Kapitalanlage Glänzt Gold in der Krise?

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie leben wir in einer Dauerkrise. In solchen Zeiten flüchten viele Anleger in sichere Anlagen, zum Beispiel Gold. Aber zahlt sich das auch aus?
16.12.2020, 04:56
Lesedauer: 2 Min
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Berlin (dpa/tmn) - In schwierigen Zeiten gilt Gold als krisenfeste Anlage. Das lässt sich im Moment auch gut beobachten:

Lag der Preis für eine Feinunze Gold Anfang Januar 2020 bei etwa 1530 US-Dollar, kletterte er angesichts der Corona-Pandemie bis August auf fast 2060 Dollar. Anfang Dezember lag er immer noch bei etwa 1840 Dollar.

Der Faktor Sicherheit ist für viele Käufer tatsächlich ein wichtiges Argument. Für sie gilt das Edelmetall als krisenfest. Schließlich wird es schon seit sehr langer Zeit als Währung eingesetzt und hat dabei Kriege, Währungsreformen oder Rezessionen überstanden.

Gold ist wertbeständig

„Gold hat noch nie und wird vermutlich auch nie seinen Wert vollständig verlieren“, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. „Das heißt aber nicht, dass Gold eine krisensichere Anlage ist.“ Denn auch hier gibt es Risiken.

Zum Beispiel das Währungsrisiko: Gold wird vorrangig in Dollar gehandelt und wenn der fällt, fällt auch die Rendite der Barren und Münzen. Umgekehrt kann der Goldverkäufer bei einem steigenden Dollar seinen Gewinn noch ausbauen.

Doch nicht nur Devisen können volatil sein, auch der Goldpreis schwankt stark. „Daher sollte man in Gold nur das Geld anlegen, das man längerfristig entbehren kann“, rät Roland Aulitzky von der Stiftung Warentest. „Zehn Prozent der Gesamtanlage in Gold zu investieren, halte ich für nicht verkehrt.“

„Wer in Gold anlegen möchte, kann entweder Barren und Münzen kaufen oder alternativ Wertpapiere wie Goldaktien oder Goldfonds erwerben“, sagt Scherfling. Dividenden oder Zinsen gibt es bei Goldanlagen aber nicht. Kurs- und Währungsgewinne sind die einzige Möglichkeit an Gold etwas zu verdienen.

Kleine Stückelungen sind teurer

Doch vor der Rendite kommen die Kosten. Sie drücken den Gewinn - und bei Gold sind die Kosten oftmals happig. Zum Beispiel beim Ankauf.

Der Aufpreis für die kleinen Barren ist enorm. Laut einer Anbieterbefragung der Zeitschrift „Finanztest“ lag er am Jahresanfang 2020 zwischen 11 und 37 Prozent für einen Goldbarren mit 1 Gramm. Aulitzky rät daher mindestens eine Feinunze Gold zu kaufen. Da findet man sogar Filialbanken, die nur vier Prozent aufschlagen.

Wer physisches Gold besitzen möchte, auf den kommen in der Regel weitere Kosten zu. Neben der Lieferung ist das vor allem die Lagerung. Zuhause lagern, auch im Safe, bedeutet ein hohes Risiko. Ein ausreichend versichertes Schließfach kostet Gebühren.

Xetra-Gold oder Gold-ETC sind Alternativen

Wer lieber keine echten Barren oder Münzen kaufen möchte, der kann sich mit Xetra-Gold auch ein Wertpapier zulegen. Diese Gold-ETC - das Kürzel steht für Exchange Traded Commodities, also börsengehandelte Rohstoffe - sind preiswert und gut handelbar.

Jedes Wertpapier verbrieft ein Gramm Feingold. Das physische Gold lagert im Zentraltresor für deutsche Wertpapiere in Frankfurt und wird auf Verlangen und gegen Aufpreis auch ausgeliefert.

Der Vorteil der Goldwertpapiere: Man braucht kein Schließfach, ein Depot genügt. Auch in anderer Hinsicht lassen sich Kosten sparen. „Die Kaufkosten für Gold-ETC sind nicht höher als für gängige Aktien-ETF, bei günstigen Direktbanken also marginal“, sagt Aulitzky.

Anbieter gut prüfen

Wer mit einer Goldanlage liebäugelt, sollte sich den Anbieter gut anschauen. Auf dem Markt tummeln sich laut Stiftung Warentest viele schwarze Schafe. Die Schwindelshops erscheinen laut Warentestern teilweise oben bei einer Google-Suchanfrage und sind für Laien auf Anhieb nicht einfach zu erkennen. Die Vergleichsplattform Gold.de bietet eine fortlaufend aktualisierte Warnliste.

© dpa-infocom, dpa:201215-99-698050/4

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