Ganderkesee

Grundwasser auch im Raum Ganderkesee mit Nitraten belastet

Ganderkesee. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen der Informationsveranstaltung am 3. Juni in Ganderkesee abgegeben wurden.
19.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen der Informationsveranstaltung am 3. Juni in Ganderkesee abgegeben wurden.

In mehr als einem Drittel der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Insgesamt wurde bei der Untersuchung das Wasser aus 44 privat genutzten Brunnen aus Ganderkesee analysiert. Die Gewässerexperten warnen vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden. Es kommt dadurch zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser. Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden 205 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Hengsterholz. Weitere sehr stark mit Nitraten belastete Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Bergedorf mit 134 Milligramm pro Liter (mg/l), in Steinkimmen mit 100 mg/l, in Bookholzberg mit 107 mg/l und in Ganderkesee mit 120 Milligramm fest. Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig ist außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese können beim Absterben zum Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser muss man bei der Düngung bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr kommt. Nur wenn man diese in seine Berechnung mit wie viel Stickstoff die angebauten Pflanzen gedüngt werden müssen einbezieht, kann eine unnötige Nitratanreicherung verhindern werden.

Nicht nur Gartenbrunnenbesitzer, sondern auch die öffentliche Wasserversorgung ist darauf angewiesen, dass das Grundwasser den Grenzwert von 50 mg/l nicht überschreitet. Während die Gartenbrunnennutzer meist nur aus dem oberflächennahen Grundwasser fördern, haben die Wasserversorger die Möglichkeit immer tiefere Grundwasservorräte anzuzapfen oder Nitrat-belastetes Grundwasser mit geringer belastetem zu mischen.

Doch auch das reicht häufig nicht mehr. Um weiterhin den Grenzwert ohne eine zusätzliche teure Aufbereitung einhalten zu können, gehen viele Wasserversorger in ihrem Trinkwasserschutzgebiet Kooperationen mit Landwirten ein. Da die derzeit gültigen Begrenzung der Düngermengen in der Landwirtschaft nicht ausreicht um das Grundwasser unter Ackerflächen vor einer zu hohen Nitratauswaschung zu schützen, erhalten die Landwirte die freiwillig diese Kooperationen eingehen Ausgleichszahlungen, wenn sie weniger Dünger einsetzen.

In diesen landwirtschaftlichen Gebieten stehen Vertreter der Landwirtschaft und der Wasserversorgung mit ihren unterschiedlichen Interessen im Kontakt. Der Landwirt kennt die Nitratkonzentration unter seinen Feldern und kann Fehler in der Bewirtschaftung der Ackerflächen, die zu einer zu starken Nitratauswaschung führen erkennen und minimieren. Das kommt dem Grundwasser in den Gewinnungsgebieten zu Gute, doch außerhalb dieser ändert sich nichts.

Um die Notwendigkeit einer Änderung der Düngerausbringung auch außerhalb der Wasserschutzgebieten zu sehen, brauchen die Landwirte dringend Messwerte über den Zustand des Grundwassers. Der VSR-Gewässerschutz möchte diese Informationslücke mit den durchgeführten Messungen schließen. Daher sind die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen beim Nitrat seit 1984 auf der Homepage dargestellt. Einen guten Überblick liefern auch die aktuellen Nitratkarten der Gewässerschützer.

Brunnennutzer, die sich für die Grundwasserbelastung in ihrer Region interessieren können weitere Informationen auf der Homepage www.vsr-gewässerschutz.de erhalten. Die Umweltschützer werden in den kommenden Jahren weitere Brunnenwasseranalysen durchführen. Fragen dazu beantwortet Harald Gülzow, Experte in Grundwasserfragen, immer freitags zwischen 9 und 12 Uhr unter Tel. 02831/ 97 65 23.

Der VSR-Gewässerschutz kritisiert bereits seit Jahrzehnten die Fokussierung im Grundwasserschutz allein auf die Wassergewinnungsgebiete – es bedarf nach Auffassung der Umweltschützer hingegen einen flächendeckenden Schutzes. Neben dem gesundheitlichen Aspekt der Grundwasserbelastung darf auch der ökologische nicht vernachlässigt werden. Das mit Nitraten belastet Grundwasser sickert den Bächen in der Region zu und fließt dann über Weser weiter zur Nordsee. Dort wirkt das Nitrat als Dünger und fördert das Algenwachstum. Es kommt zur Eutrophierung, die jeder Urlauber auch an der Schaumbildung an den Stränden sehen kann.

Weitere Informationen unter www.VSR-Gewaesserschutz.de und die aktuelle Nitratkarte finden unter www.vsr-gewaesserschutz.de/15.

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