Draht und Esel „Ich habe mir das Radfahren selbst beigebracht“

Auf ihrem Fahrrad saust Inga Neumann täglich quer durch Bremen. Erwachsene brauchte sie als Vierjährige nicht, um das Radeln zu lernen. Welche Touren die Sozialarbeiterin am meisten schätzt.
06.05.2018, 13:29
Lesedauer: 3 Min
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„Ich habe mir das Radfahren selbst beigebracht“
Von Karin Mörtel
Das erste Mal auf zwei Rädern

Wenn ich ganz tief in meiner Erinnerung grabe, fallen mir Besuche bei Verwandten auf einem Bauernhof ein, da muss ich vier oder fünf Jahre alt gewesen sein. Zusammen mit einem ganzen Rudel von Kindern spielten wir an einem Hügel, ich nahm das kleine Fahrrad meiner Cousine und ließ mich immer wieder runter rollen, das klappte ganz gut. So gesehen habe ich mir das Radfahren selbst beigebracht, Erwachsene brauchte ich dazu nicht. Mein erstes eigenes Fahrrad bekam ich dann erst als Grundschulkind. Es war blau.

Das aktuelle Fahrrad

Ich fahre seit zehn Jahren ein verlässliches, robustes Trekkingrad, an dem ich sehr schätze, dass ich damit nicht nur auf geteerten Straßen, sondern auch auf Kopfsteinpflaster und unbefestigten Wegen bequem unterwegs bin. Das ist wichtig, weil ich täglich damit sowohl im Viertel als auch im Park links der Weser fahre. Mein Rad gehört einfach ganz fest zu mir, ich bin täglich damit bei Wind und Wetter unterwegs. Einmal kam ich mit dem Auto zur Arbeit, da wurde ich gleich erschrocken darauf angesprochen, dass das gar nicht zu mir passt.

Die schönste Tour, der größte Erfolg

Erfolge habe ich keine vorzuweisen, dafür aber gleich drei schöne Touren: Den Osteseeküsten-Radweg über die Halbinsel Fischland fand ich total toll. Wir hatten traumhaftes Wetter in dieser schönen Landschaft mit ihren Wäldern und Sandstränden, das ist mein Favorit. Aber auch die mehrtägige Fahrt um den Bodensee herum war wunderbar mit dem spiegelglatten Wasser und im Hintergrund die Alpen mit Schnee obendrauf – spektakulär. In ihrer Schönheit überrascht hat mich außerdem die Runde um den Kaiserstuhl im süddeutschen Rheingraben. Wohlgemerkt drumherum, nicht drüber hinweg. Da hat man tolle Einblicke in die Rheinauen und die Strecke ist leicht zu bewältigen.

Die Vorgängermodelle

Da ich meinen Rädern die Treue halte, bis sie kaputt gehen, sind es insgesamt nur fünf Räder gewesen, die ich alle lange gefahren haben. Besonders in Erinnerung habe ich ein etwas sportlicheres Fahrrad mit nach oben gebogenen Lenkern aus meiner Studienzeit. Das hatte ich mir Rot lackiert. Mein Lieblingsrad ist eines von der Fahrradmanufaktur gewesen, das hatte grüne Schutzbleche, das fand ich absolut schick.

Der letzte Diebstahl

Bis jetzt bin ich verschont geblieben. Aber ich war richtig stinkesauer, dass mir einmal am Hauptbahnhof ein schöner Ledersattel geklaut wurde. Seitdem parke ich dort auch nicht mehr. Ich habe ewig gesucht, weil ich mein Fahrrad immer an meinem Sattel erkenne und dann musste ich im Stehen nach Hause fahren. Als Kind habe ich lange einem Tacho nachgetrauert, der mir an der Schule geklaut wurde, der war für mich etwas ganz Besonderes. Da habe ich richtig geheult.

Die Lieblingsstrecke

Ich fahre am liebsten die Blockland-Runde. Und die Tour nach Fischerhude über Höpkens Ruh durch die schönen Wümmewiesen mag ich auch unglaublich gerne.

Der ausgefallenste Fahrradschmuck

Ich habe meine Räder noch nie geschmückt. Weil ich so groß bin, erkenne ich mein Fahrrad immer sofort an meinem extrahohen Sattel, da brauche ich keinen auffälligen Schnickschnack.

Die am häufigsten gefahrene Strecke

Das ist mein Arbeitsweg aus dem Viertel durch den Park links der Weser nach Huchting ins Bürger- und Sozialzentrum. Ich fahre diese 21 Kilometer seit 28 Jahren fünf Mal in der Woche. In der Neustadt muss man an manchen Ecken sehr gut aufpassen, aber spätestens im Park ist diese Fahrt für mich die pure Entspannung.

Der schlimmste Unfall

Ich habe mich nur einmal bei Glatteis auf die Seite gelegt, das war sehr schmerzhaft. Doch einen schlimmen Unfall hatte ich zum Glück noch nie.

Trekkingradfahrer sind …

...sehr wahrscheinlich Vielfahrer. Und ich vermute, dass viele auch ihr Rad wie ich in den Urlaub mitnehmen. Ansonsten dürfte es sicherlich eine ziemlich bunte Mischung an Menschen sein.

Ich fahre gern Fahrrad, weil …

…ich schnell einen Parkplatz finde und gerne an der frischen Luft bin. Ich mag es auch, selbstbestimmt von A nach B zu kommen. Ich weiß genau, wann ich losfahren muss, um pünktlich anzukommen.

Fahrradfahren in Bremen ist …

…grüner als man in einer Großstadt erwarten kann. Klar gibt es anstrengende Ecken und ich wünsche mir, dass Autofahrer mehr auf Radfahrer aufpassen. Aber es gibt quasi in allen Stadtteilen viele schöne Strecken durch Kleingartengebiete, Parks und schöne Natur. Auch die Radwege sind im Vergleich zu anderen Städten gut ausgebaut. Und man muss in Bremen keine Berge bewältigen, das schätze ich sehr.

Die Fragen stellte Karin Mörtel.

Info

Zur Person

Inga Neumann

ist Quartiersmanagerin in Huchting vom Amt für Soziale Dienste. Für die 61-jährige Sozialarbeiterin gilt: kein Urlaub ohne Fahrrad.

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