Hannover

Gewalt als evolutionäres Erbe

Aus Sicht von Biologen ist der Mensch ein Säugetier, und wie bei einigen anderen Arten von Säugetieren, so gibt es auch unter Menschen tödliche Auseinandersetzungen. Mit dieser Ähnlichkeit zwischen der Welt der Menschen und der vieler Tiere befasst sich eine Studie, die eine Forschergruppe um José María Gómez von der Estación Experimental de Zonas Áridas in Almería (Spanien) im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht hat.
04.10.2016, 00:00
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Von Anja Garms

Aus Sicht von Biologen ist der Mensch ein Säugetier, und wie bei einigen anderen Arten von Säugetieren, so gibt es auch unter Menschen tödliche Auseinandersetzungen. Mit dieser Ähnlichkeit zwischen der Welt der Menschen und der vieler Tiere befasst sich eine Studie, die eine Forschergruppe um José María Gómez von der Estación Experimental de Zonas Áridas in Almería (Spanien) im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht hat. Nach ihren Angaben sind Aggressionen zum Beispiel unter Primaten einer Gruppe keineswegs selten. Raubtiere töteten manchmal Angehörige fremder Gruppen, und selbst bei Hamstern und Pferden würden gelegentlich Artgenossen umgebracht. Auch Kindstötungen ließen sich bei einigen Arten beobachten.

In der wissenschaftlichen Literatur fanden die Forscher Informationen zu vier Millionen Todesfällen bei 1024 Arten von Säugetieren aus 137 Familien. Wie die Analyse der Daten zeigte, ist Gewalt bei Arten, die in Gruppen und in festen Territorien leben, weiter verbreitet als bei Arten, deren Vertreter allein umherziehen. Deutlich wurde zudem, dass tödliche Gewalt evolutionär tief in der Linie der Primaten verwurzelt ist. Auch in prähistorischen menschlichen Gesellschaften war sie an der Tagesordnung, wie die Experten nach der Analyse von 600 Studien zu menschlichen Populationen der vergangenen rund 50 000 Jahre erklären.

Seit etwa 100 Jahren, so die Autoren der Studie, habe die Gewaltbereitschaft innerhalb der Gesellschaft stark abgenommen. Dies hänge vermutlich mit dem Einfluss der Kultur und ökologischen Bedingungen zusammen. Auch die Organisation in einem Staat – und damit die Übergabe des Gewaltmonopols an den Staat – lasse die Zahl der Tötungsdelikte sinken. „In der Frühzeit war die Menschheit so gewaltbereit, wie man es angesichts der gemeinsamen evolutionären Geschichte der Säugetiere erwarten würde“, schreiben die Forscher. Unter dem Einfluss der Kultur könne sich das Ausmaß tödlicher Gewalt jedoch verändern. Wie Mark Pagel von der University of Reading in einem Kommentar erklärt, liefert die Studie aber auch gute Gründe für die Annahme, dass der Mensch von Natur aus gewalttätiger ist als die meisten anderen Säugetiere.

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