Auf den Malediven Korallen züchten

Im Urlaub ein Stück Welt retten

Die Malediven gelten mit ihren weißen Sandstränden, blauen Lagunen und ausgedehnten Riffen als beliebtes Ferienziel für Verliebte und Superreiche. Urlauber können sich aber auch nachhaltig engagieren.
16.07.2019, 14:06
Lesedauer: 5 Min
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Von Anja Knorr
Im Urlaub ein Stück Welt retten

Keine Angst vor Riffhaien. Eher müssten sich die Meeresbewohner selbst wegen der zunehmenden Gefährdung ihres Lebensraums fürchten.

Anja Knorr

Konotta. „Versuche, so behutsam wie möglich zu sein“, nickt mir die Marinebiologin Amelia Cody aufmunternd zu. In meinen Händen halte ich einen Faden aus Kokosnussfaser und ein kleines Stück abgebrochener Koralle. Ich soll die Koralle an ein Eisenfragment binden, damit dieses später ins Wasser gelassen werden kann.

Amelia erklärt, dass durch Stürme, Wellen und unachtsamen Schnorchler und Taucher viele Korallen abbrechen würden. Diese abgebrochenen Korallen hätten im Wasser keine Chance auf Überleben. Also sammelt ihr Team diese während ihrer Tauchgänge ein und päppelt sie mit dem sogenannten Ozone Coral Conservation Programm wieder auf.

Das Programm wurde 2015 in Zusammenarbeit mit dem Meeresmuseum in Stralsund entworfen. Ziel der Kooperation war es, vor der maledivischen Insel Konotta ein künstliches Riff anzulegen. Auf mehreren Inseln initiiert das Museum die Umweltbildungsaktion „Coral Doctors“, mit der Malediver bei ihren Bemühungen um den Schutz von Korallenriffen unterstützt werden.

Die Malediven bestehen aus 26 ringförmigen Atollen mit mehr als 1000 Koralleninseln, wovon allerdings nur 220 bewohnt sind. Amelia arbeitet im Outrigger Konotta Maldives
Resort. Das Hotel liegt im südlichen Gaafu Dhaalu Atoll und hat sich genauso wie viele Hotels auf den Malediven der Nachhaltigkeit verschrieben.

Das ist in einem Land, das zu mehr als
90 Prozent aus Wasserflächen besteht und nur etwa einen Meter über dem Meeresspiegel liegt, ein wichtiges Anliegen. Das Land ist vom Klimawandel, dem weltweiten Anstieg des Meeresspiegels und der Erderwärmung unmittelbar betroffen. So kam es im Jahr 2016 zu einer weitflächigen Korallenbleiche in den Riffen auf den Malediven, die einen großen Teil der Korallen absterben ließ.

Abgebrochene Korallenstücke werden im Wasser wieder aufgepäppelt.

Abgebrochene Korallenstücke werden im Wasser wieder aufgepäppelt.

Foto: Anja Knorr

Die Marinebiologin wird eindringlicher und macht auf die Wichtigkeit des Coral Conservation Programms aufmerksam: „Korallenriffe gehören zu den ältesten Ökosystemen der Welt und bieten einen wichtigen Lebensraum für Larven und Jungfische. Sie sind durch die Erderwärmung stark gefährdet.“ Künstlich angelegte Riffe können bei der Wiederansiedlung helfen und die Biovielfalt erhöhen. Jeden Monat wird mit Hilfe von Gästen ein neues Eisenfragment ins Wasser gelassen. Zusätzlich werden sogenannte „Dive Against Debris“ Events abgehalten, bei denen Gäste das Hausriff der Insel von Schmutz und Ablagerungen befreien. Beim regelmäßig stattfindenden „Desert Island Clean-up“ befreien Gäste gemeinsam mit anderen Freiwilligen eine nahegelegene Insel von angespültem Abfall.

Solche Vereinnahmung der Gäste ist gewollt, denn die Eigentümer des Resorts erhoffen sich dadurch eine größere Achtsamkeit gegenüber der unvergleichlichen Unterwasserwelt: Wer beim Aufstehen schon klare Lagunen, blaues Wasser und viele Meeresbewohner vom Schlafzimmerfenster aus beobachtet, ist eher gewillt, den Umweltschutz nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Bei den Aktionen lernen Touristen unmittelbar, dass ihr Verhalten eine konkrete Auswirkung auf das sensible Ökosystem der Unterwasserwelt hat.

Das Kalkül dahinter ist klar: Wer einmal ein Korallenfragment ins Wasser gezogen hat und von der engagierten Marinebiologin Amelia die dazu gehörigen Informationen über unvorsichtiges Anfassen von Seesternen und Trampeln auf Korallen aufgeklärt wurde, wird nicht weiter unachtsam mit der Natur umgehen.

Angesichts der Tatsache, dass die meisten Touristen lange Flugstrecken hinter sich gebracht haben, um auf den Malediven ihren wohl verdienten Traumurlaub zu verbringen, ist es umso wichtiger, ihnen die Dringlichkeit des Klimaschutzes zu verdeutlichen und mit ihnen gemeinsam aktiv gegen das Artensterben im Ozean vorzugehen. Denn die Malediver leben fast ausschließlich vom Tourismus. Laut dem zuständigen Minister, Moosa Zamer, besuchten im Jahr 2017 über 1,3 Millionen Urlauber die Malediven. Dagegen sind Einheimische auf den Touristeninseln lediglich als Personal zugelassen. Erst seit dem Jahr 2009 ist es Urlaubern überhaupt möglich, ohne Genehmigung auf die Inseln der Einheimischen zu reisen. Der erste demokratisch gewählte Präsident, Mohamed Nasheed, ordnete außerdem an, dass es nunmehr Maledivern erlaubt sein soll, Gästehäuser auf ihren Inseln zu errichten. Seitdem öffnet sich die exklusive Inselwelt der Malediven immer mehr den Individualreisenden.

Konotta bedeutet in der Landessprache Dhivehi Kokosnuss und passenderweise fallen Besuchern die kleinen Nüsse direkt vor die Füße. Die Insel liegt mitten im Ozean eine Flugstunde von der Hauptstadt Malé entfernt – scheinbar am Ende der Welt. Die einen halben Kilometer messende Uferlinie lässt sich wunderbar in einer Stunde umschnorcheln. Dabei nimmt Amelia Unwissende an die Hand und erklärt, warum etwa Haie größere Angst vor uns Menschen haben müssen als umgekehrt.

Scheinbar paradiesische Verhältnisse: Die vor Konotta schwimmende Schildkröte lässt sich von Tauchern nicht im geringsten aus der Ruhe bringen.

Scheinbar paradiesische Verhältnisse: Die vor Konotta schwimmende Schildkröte lässt sich von Tauchern nicht im geringsten aus der Ruhe bringen.

Foto: Anja Knorr

Wenn ich die heimische Fischtheke mit der friedlichen Unterwasserwelt in Konotta vergleiche, gebe ich ihr Recht: Riffhaie umzingeln mich und schwimmen neugierig auf mich zu. Meeresschildkröten begleiten mich seelenruhig und lassen sich durch meine Anwesenheit nicht im Geringsten stören.

Aufgrund der Bedrohung der Inseln durch den steigenden Meeresspiegel spielt der Umweltschutz auf den Malediven eine große Rolle, scheitert aber oftmals an der großen Armut im Land. So richtete die maledivische Regierung Ende der 1990er-Jahre große Gebiete als Meeresnationalpark ein. In diesen Gebieten dürfen keine neuen Touristenunterkünfte errichtet werden. Jede touristisch genutzte Insel auf den Malediven betreibt obligatorisch eine eigene Müllverbrennungsanlage und darüber hinaus eigene Meerwasserentsalzungsanlagen. Der dazu benötigte Strom wird praktisch ausschließlich mit Dieselgeneratoren erzeugt.

Dagegen entsorgen die lokal bewohnten Inseln ihren Müll immer noch im Meer und bauen ihre Häuser nach traditioneller Bauweise aus Blöcken der Korallenriffe. An anderen Orten werden Bauvorschriften nicht eingehalten und Bauschutt im Meer versenkt. Umso wichtiger ist es da, das Bewusstsein für den Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu schärfen.

Auch wenn man argumentieren kann, dass sämtliche Lebensmittel auf die Insel importiert werden müssen und die Flüge ins Paradies einen mehr als schädlichen CO2-Fußabdruck produzieren, stellen persönliche Engagements und Hilfsmaßnahmen während einer lang ersparten Traumreise im Urlaubsland eine neue Form der Sensibilisierung dar, die in Zukunft mehr Menschen zum Nachdenken bringen sollte und wird.

Anja Knorr ist Tauchlehrerin und Reisejournalistin. Sie schreibt über ihre Reisen auf dem Blog happybackpacker.de.

Die Reise wurde unterstützt von Outrigger Konotta Maldives Resorts.

Info

Zur Sache

Malediven

Visum: Für einen Aufenthalt von weniger als dreißig Tagen wird kein Visum für die Malediven benötigt.

Flug: Zehn Stunden Flug von Deutschland mit verschiedenen Airlines.

Zeitverschiebung: Drei Stunden.

Beste Reisezeit: Januar bis April – außerhalb der Monsunzeiten.

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