Kos: Neptune Hotels setzen auf Nachhaltigkeit

„Massentourismus ist nicht zukunftsfähig“

Der Hotelier Wotan Paulus über deutsche Gäste im Juli sowie Umweltschutz in einem Resort
26.05.2020, 12:44
Lesedauer: 4 Min
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Von Marie-Chantal Tajdel
„Massentourismus ist nicht zukunftsfähig“

Seit dem vergangenen Jahr wird auch die Gartenanlage des Neptune Hotels nachhaltig geführt. Es werden keine Pestizide und nur noch natürliche Dünger genutzt.

Neptune Hotels

Wie empfinden Sie die momentane Situation in Griechenland?

Wotan Paulus: Ich bin mehrmals wöchentlich mit dem Management auf Kos in Kontakt. In Griechenland hat die Politik sehr schnell und strikt auf das Coronavirus reagiert, da das Gesundheitssystem einer großen Anzahl von Infizierten nicht standhalten würde. Es gab rigide Ausgangssperren und die Bürger konnten ihre Häuser nur mit Passierschein verlassen. Das hat gewirkt. In Griechenland ist die Anzahl der Infizierten mit etwas mehr als 2500 Fällen relativ gering. Von daher gibt es mittlerweile erste Lockerungen.

Glauben Sie, dass in diesem Jahr deutsche Gäste kommen können?

In Griechenland ist es geplant, in zwei Stufen Gäste wieder zuzulassen. Im ersten Schritt sollen rund um Pfingsten kleinere Hotels wieder öffnen, im zweiten im Juli größere Anlagen. Daran orientieren wir uns. Dann muss man natürlich abwarten, ob Flüge wieder zugelassen werden und welche Konzepte die Veranstalter finden, um die Gäste an die Ferienorte zu bringen.

Mussten Sie Mitarbeiter entlassen, oder gibt es in Griechenland auch Kurzarbeitergeld?

Wir haben insgesamt etwa 400 Mitarbeiter – die meisten sind übrigens Einheimische – davon sind 50 Festangestellte und 350 Saisonarbeitskräfte. Viele von ihnen sind Mitarbeiter der ersten Stunde und seit 25 Jahren bei uns. Entlassen mussten wir noch niemanden, und wir haben auch noch kein Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen. Aber die Saisonarbeiter warten natürlich auf einen Anruf. Normalerweise geht unsere Saison von Anfang Mai bis Ende Oktober.

Können Sie die Zeit der Schließung während der Corona-Pandemie nutzen?

Wir haben immer im Winter geschlossen und deshalb etwa 100 Zimmer renoviert sowie ein neues Restaurant fertiggestellt. Wir renovieren aber planmäßig jeden Winter. Während der Schließung jetzt arbeiten wir an einem Hygienekonzept. Unsere Anlage ist 15 Hektar groß. Dort kann man Abstände deshalb gut einhalten. Wenn wir maximal belegt sind, haben wir 1300 Gäste plus die 400 Personen vom Personal. Nun überlegen wir, wo wir entzerren können, um die Distanz wahren zu können.

Lässt sich so ein Corona-Jahr wirtschaftlich irgendwie auffangen?

Nein. Das Problem, das Hoteliers haben, ist: Jedes Bett, das nicht verkauft ist, kann man nicht mehr einholen. Das muss man ertragen können und das Beste daraus machen. Wichtig ist für uns, dass wir unser Personal nach Möglichkeit halten können.

Haben Sie Ihre Hotelanlage während der Saison schon einmal leer erlebt?

Nein, das gibt es nicht. Während der Saison ist hier immer etwas los.

Sie haben für das Neptune Hotel ein nachhaltiges Konzept entwickelt, in dem sich Pflanzen, Insekten und Vögel wieder ansiedeln. Wie lässt sich ein Ökosystem in einer Hotelanlage schützen?

Die Umwelt liegt uns sehr am Herzen. Seit 2013 arbeiten wir am Umweltschutz in der Anlage – und wir versuchen, uns ständig zu verbessern. Das machen wir zusammen mit Travelife. Die Initiative hilft Tourismusunternehmen Nachhaltigkeitskonzepte umzusetzen und zertifiziert sie jährlich. Seit 2015 werden wir mit Gold zertifiziert.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Hotel nachhaltig zu führen?

Das Management und ich, wir sind der Meinung, dass Massentourismus nicht zukunftsfähig ist. Es gibt eine Generation nach uns, und auch im Urlaub wollen viele Menschen Rücksicht auf die Natur nehmen. Wir sind mit unserem Hotel Gast auf dieser Insel und versuchen, etwas zurückzugeben – an die Gemeinde und natürlich auch an die Natur von Kos.

Wie haben Sie mit dem Konzept begonnen?

Wir haben zunächst mit ganz einfachen Maßnahmen begonnen, also die Klimaanlagen etwas heruntergefahren und die Lichter dort, wo es möglich war, ausgeschaltet. So haben wir gleich 20 Prozent Energie eingespart. Wenn alle das machen würden, würde das natürlich enorm viel bringen. Wenn keiner anfängt, passiert auch nichts, also haben wir begonnen, etwas zu verändern.

Was sind denn die wichtigsten Bestandteile des Konzepts?

Wir achten darauf, Energie und Wasser einzusparen. Und wir haben zusammen mit anderen Hotels ein System zur Mülltrennung eingeführt. Unser Personal wird regelmäßig geschult. So wollen wir bei ihnen Verständnis für den Umweltschutz entwickeln. Das Personal hat mittlerweile ein offenes Auge für Verschwendung und reagiert, wenn der Wasserhahn tropft oder irgendwo Licht brennt, das nicht benötigt wird. So weit es geht, setzen wir auf lokale Produkte sowie Anbieter und haben auch etwa auf dem Frühstücksbüfett eine Ecke mit griechischen Produkten wie Honig. Außerdem nutzen wir umweltverträgliches Putzmittel und reduzieren Artikel aus Plastik.

Lief das immer ohne Reibereien ab?

Nein, überhaupt nicht. Wir haben uns anfangs mit Travelife auseinandergesetzt und uns beispielsweise gefragt, wie wir das machen sollen, wenn wir keine Plastikbeutel mehr nutzen können. Die armen Putzfrauen! Aber wir haben von Anfang an auch gefühlt, dass wir das Richtige machen, und der Erfolg gibt uns recht.

Das Konzept kommt also auch bei den Gästen gut an?

Ja, wir haben zahlreiche Gäste aus Deutschland, vor allem junge Familien und ältere Leute. Viele sind begeistert und machen gern mit, indem sie etwa weniger Handtücher in die Wäsche geben oder an unseren Aktionen teilnehmen und helfen, die Strände vom Müll zu säubern oder Karettschildkröten zu schützen. Wir setzen diese Konzepte mit unseren Gästen zusammen um.

Der Wiedehopf ist mittlerweile auch im Garten des Hotels zu finden.

Der Wiedehopf ist mittlerweile auch im Garten des Hotels zu finden.

Foto: Michael Joost
Wie wird das Konzept in der Gartenanlage umgesetzt?

Wir haben eine üppige Gartenlandschaft, die nachhaltig bewirtschaftet wird. Das heißt, wie nutzen keine Pestizide, nur natürlichen Dünger, haben das Bewässerungssystem verbessert und wollen mehr Insekten ansiedeln. Damit haben wir im vergangenen Jahr begonnen. Es dauert, bis alle Vögel, Tiere und Insekten wiederkommen, aber wir haben auch Erfolge. So hat sich der Wiedehopf wieder angesiedelt sowie Igel, Steinkauz oder Schwertlilien und das Orchideengewächs Zungenstendel.

Das Gespräch führte Marie-Chantal Tajdel.

Info

Zur Person

Wotan Paulus

ist Eigentümer des Neptune Hotels Resorts & Spa auf Kos. Die Anlage befindet sich seit mehr als 25 Jahren in Familienbesitz. Er lebt mit seiner Familie in München.

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