Skifahren mit Kindern Sonne satt auf der Piste

Der Winterurlaub im Südtiroler Skigebiet Gitschberg Jochtal erfreut die ganze Familie und er hat neben Skifahren und Rodeln noch eine ganz besondere Überraschung für die Gäste am Berg.
16.01.2021, 08:00
Lesedauer: 5 Min
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Sonne satt auf der Piste
Von Sheila Schönbeck

Blicken wir zurück auf eine Zeit, als das Coronavirus das Verreisen noch nicht ausgebremst hatte. Da sah Winterurlaub im Schnee noch so aus: Ein Mann im schwarzen Frack und mit Zylinder gleitet elegant auf Skiern die Piste hinunter. Dieser Anblick verwundert doch sehr. Mit „Ski, Charme & Frack“ steht auf seiner Jacke. Der Mann mit dem freundlichen Lächeln nähert sich einer Gruppe von Drei- und Vierjährigen, die gerade ihre ersten Meter auf Mini-Skiern erleben. Ihr Skilehrer Alex Ribul stellt den adrett gekleideten jungen Mann als „Il Cavaliere“ vor. Er ist der charmante Pistenbegleiter im Skigebiet Gitschberg Jochtal in Südtirol, eine Idee des Tourismusverbandes.

Tiziano Stimpfl kümmert sich um die kleinen und großen Besucher. Der 34-Jährige ist ganz in schwarz gekleidet und sieht sich als Concierge auf Skiern oder auch als wandelndes Infobüro. „Statt Cavaliere bevorzuge ich eher Bezeichnungen wie Schornsteinfeger oder Totengräber“, sagt er und lächelt verschmitzt hinter der Sonnenbrille. Die Erwachsenen versorgt er gern mit Prosecco, Kinder bekommen von ihm Gummibärchen.

Den gesamten Winter über unterhält der Gentleman die Besucher des Skigebiets Gitschberg Jochtal. Stimpfl scherzt mit ihnen und begleitet sie durch sein Pistenrevier. Als Einheimischer kennt er jeden Berggipfel und jede Hütte bestens. 55 Pistenkilometer sorgen im Winter für Abfahrtsvergnügen. Insgesamt 15 Lifte stehen für den erneuten Anstieg bereit. Darunter auch ein italienweiter Rekord. Die Gaisjoch-Bahn hat an ihrer höchsten Stelle einen Abstand von 93 Metern zum Boden. Ihre größte Spannweite zwischen zwei Stützen liegt bei 538 Metern.

Auch für Langläufer ist gesorgt. Sie können auf zwei Loipen mit zusammen mehr als 18 Kilometern die Gegend erkunden. Vier Rodelbahnen sorgen für Spaß und Nervenkitzel bei allen Altersklassen. Die neueste und längste Bahn ist mit 6,75 Kilometern der Brimi-Winter-Run. Die Strecke ist in zwei Abschnitte unterteilt. Zum Glück, mögen einige Rodler denken, denn die Piste ist viel steiler und daher auch viel schneller als erwartet. Wie gut, dass auf halber Strecke die Pichlerhütte auf 1920 Meter liegt. Ein schöner Ort zum Verschnaufen und um in Ruhe den Blick über die Berge schweifen zu lassen. Denn auch auf dem zweiten Rodelabschnitt bleibt wenig Zeit dafür, so schnell wie es hinab geht.

Unterkünfte hat diese Urlaubsregion eine Stunde nördlich von Bozen viele. Vor allem Familien finden Hotels, die genau auf ihre Bedürfnisse angepasst sind. Eines davon ist der Alpenhof auf 1400 Höhenmetern in der 850-Seelen-Gemeinde Meransen. Sie ist Spitzenreiter unter den sonnenreichsten Orten Südtirols mit rund 280 Sonnentagen im Jahr. Seit mehr als 30 Jahren beherbergt Familie Pabst Gäste aus aller Welt. Was die Eltern einst begannen, führen seit gut zehn Jahren die vier Kinder fort.

Managerin ist Marlies Pabst. Die 36-Jährige war einst Skirennläuferin, gehörte sogar dem Nationalkader an. Doch gleich mehrere Verletzungen brachten das vorzeitige Ende der Sportkarriere. Ohne eine Ausbildung im Hotelgewerbe oder im Tourismus übernahm sie mit ihren Geschwistern den Hotelbetrieb. Die älteste Schwester Evelyn leitet den Wellness-Bereich, die jüngste Schwester Stephanie verantwortet den Service. Bruder Hannes sorgt als Küchenchef für gesunde und regionale Kost. Die Eltern Maria und Peter sind häufig im Alpenhof anzutreffen. Sie helfen, wo immer Hilfe benötigt wird.

Um dem Haus ihren eigenen Stempel aufzudrücken und es gleichzeitig einer Verjüngungskur zu unterziehen, entschieden sich die Geschwister für einen großen Umbau. „Nach zweieinhalb Jahren der Planung haben wir 2019 innerhalb von vier Monaten modernisiert und renoviert. Wir wollten Leichtigkeit und einen roten Faden reinbringen“, erläutert Marlies Pabst. Man habe sich bewusst für Qualität entschieden und auf einen Ausbau verzichtet. Fünf Millionen Euro hat die Familie investiert. Holz dominiert seitdem das gesamte Hotel, innen Fichten-, außen Lärchenholz. „Wir wollten unsere Naturverbundenheit zeigen. Außerdem ist es nachhaltig“, so die Managerin. Seit mehr als 20 Jahren gehört der Alpenhof zu der Gruppe der Familotels. Das Motto: „Urlaub auf familisch“. Eine umfangreiche Kinderbetreuung vom Baby bis zum Teenager gehört daher immer fest zum Angebot.

Darüber hinaus bieten diese Häuser weitere Annehmlichkeiten für Klein und Groß gleichermaßen. Während die Eltern im Restaurant gemütlich essen oder an der Bar noch einen Absacker trinken, bewegen sich die kleinen Gäste ganz frei, toben im Bällebad, spielen im Happy Club oder leihen sich ein Spiel aus. Bei all dem Angebot fällt es Eltern oft schwer, ihren Nachwuchs schließlich ins Bett zu bringen.

Für einige Kinder geht es am nächsten Tag wieder in die Skischule Gitschberg. Nur wenige Meter vom Alpenhof entfernt wartet Skilehrer Alex Ribul im Kinderland wieder auf seine vier Pistenzöglinge. „Ich will nicht Skifahren“, gesteht die dreijährige Mira ihrer Mutter noch im Flüsterton. Doch als Alex mit seiner aufgeweckten Art das Mädchen fragt, ob es Lust auf Skifahren habe, ruft dieses plötzlich laut „Ja!“ Schon gleitet die vierköpfige Gruppe langsam den kleinen Berg hinunter, ganz ohne Ski-Stöcker. Die Eltern wedeln derweil den größeren Hang nebenan hinab. Dieser ist später auch noch Ziel der Kinder.

Seit neun Jahren unterrichtet Alex Ribul in Meransen Urlauber im Skifahren. Der 43-Jährige hat ebenfalls eine erfolgreiche Sportlerkarriere als Fußballprofi beim FC Südtirol hinter sich. In der Oberliga hielt der gebürtige Südtiroler zehn Jahre lang den Torrekord mit 28 Toren in 29 Spielen. „Als ich 13 Jahre alt war, musste ich mich entscheiden: Fußball oder Ski“, sagt er. Heute komme er dagegen kaum noch zum Kicken. Dafür steht er nun wieder viel auf Skiern. Und nach der Arbeit auf der Piste hilft er seinen Eltern in ihrer Pizzeria.

Das Skigebiet sei ideal für Familien, so Ribul. „Es ist ruhig und nicht überlaufen. Der Schlepplift ist bestens geeignet für Anfänger. So lernen sie, gerade zu fahren“, erläutert er. Dann sind die Kleinen dran. Sie verlassen das Kinderland und betreten ihre erste richtige Piste. Ohne Scheu und mit Spaß gleitet Mira fröhlich den Berg hinunter. Das Mädchen macht, was Alex sagt: Zuerst die Hände an den Kopf, auf die Knie, an den Po legen. Und ehe sich die Kleine versieht, hat sie den ersten größeren Berg geschafft. Das Kind ist glücklich, die Eltern sind voller Stolz. Dann geht es im Schlepplift zusammen mit Ribul wieder nach oben. Noch einige Male rauschen die Kleinen den Berg hinunter. Zum Abschluss gibt es eine Goldmedaille. Ein Andenken an den Skiurlaub, das alle Kinder noch lange in Ehren halten werden.

Die Reise wurde unterstützt vom Alpenhof und der Kooperation Familotel.

Info

Zur Sache

Gitschberg Jochtal

Beste Reisezeit: Die Wintersaison im Skigebiet Gitschberg Jochtal läuft noch bis zum 5. April 2021.

Anreise: mit dem Auto über die Brennerautobahn A 22 bis Ausfahrt Brixen-Nord. Weiter Richtung Pustertal/Bruneck. Der Nachtzug der ÖBB fährt täglich ab Hannover bis Innsbruck. Von dort geht es mit dem Eurocity bis nach Franzensfeste (Fortezza). Von dort fahren Lokalzüge zu weiteren Ferienorten. Viele Hotels bieten einen Transfer an.

Skiverleih: Wer ohne Ausrüstung fährt, findet alles bei Peppi in Mühlbach/Meransen, direkt an der Seilbahn. Im Sommer können dort auch E-Bikes ausgeliehen werden. Infos unter www.sport-peppi.com.

Unterkunft: Der Alpenhof in Meransen richtet sich speziell an Familien. Ein Doppelzimmer für zwei bis drei Personen kostet ab fünf Nächten je nach Saison ab 131 Euro pro Nacht inklusive Verpflegung, Kinderbetreuung und weiteren Angeboten. Das Hotel gehört zur Hotelkooperation Familotel, die sich auf familienfreundlichen Urlaub spezialisiert hat. Mehr Infos unter www.alpenhof.org und www.familotel.com.

Weitere Informationen zu Terminen in der Wintersaison gibt es unter www.gitschberg-jochtal.com.

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