmatische Sperma-Injektion (ICSI) ist nach Zahlen der Mediziner heute deutlich häufiger als die IVF. Die europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin registrierte für 2006 mindestens 232 000 derartige Behandlungen in Europa. Die Erfolgsaussichten sind demnach ebenso hoch wie bei der IVF.

Bei der in Deutschland verbotenen Eizellspende trägt die Frau Eizellen einer Spenderin aus, die in der Regel vorher im Labor mit dem Samen ihres eigenen Mannes künstlich befruchtet wurden. Die Reproduktionsmediziner registrierten 2006 europaweit mehr als 12 000 solcher Behandlungen. (dpa)

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