Gesundheit Portal verspricht mehr Transparenz für Patienten

Gütersloh. Ist das Leben in manchen Gegenden Deutschlands gesünder als anderswo? Und könnte es sein, dass manche Ärzte oder Kliniken schneller zum Skalpell greifen als andere? Diesen Fragen will ein neues Internet-Portal für Patienten jetzt nachgehen.
28.09.2011, 17:31
Lesedauer: 1 Min
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Gütersloh. Ist das Leben in manchen Gegenden Deutschlands gesünder als anderswo? Und könnte es sein, dass manche Ärzte oder Kliniken schneller zum Skalpell greifen als andere? Diesen Fragen will ein neues Internet-Portal für Patienten jetzt nachgehen.

Ob Blinddarm, Kniegelenk oder Kaiserschnitt - in Deutschland gibt es große Unterschiede bei der Art und Häufigkeit ärztlicher Behandlungen. So würden Kindern in Schweinfurt acht Mal so häufig die Mandeln komplett herausgenommen wie in Rosenheim. Dieser ungleichen Verteilung und den möglichen Ursachen will ein am Mittwoch freigeschaltetes Online-Portal der Bertelsmann-Stiftung nachgehen: der Faktencheck Gesundheit.

"Diese Unterschiede können ein Indiz dafür sein, dass Patienten manchmal medizinische Leistungen erhalten, die sie eventuell gar nicht benötigen", sagte Brigitte Mohn vom Stiftungsvorstand. Um Veränderungen im System zu bewirken, sei es notwendig, dass der Patient gut informiert sei. Daher wolle die Stiftung mit dem neuen Portal Orientierungshilfen geben und die Transparenz erhöhen.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen begrüßte das Ziel, die Souveränität der Patienten zu stärken. "Der Patient hat gegenüber dem Arzt ein doppeltes Handicap: Er ist Laie und hat ein Problem", sagte die stellvertretende Sprecherin der Verbandes, Ann Marini. "Zunächst müssen wir als Kassen davon ausgehen, dass das, was die Ärzte machen, medizinisch richtig ist." Grundsätzlich sei der Arzt aber auch Kaufmann, der zum Beispiel sein neues und teures medizinisches Gerät auslasten wolle.

Das Internetportal erfasst für gegenwärtig 16 häufige Behandlungsgebiete starke Versorgungsunterschiede. Diese seien nicht durch regional unterschiedliche Alters- oder Geschlechtsstrukturen erklärbar, hieß es bei der Stiftung.

Handfeste Gründe für die Abweichungen liefert das Portal vorläufig nicht. Diese sollen erst noch ergründet werden, sagte der Experte der Stiftung, Thomas Neldner. "Den Anfang wird im Winter der Faktencheck 'Antibiotika-Verbrauch bei Kindern' machen." Mögliche Ursachen könnten in unterschiedlichen Vertrags- und Abrechnungsmodalitäten für ärztliche Leistungen liegen, dem grundsätzlichen Fehlen anerkannter medizinischer Leitlinien oder der individuell unterschiedlichen Behandlung durch einzelne Ärzte. (dpa)

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