Krampfartige Schmerzen Wenn Gallensteine zum Problem werden

Beschwerden rund um die Galle können äußerst schmerzhaft sein und erfordern oft einen Eingriff. Doch es gibt Wege, wie man sein Risiko für Gallensteine senkt. Einer davon dürfte Kaffeetrinker freuen.
24.01.2022, 04:19
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa

Hannover/Essen (dpa/tmn) - Eine Gallenkolik kann sich durch plötzlich auftretende, krampfartige und sehr starke Schmerzen im rechten Oberbauch bemerkbar machen. So eine Schmerzattacke tritt in Wellen auf und kann bis in die rechte Schulter oder bis in den Rücken ausstrahlen. Nicht selten ist einem übel oder man muss aufstoßen.

Eine Kolik kann nach zehn Minuten vorbei sein. Sie kann aber auch Stunden dauern. Eine Lappalie sind die Beschwerden nicht.

„Wer Anzeichen einer Gallenkolik bei sich feststellt, sollte dies schnellstmöglich ärztlich abklären lassen, gegebenenfalls auch in der Notaufnahme eines Krankenhauses“, sagt der Gastroenterologe Prof. Heiner Wedemeyer aus Hannover.

Wie Gallensteine entstehen

Die Galle unterstützt die Verdauung von fetthaltigen Nahrungsmitteln. Die Gallenflüssigkeit besteht aus verschiedenen Komponenten, erklärt der Gastroenterologe Christoph Schramm aus Essen. Dazu zählen neben Wasser als ihr Hauptbestandteil unter anderem Cholesterin, Gallensäuren, spezielle Fette und Eiweiße.

Diese im Wasser gelösten Stoffe sind normalerweise in einem bestimmten Gleichgewicht. Geraten sie außer Balance, bilden sich Kristalle, sprich: Gallensteine. Sie blockieren den Galleabfluss. Der folgende Druckanstieg in den Gallenwegen verursacht Schmerzen.

Ist nun der Gallengang wegen eines oder mehrerer Steine blockiert, kann sich die Gallenblase entzünden. „Da wird’s akut“, sagt Heiner Wedemeyer. Denn wenn es schlecht läuft, gelangt die Gallenflüssigkeit durch Risse in der Gallenblase in den Bauchraum und verursacht dort womöglich eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung.

Ob Gallensteine der Auslöser der Beschwerden sind, lässt sich mit einer Ultraschall- und Blutuntersuchung herausfinden, so Wedemeyer.

Radikaldiäten und weitere Risikofaktoren

Für die Bildung von Gallensteinen gibt es laut Christoph Schramm verschiedene Risikofaktoren. Dazu zählen ein höheres Lebensalter, Übergewicht und mangelnde Bewegung. „Frauen trifft es offenbar eher als Männer.“ Zudem gibt es eine genetisch bedingte Veranlagung.

„Auch im Zuge von Radikaldiäten kann es passieren, dass sich Gallensteine bilden“, sagt Heiner Wedemeyer. Wer sein Körpergewicht um zehn Kilogramm und mehr reduzieren will, sollte dies nicht innerhalb von zwei oder drei Wochen tun.

Gallensteine sorgen im Körper aber nicht immer für Probleme. Solange sie keinerlei Beschwerden verursachen, ist keine Therapie nötig.

Entfernung auf endoskopischen Weg

Liegt indes eine Gallenkolik - also heftige, krampfartige Schmerzen - vor, werden zunächst Schmerzmittel verordnet. Dann geht es darum, die Gallensteine, die den Gallengang verstopfen, operativ zu entfernen. „Dies geschieht zumeist mithilfe eines Endoskops“, sagt Wedemeyer.

Nach einer endoskopischen Gallensteinbergung sollte die Gallenblase möglichst zeitnah innerhalb von Tagen entfernt werden, wenn sich noch weitere Steine in der Gallenblase befinden, rät Wedemeyer. Der Grund: Es kann passieren, dass Gallensteine erneut Beschwerden verursachen und dies womöglich mit einer Entzündung der Gallenblase einhergeht. Um dieses womöglich schwerwiegende Risiko auszuschließen, werde zumeist die Gallenblase herausgenommen, so der Mediziner.

„Nur in seltenen Fällen kommen Medikamente zum Einsatz, um die Gallensteine zu entfernen“, sagt Christoph Schramm. So gibt es Tabletten mit dem Wirkstoff Ursodeoxycholsäure (UDCA), die Gallensteine auflösen können.

Wie lässt sich vorbeugen?

Damit möglichst gar keine Gallensteine entstehen, sollte man sich ausgewogen ernähren, auf regelmäßige Bewegung achten, Normalgewicht anstreben und - wie erwähnt - Radikaldiäten vermeiden.

Auch Kaffee zu trinken reduziere das Risiko, dass sich Gallensteine bilden, sagt Wedemeyer. Das hätten zahlreiche Studien gezeigt. In der Regel gilt hier sogar: viel hilft viel. Der Experte: „Drei bis fünf Tassen Filterkaffee am Tag wären optimal.“

© dpa-infocom, dpa:220121-99-801039/2

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