Kühlere Hallenbäder Wie halten wir uns beim Schwimmen warm? 

Müssen wir uns beim Schwimmen warm anziehen? Weil Bäder die Wassertemperatur zum Energiesparen absenken, erlauben erste Betreiber Neoprenanzüge. Wie sinnvoll ist das für kleine und große Schwimmer?
29.09.2022, 14:29
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

„Kinder sind teils schon in Neopren zu den Schwimmkursen erschienen.“ Das sagt Martina van der Wehr, die in der Pressestelle der Berliner Bäder-Betriebe arbeitet. In den Hallen- und Freibädern der Hauptstadt ist die Nutzung von Neoprenanzügen nun erlaubt.

Eine Ankündigung, die manch einen Badegast verunsichern mag: Sollten wir im Schwimmbad jetzt alle Gummianzüge tragen, die „vor großem Wärmeverlust“ schützen, wie es die Berliner Bäder-Betriebe in einer Mitteilung schreiben?

Wassertemperatur entspricht immer noch Richtlinien

Aber ganz von vorn: Die Schwimmbäder verringern die Wassertemperatur der Becken, um Energie zu sparen. „Typisch ist ein Absenkung von 28 auf 26 Grad“, sagt Ann-Christin von Kieter von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), bei der bundesweit viele Betriebe organisiert sind.

Allerdings liegt eine Wassertemperatur von 26 Grad immer noch in dem Bereich, den die Richtlinien für den Bäderbau für Hallenbäder vorsehen.

Alles also ein Fehlalarm? Nicht ganz. Denn Auswirkungen hat die Sparmaßnahme durchaus. „Nicht von der Hand zu weisen ist, dass für zumindest für einen Teil der Badbesucher die Reduzierung der Wassertemperatur den Wohlfühlfaktor verringert“, sagt Matthias Stoll. Er ist Teamleiter Prävention bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Pausen zum Aufwärmen

Deshalb sollte man angesichts der kühleren Wassertemperaturen umso mehr darauf achten, Pausen zum Aufwärmen einzulegen. Zumindest, wenn man sich länger im Wasser aufhält. Trainierte Schwimmerinnen und Schwimmer allerdings fühlten sich teils selbst bei 22 Grad noch wohl und halten lange durch – wenn sie sich stetig bewegen. Denn durch die Arbeit der Muskeln entsteht im Körper Wärme.

Bibbert man jedoch oder bekommt bläuliche Lippen, beendet man das Schwimmtraining besser. Insbesondere bei Kindern sollte man auf diese Anzeichen achten, rät Andreas Kästner, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie vom medizinischen Team der Nationalmannschaft beim Deutschen Schwimmverband (DSV).

Denn die Kleinen kühlen schneller aus als Erwachsene. Und auch Menschen mit wenig Unterfettgewebe stecken kühle Wassertemperaturen schlechter weg.

Neopren - ja oder nein?

Und was ist nun mit Neopren? Eine generelle Empfehlung, nun beim Schwimmbadbesuch einen Neoprenanzug zu tragen, geben weder die DLRG noch der Deutsche Schwimmverband (DSV).

„Bei der Kältetoleranz im Wasser gibt es erhebliche individuelle Unterschiede“, sagt Facharzt Andreas Kästner. „Bei sehr geringen Fettpolstern können bereits Wassertemperaturen von 19 Grad trotz Schwimmbewegung zu einer Hypothermie führen.“ Hypothermie bedeutet: Die Körperkerntemperatur fällt unter 35 Grad. Eine solche Unterkühlung droht allerdings nicht im Hallenbad. Denn so niedrig sind die Wassertemperaturen längst nicht.

Ganzkörper-Neoprenanzüge etwa seien laut Kästner nur bei sehr kühlen Wassertemperaturen von weniger als 21 Grad sinnvoll. Und sie bringen einige Nachteile mit sich - gerade die billigen Exemplare. Die seien, so Kästner, oft nicht zum Schwimmsport geeignet, weil sie die Beweglichkeit einschränkten. Qualitätsware für Kinder etwa gibt es erst ab rund 50 Euro.

Neopren verleiht Auftrieb

DLRG-Mitarbeiter Stoll sähe aus schwimmpädagogischer Sicht übrigens am liebsten keine Neoprenanzüge während des Schwimmunterrichts. „Das Problem ist, dass selbst zwei Millimeter dicke Anzüge mehr Auftrieb verleihen und man einfacher schwimmen lernt.“ Sind die Kinder später ohne Anzug im Wasser, kann das zu Verunsicherung führen.

Aber es gibt Alternativen, um den Körper im Schwimmbad warm zu halten. Etwa eine Badekappe, die dafür sorgt, dass man weniger Wärme über den Kopf verliert.

Und auch Shortys, also Schwimmanzüge mit kurzen Ärmeln und Beinen, können für kälteempfindliche Menschen „ein sinnvoller Kompromiss“ sein, sagt Internist Andreas Kästner.

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