Rauchmelder sorgen bei der Feuerwehr für einen Anstieg der Einsätze – auch wenn es nicht immer brennt Immer häufiger: Fehlalarm

Wenn jemand einen Brand meldet, rückt die Feuerwehr aus – egal, ob es sich um einen Dumme-Jungen-Streich handelt oder ob es tatsächlich brennt. Fehlalarme gehören zum Alltag der Feuerwehren. Seit auch viele Privathaushalte Rauchwarnmelder haben, hat die Zahl der Einsätze zugenommen.
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Von Maike Schlaht

Wenn jemand einen Brand meldet, rückt die Feuerwehr aus – egal, ob es sich um einen Dumme-Jungen-Streich handelt oder ob es tatsächlich brennt. Fehlalarme gehören zum Alltag der Feuerwehren. Seit auch viele Privathaushalte Rauchwarnmelder haben, hat die Zahl der Einsätze zugenommen.

Knapp 2300 Mal ist die Feuerwehr Bremen im vergangenen Jahr zu vermeintlichen Brandeinsätzen ausgerückt – mehr als 1100 Mal gab es jedoch kein Feuer zu löschen. Fehlalarme und daraus resultierende Einsätze gehören zum Alltagsgeschäft der Berufsfeuerwehr. „Wir unterscheiden zwischen Anrufen mit Vorsatz oder in gutem Glauben und Fehleinsätzen, die durch Brandmeldeanlagen ausgelöst wurden“, erläutert Oliver Iden, Abteilungsleiter für den Bereich Einsatz bei der Feuerwehr Bremen.

2012 gingen insgesamt 293 Anrufe in der Rettungsleitstelle ein, die sich als Fehlalarm entpuppten, und es gab 836 Fehleinsätze, die durch das Auslösen von Brandmeldeanlagen verursacht worden sind. In 290 Fällen hat die Anlage technisch einwandfrei funktioniert, es gab vor Ort aber kein Feuer. Eine technische Störung der Anlage hat den Alarm nach Angaben von Iden in 496 Fällen verursacht, 50 Mal wurde der Knopf böswillig betätigt. Die Zahl der Fehleinsätze in Bremen-Nord wird nicht statistisch erfasst. „Wir führen keine Liste“, sagt Thomas Böhland, stellvertretender Abschnittsleiter für den Bereich Bremen-Nord.

Automatische Brandmeldeanlagen, die von der Landesbauordnung für bestimmte Gebäude vorgeschrieben sind und mehrere zehntausend Euro kosten können, gebe es in seinem Bereich „nicht ganz so viele“ wie etwa in den großen Hallen im Güterverkehrszentrum in der Stadt. Die Hallen im Bremer Norden seien meist kleiner. Deshalb halte sich auch die Zahl der Fehlalarme in den Unternehmen in Grenzen. Es komme allerdings immer wieder mal vor, erzählt Böhland, dass eine Brandmeldeanlage ohne erkennbaren Grund auslöst – „weil zum Beispiel in der Wartung geschlampt wurde“. Etwa 420 Euro pauschal kostet es nach Böhlands Angaben das Unternehmen, wenn es einen Feuerwehreinsatz gab, aber kein Feuer.

In Privathaushalten dagegen ist der Einsatz kostenfrei – unabhängig davon, ob der inzwischen gesetzlich vorgeschriebene Heimrauchmelder wegen eines technischen Defekts oder aus ungeklärter Ursache ausgelöst hat. Böhland: „Privatleute haben ja keinen Wartungsvertrag wie ein professionelles Unternehmen.“ Es gebe, so der Feuerwehrmann, ein erklärtes Schutzziel seitens des Gesetzgebers. Nämlich, „keine Rauch- und Brandtoten mehr zu haben“.

Rauchwarnmelder funktionieren wie eine Art elektronisches Auge. Sie arbeiten nach dem Streulichtprinzip. Bei Rauch in einer bestimmten Konzentration wird das Licht im Gerät auf eine Fotozelle gelenkt und löst den akustischen Alarm aus. „In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils einen Rauchwarnmelder haben“, heißt es im Paragraf 48 der Landesbauordnung Bremen. Seit Mai 2010 gilt in Bremen, seit November 2012 in Niedersachsen eine Einbaupflicht für Neu- und Umbauten. Für bestehende Gebäude gibt eseine Übergangsfrist bis Dezember 2015.

Böhland beobachtet eine Zunahme der Brandeinsätze seit etwa eineinhalb Jahren. Er führt den Anstieg auch auf die Zunahme von Heimrauchmeldern zurück. Besonders Wohnungsbaugesellschaften wie die Gewosie und die Gewoba gingen „sehr akribisch“ vor und ließen die Rauchmelder installieren. Oft sind es Nachbarn, die die Feuerwehr verständigen, weil sie einen durchdringenden Piepton aus einer benachbarten Wohnung vernommen haben. Die Zahl der Fehlalarme in Privatwohnungen – und damit auch die Zahl der Einsätze – werde sich in den nächsten Jahren „nach oben schrauben“, vermutet Böhland.

Der vorsätzliche Missbrauch des Notrufs ist eine Straftat. „Wir gehen rigoros dagegen vor“, sagt Hans Rüger, Geschäftsführer der Großleitstelle Oldenburger Land, die unter anderem für den Landkreis Wesermarsch zuständig ist. Als der Notruf 112 noch ohne SIM-Karte vom Handy aus angewählt werden konnte, seien mutwillige Fehlalarme bei der Feuerwehr häufiger vorgekommen. Ausgelöst wurden sie oft durch Kinder oder Jugendliche, die sich einen Spaß daraus machten, die Feuerwehr zu alarmieren. Inzwischen muss die SIM-Karte aktiviert sein, um die Notrufnummer anrufen zu können. „Das ist ein Segen“, meint Rüger. So könne zurückverfolgt werden, wer den Anruf getätigt hat. Seit der Umstellung, so Rüger, sei die Zahl der missbräuchlichen Notrufe deutlich zurückgegangen. Früher seien es zwanzig bis dreißig am Tag gewesen, erzählt er.

Wenn es tatsächlich brennt, können Minuten über Leben und Tod entscheiden. Bei einem Brand sterben Menschen selten durch die Flammen, sondern meistens durch eine Rauchgasvergiftung. Das Gas bildet sich innerhalb weniger Minuten, deshalb müssen Leitstelle und Feuerwehr schnell reagieren. „Für uns als Leitstelle gibt’s nur eins: Wenn ein Gerät Alarm schlägt, alarmieren wir die Feuerwehr.“ Ob es sich um einen Fehlalarm handelt oder nicht, spielt dann erstmal keine Rolle.

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