Draht & Esel „Ich habe ein Faible für Klappräder“

Maren Rache und ihr orangenes Klapprad sind beide gleich alt: Baujahr 1975. Wenn die beiden unterwegs sind, entschleunigen sie den Alltag. Etwa, wenn hinter ihr eine vollbesetzte Bahn tuckert.
19.05.2019, 06:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Jean-Pierre Fellmer
Das erste Mal auf zwei Rädern

Als ich ungefähr dreieinhalb Jahre alt war, habe ich von meiner Patentante ein rotes Rad mit Stützrädern geschenkt bekommen. Darauf war ich sehr stolz. Nach etwa einem Jahr hat meine Familie beschlossen, dass die Stützräder abgebaut werden sollen. Das hat mich extrem verunsichert, ich bin ohne die Stütze dann auch gleich hingefallen. Danach mussten sie mich überreden, dass ich es mit dem Rad doch noch einmal versuche. Und es hat geklappt.

Das aktuelle Fahrrad

Derzeit fahre ich ein orangefarbenes Klapprad. Das habe ich zum 40. Geburtstag geschenkt bekommen und es ist genauso alt wie ich – auch Baujahr 1975. Weil mir schon so viele Räder geklaut wurden, stelle ich meine Räder immer in den Hausflur, das Klapprad passt da gut rein. Ich benutze es vorwiegend als Cityflitzer, wenn ich zum Einkaufen oder zur Kneipe fahre. Es fährt sich gut und hat eine Besonderheit, eine Duomatic. Das ist eine Schaltung mit zwei Gängen: Beim Rücktritt schaltet es um.

Die Vorgängermodelle

Ich habe ein Faible für Klappräder und besitze auch noch ein weiteres, ein weißes Peugeot-Klapprad aus den 70er-Jahren. Das ist jetzt sozusagen mein mondänes Sonntagsfahrrad. Außerdem habe ich noch ein altes Damenrad der Marke Vaterland aus den 60er-Jahren. Das nehme ich, wenn ich längere Strecken fahre. Eigentlich habe ich nur historische Fahrräder.

Die schönste Tour

Es gibt in Richtung Weyhe an der Weser einen See, den Hansa-Beton-See. Ich bin schon mehrfach zusammen mit meinem Hund den Deich entlang geheizt und habe mich dann an den See gesetzt.

Die Lieblingsstrecke

Früher habe ich in der Neustadt gewohnt, hatte aber schon mein Atelier hier im Hulsbergviertel. Es war total schön an einem lauen Sommerabend nach der Arbeit die Sielwallfähre zu nehmen und dann an den Kleingärten und am Werdersee entlang zu fahren. Dafür habe ich mir dann auch die Fähre geleistet, obwohl ich nur ein paar Meter weiter über die Wilhelm-Kaisen-Brücke hätte fahren können.

Der letzte Diebstahl

Insgesamt wurden mir in den vergangen 20 Jahren viele Räder geklaut, bestimmt sechs oder sieben. Das letzte Mal ist aber schon ungefähr zehn Jahre her. Vor der Haustür gibt es leider keine Möglichkeit, ein Rad abzuschließen. Deswegen stelle ich meine Räder auch immer im Flur ab.

Der schlimmste Unfall

Als ich zwölf war, sind eine Freundin und ich in Rotenburg (Wümme) von einem Autofahrer angefahren worden, obwohl wir grün hatten. Zum Glück ist da nichts Schlimmeres passiert, aber ich bin mit dem Gesicht auf die Straße gefallen und sah wochenlang richtig schlimm aus. Meine Freundin ist zum Glück auch heil geblieben. Der Autofahrer war über 80, der ist auch erst einmal weitergefahren und ist erst zwei Kreuzungen später angehalten. Mein Rad war danach Schrott, aber ich brauchte damals sowieso ein neues.

Leute mit Klapprädern sind…

…Menschen, die sich nicht zu ernst nehmen und damit leben können, dass sie aussehen wie ein Affe auf dem Schleifstein, wenn sie unterwegs sind.

Ich fahre gern Rad, weil…

...ich damit schnell, unkompliziert und umweltbewusst unterwegs bin – auch wenn ich mal ein Bier getrunken habe. Außerdem muss man nie einen Parkplatz suchen.

Fahrradfahren in Bremen ist…

…die ideale Fortbewegung. Die Strecken sind gar nicht so weit und es gibt viele schöne Fahrradwege. Es wird auch viel für Fahrradfahrer getan, es gibt immer mehr Fahrradstraßen. Mir gefällt aber nicht so gut, dass man manchmal als Radfahrer eine lebendige Verkehrsberuhigung ist: zum Beispiel wenn ich, wie so oft, vor dem Steintor auf dem Radweg unterwegs bin und eine Bahn mit 100 Passagieren hinter mir im Schritttempo herfährt. Da komme ich mir etwas blöd vor, wenn ich die Leute mit meinem orangefarbenen Klapprad aufhalte.

Die Fragen stellte Jean-Pierre Fellmer.

Info

Zur Person

Maren Rache

ist freiberufliche Grafikdesignerin im Atelier Krake im Hulsbergviertel. Die 43-Jährige wurde in Rotenburg (Wümme) geboren und lebt seit 22 Jahren in Bremen. Sie hat an der Hochschule für Künste ihr Diplom in Grafikdesign gemacht und im Anschluss für mehrere Werbeagenturen gearbeitet.

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