Gut Panker

Ein lebendiges Museumsdorf: Wo der Graf von Hessen Ferien macht

Unweit der Ostsee liegt das Gut Panker. Das Gelände ähnelt einem Museumsdorf - hier leben und arbeiten nicht nur rund 80 Menschen, es gibt neben alten Pferderassen auch einige alte Gebäude zu entdecken.
02.11.2020, 08:51
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Ein lebendiges Museumsdorf: Wo der Graf von Hessen Ferien macht
Von Patricia Brandt
Ein lebendiges Museumsdorf: Wo der Graf von Hessen Ferien macht

Das mehr als 500 Jahre alte, denkmalgeschützte Gut Panker in
Schleswig-Holstein ist geprägt von seinem barocken Herrenhaus. Zum Gut gehören aber auch Kapelle, Torhaus, Wirtschafts- und Wohngebäude.

Patricia Brandt

200 Jahre alte Alleen und historische Backsteingebäude prägen das Ortsbild. Hinter weißen Zäunen grasen dunkle Trakehner, die älteste Reitpferderasse der Welt. Und über allem thront das weiße barocke Schloss des Urenkels von König Viktor Emanuel III. von Italien. Was nach einem historischen Roman klingt, ist Wirklichkeit: Das denkmalgeschützte Gut Panker unweit der Ostsee ist aber mehr als ein Museumsdorf. Hier leben und arbeiten rund 80 Menschen, und wenn er gerade Ferien hat, trifft man Heinrich Donatus Prinz von Hessen nach einem Reitausflug auch schon mal mit seiner Frau Floria-Franziska, geborene Gräfin von Faber-Castell, im Guts-Restaurant.

Eine Reservierung in der Wirtschaft Ole Liese oder im Gourmetrestaurant 1797 empfehle sich, sagt Gutsverwalter Heinrich von der Decken (62) bei einem Rundgang durch das Dorf mit idyllischer Kapelle und mächtigem Torhaus. Der studierte Agrarökonom aus dem Raum Stade verwaltet das Gut seit etwa 20 Jahren. Er fühlt sich, seitdem er von der Oste an die Ostsee gekommen ist, zum Leidwesen seiner Eltern ganz als Schleswig-Holsteiner. Gerade an den Wochenenden locke das mehr als 500 Jahre alte, denkmalgeschützte Gut viele Besucher. Früher kamen die Gruppen oft in Bussen, heute profitiert das Gutsdorf auch vom Radtourismus. „Der Radtourismus hat wegen der E-Bikes extrem zugenommen“, sagt Heinrich von der Decken.

Bekannt ist Gut Panker auch wegen seiner Trakehnerzucht. Verwalter Heinrich von der Decken zeigt eine Stute mit ihrem Fohlen. Die Pferde wachsen auf weitläufigen Weiden mit Blick auf die Ostsee auf.

Bekannt ist Gut Panker auch wegen seiner Trakehnerzucht. Verwalter Heinrich von der Decken zeigt eine Stute mit ihrem Fohlen. Die Pferde wachsen auf weitläufigen Weiden mit Blick auf die Ostsee auf.

Foto: Patricia Brandt

Während Gut Panker in früheren Jahren hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt war, können Besucher heute in Läden und Galerien nach Mode, Kunst und Interieur stöbern, die sich in den alten Backsteingebäuden angesiedelt haben. Doch immer noch kümmert sich Heinrich von der Decken um die Bewirtschaftung von rund 2000 Hektar Land. Betrieben werden Land- und Forstwirtschaft: „Wir bauen Raps, Weizen, Gerste, Hafer und Mais an.“

Der Gutsverwalter sorgt aber mit Algenkalkbestellungen auch dafür, dass die akkurat getrimmten Buchshecken rund um das Schloss gedeihen. Das barocke Herrenhaus, das auf das 14. Jahrhundert zurückgeht, hat 1967 als Kulisse für eine Verfilmung der Novelle „Rheinsberg“ von Kurt Tucholsky gedient. Zu besichtigen ist es allerdings nicht. Es ist das Feriendomizil des Grafen Heinrich Donatus Prinz von Hessen und seiner Familie. Hinter dem Schloss verborgen soll ein wunderschöner englischer Landschaftspark liegen, den einst der Vater des Hessen-Prinzen, Moritz von Hessen, anlegen ließ.

Das Gestüt Panker gilt als eines der ältesten Trakehner-Gestüte Deutschlands

„Seit 1738 sind die Hessen in Schleswig-Holstein“, berichtet Heinrich von der Decken. 1739 erwarb der aus der Linie Hessen-Kassel des Hauses Hessen stammende König Friedrich I. von Schweden Gut Panker. Heute ist die Hessische Hausstiftung Eigentümer.

„Der Auftrag der Hausstiftung ist der Erhalt der Kulturwerte des hessischen Fürstenhauses, so betrachten wir auch die Trakehner – als Kulturgut“, sagt der Verwalter. Das Gestüt Panker gilt als eines der ältesten Trakehner-Gestüte Deutschlands. 25 Tiere werden derzeit im Gutsdorf versorgt und auf regelmäßigen Auktionen verkauft.

Gegründet worden sei die Trakehnerzucht kurz nach dem Krieg mit wenigen Pferden aus Ostpreußen, berichtet von der Decken, als er die historischen Stallungen von 1780 betritt. Der Geruch von Stroh und Pferden liegt in der Luft. Die meisten Tiere sind an diesem Morgen auf der Weide, nur Tadeus, ein edler Hengst, streckt den Kopf über die Stalltür. Die Bereiterin des Guts wird ihn gleich an der Longe führen, um ihn zu trainieren.

Küchenchef Volker M. Fuhrmann hat bei Sternekoch Johann Lafer gelernt, Kanzlerin Merkel bekocht und sich auf Gut Panker in Schleswig-Holstein seinen ersten Michelin Stern im Restaurant 1797 erkocht. Unser Foto zeigt ihn im Küchengarten des Restaurants.

Küchenchef Volker M. Fuhrmann hat bei Sternekoch Johann Lafer gelernt, Kanzlerin Merkel bekocht und sich auf Gut Panker in Schleswig-Holstein seinen ersten Michelin Stern im Restaurant 1797 erkocht. Unser Foto zeigt ihn im Küchengarten des Restaurants.

Foto: Patricia Brandt

Viele der alten Wirtschaftsgebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert und die alte Schule sind heute Wohngebäude. In einem wohnt der Sternekoch Volker M. Fuhrwerk. Als sich der in der Lutherstadt Wittmund geborene Fuhrwerk 2013 auf die Stelle als Koch im Restaurant Ole Liese in der Holsteinischen Schweiz bewarb, habe ihm die ländliche, heimelige Atmosphäre sofort zugesagt. Fuhrwerk kam damals aus Berlin, wo er Küchenchef im Schlosshotel im Grunewald war. Dort kochte er nicht nur für Gäste des Restaurants Vivaldi, sondern auch für Staatsoberhäupter im Bundeskanzleramt. „Frau Merkel war es immer wichtig, dass es bodenständig ist und nicht abgespaced.“

Berlin sei ihm und seiner Frau zu groß gewesen. „Wir wollten einen Garten haben, in der Natur sein“, berichtet er. Er bezeichnet es als Glück, auf dem Gut wohnen zu dürfen. Der 39-Jährige führt durch seinen Küchengarten, in dem er mit seinem Team Kohl und Karotten gesät hat. Aber nicht nur. Zwischen zwei alten Apfelbäumen gedeihen alte Tomatensorten und blüht noch gelber Topinambur. Die Topinambur-Pflanze schätzt er vor allem, weil sie frosthart ist. Fuhrwerk: „Ich sehe alles durch die Kochbrille“, sagt er. „Wenn ich Pflanzen sehe, frage ich mich immer, ob man sie essen oder was man sonst noch mit ihnen machen kann.“

Uralte Bäume säumen die Straßen zwischen den historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden von Gut Panker.

Uralte Bäume säumen die Straßen zwischen den historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden von Gut Panker.

Foto: Michael Brandt

Aus Mädesüß zum Beispiel stellt Fuhrwerk Sirup für Desserts her und mit den winzigen Blüten der weißen Sternmiere dekoriert er die Gerichte. Fuhrwerks regionale Küche steckt voller Fantasie: Die Zeit des Lockdowns nutzte er, um Fichtentriebe zu sammeln – für eine neue Eiskreation. Nach anderthalb Jahren erkochte sich Fuhrwerk mit dem Obst und Gemüse aus dem Küchengarten seinen ersten Michelin-Stern im Restaurant 1797 auf Gut Panker.

Gelernt hat Fuhrwerk übrigens bei Sterneköchen wie Johann Lafer und Jens Rittmeyer. Von Fernsehkoch Lafer habe er zum Beispiel das Konzept der zwei Restaurants übernommen. „Wir können hier ganze Tiere verarbeiten: Den Rehrücken gibt es im Gourmetrestaurant 1797, das Gulasch in der Wirtschaft Ole Liese.“

Der Graf hält es dabei offenbar wie die Kanzlerin: Er speist auch bodenständige Kost. „Der Graf isst sehr gern Wiener Schnitzel in der Wirtschaft, meist mit seiner Familie.“ Fuhrwerk serviert dem Landgrafen übrigens das klassische Wiener Schnitzel. Der Idee, dem gebürtigen Kieler ein typisches Holsteiner Schnitzel vorzusetzen, ist er nie verfallen: „Ich weiß nicht, warum man etwas, das man gerade perfekt gebraten hat, mit einem Spiegelei wieder matschig machen sollte.“

Die Reise wurde unterstützt von Gut Panker .

Info

Zur Sache

Gut Panker

Anreise: mit dem Auto über die A 1, A 7 bis Kiel. Dort auf der A 215 Ausfahrt B 76 nehmen. Der Bundesstraße folgen, B 202 bis Torhaus in Panker nehmen; oder mit dem Zug über Hamburg und Kiel, dann mit dem Bus nach Lütjenburg und weiter nach Panker.

Unterkunft: Hotel Ole Liese, 23 Zimmer und Suiten sowie zwei Restaurants.

Freizeit: Wandern und Radfahren in der Umgebung von Gut Panker. Ausgeschilderte Wege führen durch den größten Naturpark Schleswig-Holsteins zu Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten wie dem Hessenstein. Ostsee-Strände sind circa zehn Kilometer entfernt. Golfen in Hohwacht, Eiszeitmuseum in Lütjenburg.

Weitere Informationen

Anreise: mit dem Auto über die A1, A7, A215 und B76 in Kiel folgen, auf A215 Ausfahrt B76 nehmen, B76 folgen, B202 bis Torhaus in Panker nehmen; mit dem Zug über Hamburg und Kiel, dann mit dem Bus nach Lütjenburg und weiter nach Panker.

Unterkunft: Hotel Ole Liese, 23 Zimmern und Suiten sowie zwei Restaurants.

Freizeit: Wandern und Radfahren in der Umgebung von Gut Panker. Ausgeschilderte Wege führen durch den größten Naturpark Schleswig-Holsteins zu Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten wie dem Hessenstein. Ostsee-Strände sind circa zehn Kilometer entfernt. Golfen in Hohwacht, Eiszeitmuseum in Lütjenburg.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+