Bakteriengift löst hartnäckigen Reiz aus / Impfung schützt maximal zehn Jahre Keuchhusten trifft auch Erwachsene

Bremen. Ist im Kindergarten ein Kind an Keuchhusten erkrankt, löst das bei Eltern und Erziehern oft Besorgnis aus. Denn bei ungeimpften Säuglingen kann es zu Atemstillständen kommen und schlimmstenfalls zu tödlichen Komplikationen.
02.11.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von GISELA GROSS

Ist im Kindergarten ein Kind an Keuchhusten erkrankt, löst das bei Eltern und Erziehern oft Besorgnis aus. Denn bei ungeimpften Säuglingen kann es zu Atemstillständen kommen und schlimmstenfalls zu tödlichen Komplikationen. Neuen Studien zufolge sind es meist Geschwister, die Säuglinge anstecken. Inzwischen husten aber immer öfter auch Erwachsene. Nicht immer werden die Symptome erkannt.

Keuchhusten wird durch Bakterien ausgelöst: Nicht der Erreger selbst macht krank, sondern ein von ihm abgesondertes Gift. Antibiotika haben auf den Verlauf der Erkrankung zwar „keinen nachgewiesenen Einfluss“, erläuterte Lungenexperte Voshaar. Die Krankheit geht mit unstillbaren Hustenattacken über Wochen und Monate einher, die manchmal bis zum Erbrechen führen. Kommen bei Kindern die typischen keuchenden Geräusche hinzu, ist klar: Das muss Keuchhusten sein.

Doch dieses Bild von der Kinderkrankheit ist überholt. Der Erreger macht jetzt vor allem Erwachsenen zu schaffen – keuchenden Husten haben diese Patienten aber nicht immer, wie Experten berichten.

Dem Robert Koch-Institut in Berlin sind nach der Einführung der bundesweiten Meldepflicht vor zwei Jahren für 2013 rund 10 450 Fälle gemeldet worden, im Jahr 2014 waren es rund 12 300. Damit waren in jedem dieser Jahre deutlich mehr Patienten an Keuchhusten erkrankt als auf dem Höhepunkt der diesjährigen Masern-Welle an Masern (2445 Patienten).

Dabei sieht es mit dem Schutz vor Keuchhusten, der im Herbst und Winter etwas häufiger vorkommt als im Rest des Jahres, bei vielen mau aus: „Die Impfquoten müssen verbessert werden“, fordert Infektionsexpertin Wiebke Hellenbrand vom Robert Koch-Institut. Während inzwischen rund 95 Prozent der Vorschulkinder gegen die sogenannte Pertussis geimpft sind, sieht es bei Jugendlichen und Erwachsenen schlechter aus. Insgesamt liegen die Impfquoten bei ihnen laut Hellenbrand in den östlichen Bundesländern höher als in den westlichen. Im Osten sei die Aufmerksamkeit größer, dort gebe es schon länger eine Meldepflicht. Doch auch wenn alle geimpft wären: Ausrotten lässt sich die Krankheit wohl nie, denn wer an Keuchhusten gelitten hat, ist nicht dauerhaft immun. Auch die Impfung schützt maximal zehn Jahre. Das Auffrischen vergessen besonders die Erwachsenen: „Da, wo nicht geimpft oder nicht aufgefrischt wird, sieht man ganz deutlich, dass wir mehr diagnostizierte Fälle haben als früher“, sagt der Lungenspezialist Thomas Voshaar von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. „Das bedeutet, dass bei hartnäckigem Husten auch an Pertussis zu denken ist.“

Ein Patient, der namentlich nicht genannt werden will, berichtet, seine Hausärztin habe angesichts fehlender Impfung, 16 Tagen Fieber zu Beginn und heftiger Hustenattacken schnell kombiniert. Seit August sei er immer wieder von Hustenreiz geplagt gewesen, der ihm keine Ruhe gelassen habe. „Und nichts hilft.“ Seine vorher eher laxe Einstellung zum Impfen habe sich seit der Ansteckung – vermutlich in der U-Bahn – gewandelt. Für Jugendliche und Erwachsene ist der „100-Tage-Husten“ immerhin meist nur lästig.

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