Grimsö Große Raubtiere behaupten sich in weiten Teilen Europas

Grimsö. In weiten Teilen Europas gibt es überraschend stabile Populationen großer Raubtiere. Diese breiten sich vielerorts sogar aus, wie Wissenschaftler um Guillaume Chapron von der schwedischen Grimsö Wildlife Research Station im Fachjournal „Science“ erklären.
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Von Walter Willems

In weiten Teilen Europas gibt es überraschend stabile Populationen großer Raubtiere. Diese breiten sich vielerorts sogar aus, wie Wissenschaftler um Guillaume Chapron von der schwedischen Grimsö Wildlife Research Station im Fachjournal „Science“ erklären. Sie hatten die Verbreitung von Braunbären, Eurasischen Luchsen, Wölfen und Vielfraßen in allen Ländern des europäischen Festlands mit Ausnahme von Russland, Weißrussland und der Ukraine untersucht. Die Benelux-Länder und Dänemark sind die einzigen Länder, in denen es nicht mindestens eine Population von wenigstens einer dieser Arten gibt.

Die zehn Braunbär-Populationen mit insgesamt 17 000 Tieren verteilen sich über mehr als 20 Länder auf einem Areal von fast 500 000 Quadratkilometern. Die etwa 9000 Luchse streifen durch ein Gebiet von mehr als 800 000 Quadratkilometern. Ähnlich groß ist der Lebensraum der fast 12 000 Wölfe. Die rund 1250 Vielfraße beschränken sich hingegen auf knapp 250 000 Quadratkilometer in Schweden, Norwegen und Finnland. Skandinavien mit Finnland ist die einzige Region, in der alle vier Arten großer Raubtiere vorkommen.

Aus der Entwicklung leiten die Forscher eine grundsätzliche Erkenntnis ab: In vielen Regionen, so etwa in den USA, Teilen Afrikas und Asiens, setze man darauf, Raubtiere nach Möglichkeit von Menschen fernzuhalten und Schutzgebiete für sie zu schaffen. Die Entwicklung in Europa zeige, dass Menschen und die großen Fleischfresser grundsätzlich auf engem Raum zusammenleben könnten. Am besten könnten sich Wölfe an die Nähe des Menschen anpassen.

„Diese Zahlen erlauben einen vorsichtigen Optimismus hinsichtlich des Vorkommens, der Häufigkeit und der Entwicklung großer Fleischfresser in Europa“, schreiben die Wissenschaftler. Sie sprechen von „einer oft unterschätzten Erfolgsgeschichte des Tierschutzes“. Europa habe doppelt so viele Wölfe wie die USA, obwohl die Fläche nur etwa halb so groß und mehr als doppelt so dicht besiedelt sei. Hätte man in Europa ebenfalls auf das Modell der räumlichen Trennung gesetzt, so die Autoren, gäbe es heute kaum noch große Raubtiere. Die meisten Schutzgebiete in Europa seien nicht einmal groß genug, um wenigen großen Fleischfresser-Gruppen eine Heimat zu bieten.

Gründe für die Entwicklung sind nach Darstellung der Wissenschaftler die koordinierte Gesetzgebung, klare Regelungen für die Waldwirtschaft und Jagd sowie die starken Umweltbewegungen seit den 1970er-Jahren, die zu gesamteuropäischen Regelungen geführt haben. Auch aufgrund der Entvölkerung vieler ländlicher Regionen hätten die Raubtiere mehr Raum bekommen. Vor dem Hintergrund der europäischen Erfahrungen bestehe die Hoffnung, dass Wildtiere auch andernorts in von Menschen beherrschten Landschaften überleben könnten, schreiben die Autoren.

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