Hilfreiche Regenwürmer

Während manche Menschen Regenwürmer eklig finden, sind sie für Tiere wie Vögel eine begehrte Nahrung. Allen Grund, besonders froh über Regenwürmer zu sein, haben Gärtner, denn die Tiere tragen dazu bei, die Wachstumsbedingungen für Pflanzen zu verbessern.
11.09.2015, 00:00
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Hilfreiche Regenwürmer
Von Jürgen Wendler
Hilfreiche Regenwürmer

Regenwürmer spielen eine wichtige Rolle für die Lockerung und Belüftung von Böden. Sie fördern das Pflanzenwachstum.

Martin Schutt, dpa-tmn

Während manche Menschen Regenwürmer eklig finden, sind sie für Tiere wie Vögel eine begehrte Nahrung. Allen Grund, besonders froh über Regenwürmer zu sein, haben Gärtner, denn die Tiere tragen dazu bei, die Wachstumsbedingungen für Pflanzen zu verbessern. Regenwürmer ernähren sich von totem Pflanzenmaterial und scheiden mit ihrem Kot Nährstoffe aus, die von Pflanzen benötigt werden. Mit dem Pflanzenmaterial nehmen sie auch schädliche Stoffe auf. Warum diese ihnen nichts anhaben können, hat kürzlich eine internationale Forschergruppe um Manuel Liebeke vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen gezeigt.

Pflanzen stellen bestimmte Verbindungen her, sogenannte Polyphenole, die verschiedene Aufgaben erfüllen. So dienen sie unter anderem als Farbstoffe und schützen Pflanzen davor, gefressen zu werden; sie behindern Verdauungsvorgänge bei Pflanzenfressern. Die Wissenschaftler um Liebeke haben im Darm von Würmern bestimmte Moleküle, sogenannte Drilodefensine, entdeckt, die verhindern, dass sich die Polyphenole an Stoffe im Darm binden. Sie umgeben Nahrungseiweiße und Enzyme, also Stoffe, die biochemische Reaktionen in Gang setzen und kontrollieren, wie eine Schutzhülle. Ohne sie würde der Wurmdarm geschädigt. Mit anderen Worten: Ihnen verdanken die Tiere, dass sie die pflanzliche Nahrung verdauen können. Wie die Forscher herausgefunden haben, werden im Wurmdarm umso mehr Drilodefensine gebildet, je mehr Polyphenole die Nahrung des Tiers enthält.

In Deutschland gibt es 46 Arten von Regenwürmern, wie eine vor einem Jahr im Fachjournal „Zootaxa“ veröffentlichte Untersuchung gezeigt hat. Nur eine dieser Arten kommt nach den Erkenntnissen der Forscher ausschließlich in Deutschland vor, ist also „endemisch“, wie Fachleute sagen. Bei ihr handelt es sich um den Badischen Riesenregenwurm (Lumbricus badensis). Der bis zu 60 Zentimeter lange Wurm ist im südlichen Schwarzwald zu Hause. Besonders häufig vertreten ist hierzulande der Gemeine Regenwurm oder Tauwurm (Lumbricus terrestris), der eine Länge von bis zu 30 Zentimetern erreichen kann.

Dass Regenwürmer gut für den Boden und das Pflanzenwachstum sind, hängt nicht nur mit ihrem Kot zusammen, der unter anderem Stickstoff, Phosphat, Kalium, Magnesium und Kalzium enthält. Indem sich die Tiere durchs Erdreich graben, belüften sie den Boden und erhöhen dessen Fähigkeit, Regenwasser zu speichern. Außerdem befördern sie Nährstoffe aus tieferen Bereichen zu den Wurzeln von Pflanzen. Zu biologischen Schädlingsbekämpfern werden Regenwürmer dadurch, dass sie Laub in tiefere Bereiche des Bodens ziehen und fressen. Damit vertilgen sie nach Darstellung von Fachleuten zugleich Pilzsporen und andere Keime.

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