Kanalisation bei den Römern – Nicht immer eine saubere Sache

Nach dem Baden ziehst du den Stöpsel und schon gurgelt das Wasser durch den Abfluss. Du gehst auf die Toilette, drückst die Spülung– eine saubere Angelegenheit! Doch das war längst nicht immer so.
18.05.2014, 00:00
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Nach dem Baden ziehst du den Stöpsel und schon gurgelt das Wasser durch den Abfluss. Du gehst auf die Toilette, drückst die Spülung– eine saubere Angelegenheit! Doch das war längst nicht immer so. Früher kippten viele Menschen Müll und Schmutzwasser einfach auf die Straße. Und wenn sie mal mussten, hockten sich viele einfach irgendwohin. Na, das muss ziemlich gestunken haben. Viele Städte in Deutschland bekamen erst im 19. oder 20. Jahrhundert eine Kanalisation. Ähnliche Systeme gab es aber schon viel früher. Zum Beispiel vor etwa 2500 Jahren: Damals entwickelten die Römer in ihren Städten Systeme, um ihr schmutziges Wasser zu entsorgen.

In Rom gab es etwa die Cloaca Maxima. Das heißt so viel wie „größter Abwasser-Kanal“. Der Kanal war viele Hundert Meter lang und leitete die Abwässer der Stadt in den Fluss Tiber. Das Problem war damit im Grunde aber nur „weitergeleitet“, denn nun verdreckte das Flusswasser. Kläranlagen, die das Abwasser reinigen, wurden erst später gebaut – in Deutschland zum Beispiel oft im 20. Jahrhundert.

Die römische Cloaca Maxima war aus Stein gemauert. Aber die Römer nutzten auch andere Materialien für ihre Abwasser-Kanäle: Holz oder Steinplatten etwa. Einige Kanäle waren nur offene Abfluss-Rinnen, andere geschlossene Röhren. Die römischen Städte waren aber nicht total sauber. Das lag auch daran, dass nur ein Teil der Häuser an die Kanalisation angeschlossen war. In diesen Häusern gab es zwar manchmal schon Toiletten. Und Fallrohre, die das Schmutzwasser aus den Häusern leiteten. Das Abwasser verschwand aber nicht immer gleich unter der Erde im Kanal. „Oft kam das schmutzige Wasser auf dem Bürgersteig wieder raus“, erklärt der Experte Günther Thüry. „Es schwamm dann in den Straßen, bis es irgendwann in einer Art Gulli abfloss.“ Spazierengehen war damals also kein Vergnügen, glaubt Günther Thüry. Außerdem lebten viele Menschen in Häusern ohne Toiletten. Sie machten in Nachttöpfe. Oder sie hatten eine Art Plumpsklo hinter dem Haus. Der Unrat wurde dann gesammelt und regelmäßig abgeholt.„Die Menschen haben wohl oft auch einfach an die Hausmauern gemacht“, sagt Günther Thüry.

„Das weiß man zum Beispiel von Inschriften an Häusern aus der Stadt Pompeji. Dort stand so etwas wie: „Wenn du hier was machst, kriegst du Übles“. Das zeigt: Die Besitzer der Häuser waren ganz schön wütend. Auch die alten Römer machten sich also schon Gedanken darüber, wie viele Menschen zusammenleben können – ohne dass es überall stinkt.

Erst Hunderte von Jahren später gab es bei den Römern dann auch öffentliche Toiletten. Die sahen aber völlig anders aus als heute. Von einzelnen Kabinen war damals nichts zu sehen. Die Leute hockten einfach alle nebeneinander – ohne eine Trennwand!

Die meisten von uns würden sich vermutlich komisch dabei vorkommen. Für die Menschen damals war das völlig normal. So konnten sie bequem miteinander reden, während sie auf der Toilette hockten. Die öffentlichen Klos bestanden oft aus langen Steinbänken, in die Löcher eingelassen waren. Einige Toiletten waren richtig prächtig, aus kostbarem Marmor zum Beispiel.

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