Jobcenter-Chefin im Interview

„In Bremen ist das Radfahren so herrlich normal!“

Susanne Ahlers, die Geschäftsführerin des Jobcenters Bremen, fährt täglich mit ihrem Fahrrad zur Arbeit. Im Gespräch erklärt sie, was sie schon alles auf dem Rad durch Bremen erlebt hat.
24.03.2018, 20:41
Lesedauer: 3 Min
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„In Bremen ist das Radfahren so herrlich normal!“
Von Frank Hethey
„In Bremen ist das Radfahren so herrlich normal!“

Jobcenter-Chefin Susanne Ahlers auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit.

Frank Thomas Koch

Das erste Mal auf zwei Rädern...

Ans Fahrradfahrenlernen habe ich nur schwammige Erinnerungen: wacklig und umfallen, aber dann ging es auf einmal.

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Das aktuelle Fahrrad...

...ist jetzt knapp drei Jahre alt, ist ein Trekkingrad, hat 26er-Räder, eine Kettenschaltung (andere mag ich nicht wirklich) und ist ganz toll. Ich bin sehr zufrieden, es ist dunkelblau und passt einfach zu mir, weil ich lange Touren liebe. Dabei bin ich geradezu prädestiniert, mich zu verfahren, weil ich so schlecht Karten lesen kann.

Die schönste Tour...

...habe ich vor knapp zehn Jahren an der Westküste der USA gemacht: eine lange Strecke ohne Häuser, ohne Menschen, ohne Autos. Einmal habe ich über eine Distanz von über 100 Kilometern niemanden getroffen. Ein wunderschönes Naturerlebnis.

Die Vorgängermodelle...

...waren seit Jahren auch Trekkingräder beziehungsweise ausgebaute Mountainbikes, weil ich mit meinem Fahrrad auch sehr gern Fahrradreisen mache. Das letzte hatte ich 13 Jahre – und habe es als Zweitrad immer noch. Es steht in Berlin, und wenn ich dort bin, benutze ich es regelmäßig – aber es ist nicht mehr so komfortabel, jetzt ja auch schon 16 Jahre alt und viel genutzt. Für kurze Strecken reicht es aber aus.

Der letzte Diebstahl...

...ist glücklicherweise sehr, sehr lange her – und passierte ausgerechnet in Bremen! Das muss Anfang der 1990er-Jahre gewesen sein. An das Rad kann ich mich aber gut erinnern, es hatte nämlich neongrüne Ummantelungen der Bowdenzüge, der Rahmen war schwarz mit pinkfarbenen Punkten. Seitdem investiere ich viel Geld in sehr gute Schlösser und schließe mein Fahrrad immer an feste Gegenstände an.

Die Lieblingsstrecke...

...ist mein momentaner Weg zur Arbeit, jedenfalls die schöne Strecke direkt an der Weser entlang.

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Der beste/ausgefallenste Fahrradschmuck...

...meine leuchtend blaue Klingel mit den Stadtmusikanten! Die habe ich mir gekauft, damit ich mein Fahrrad schneller wiederfinde, wenn ich nicht mehr so ganz genau weiß, wo ich es abgestellt habe. Wegen der Klingel finde ich es immer ganz schnell, so eine hat ja sonst keiner. Aber ich benutze sie natürlich auch als Warnsignal, wenn ich überholen möchte oder wenn ich den Eindruck habe, da bemerken andere nicht, dass ich komme und könnten mir deswegen vors Rad laufen.

Die am häufigsten gefahrene Strecke...

...ist die zur Arbeit natürlich, momentan ungefähr drei bis dreieinhalb Kilometer. Das war immer so, egal, wo ich gewohnt habe. Im Prinzip ginge es auch kürzer durch die Stadt – aber dann könnte ich nicht so schön an der Weser entlang fahren.

Der schlimmste Unfall...

...war bei Glatteis: ein Arm gebrochen, blaue Flecken überall. Und nur ich selbst hatte Schuld. Seitdem fahre ich bei Glatteis gar nicht mit dem Rad oder sehr, sehr vorsichtig und langsam. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte am besten nicht ohne Licht am Rad fahren! Darüber rege ich mich auch gern bei anderen auf. Ich fahre immer mit Licht, auch tagsüber.

Trekkingradfahrer sind...

...verschroben, fast wie Nerds – dachte ich jedenfalls früher. Seit über 40 Jahren mache ich Radtouren, meine erste mit 16 Jahren. Meistens bin ich allein gefahren, als Frau fällt man dabei auf wie ein bunter Hund. Da bin ich schon sehr speziellen Menschen begegnet. Aber heute ist es ja so was von normal, Fahrradreisen zu machen. Interessante Leute trifft man immer noch.

Ich fahre gerne Fahrrad, weil …

...ich einfach diese Kombination von Bewegung und frischer Luft mag. Dabei kann ich meinen Gedanken nachhängen, das empfinde ich als ein bisschen meditativ. Was natürlich nicht heißt, dass ich beim Radfahren nicht aufmerksam wäre.

Fahrradfahren in Bremen ist …

...so selbstverständlich im Vergleich zu anderen Städten. In allen anderen Städten, in denen ich gelebt habe, war das nicht unbedingt so. Wenn ich nur an Wiesbaden denke: einfach krass, da war man gar nicht darauf eingestellt. Aber hier in Bremen ist Fahrradfahren so herrlich normal. Mich nervt nur an der Kreuzung Doventor/Daniel-von-Büren-Straße die Dauer der Rotphase. Die Wartezeit dort ist meine morgendliche Übung in Geduld. Und ich freue mich immer sehr, wenn ich eine Grünphase erwische. Auch finde ich viele Menschen in Bremen sehr rücksichtsvoll und entgegenkommend. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich vorgelassen werde, obwohl ich keine Vorfahrt habe.

Die Fragen stellte Frank Hethey.

Zur Person:

Susanne Ahlers ist seit April 2016 Geschäftsführerin des Jobcenters Bremen. Gebürtig kommt die 58-Jährige aus Osterholz-Scharmbeck. Vorher hatte sie ab 2008 eine Coaching-Agentur in Berlin geleitet. Weitere berufliche Stationen: Referatsleiterin in der schleswig-holsteinischen Landesregierung, Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Kiel und Frauenbeauftragte der Stadt Wiesbaden. Von 2002 bis 2006 war Ahlers parteilose Staatssekretärin für Arbeit und Frauen in Berlin.

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