Draht und Esel

„Kondition statt Karbon ist das Motto“

Axel Rabe wird durch seine zweite Persönlichkeit nach Feierabend zum Asphaltprinzen. Er fährt ein Westerheide-Klapprad, das er in der Serie „Draht & Esel“ vorstellt.
08.07.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
„Kondition statt Karbon ist das Motto“
Von Pascal Faltermann
Das erste Mal auf zwei Rädern?

Das müsste vor etwa 40 Jahren gewesen sein. Es gibt Fotoaufnahmen von mir im Garten meiner Großmutter mit meinem ersten Kinderrad – natürlich ein 20-Zoll-Kinderklapprad. Schon damals wurde mir also das Fahren mit dem Klapprad in die Wiege gelegt. Ich bin damit viel mit meinem Vater in der Hemelinger Marsch und an der Weser unterwegs gewesen.

Das aktuelle Fahrrad

Das ist ein Westerheide-Klapprad aus dem Jahre 1974, das ich vor fünf Jahren von einem Rentner in Oldenburg für 20 Euro gekauft habe. Von mehreren Bremer Fahrradhändlern belächelt, habe ich das Rad komplett umgebaut, sodass heute davon eigentlichen nur noch der Rahmen existiert. Neben dem Klappscharnier und dem klassischen Hornlenker verfügt das Rad jetzt über eine Rennradtretkurbel, einen größeren Zahnkranz, ein kleineres Ritzel, schmalere Reifen und leichtere Felgen. Das Rad ist authentisch und ehrlich, oder ehrlicher als ein 5000-Euro-Karbonflitzer. Es ist sehr schön, mit hohen Geschwindigkeiten zu fahren und es den klassischen Rennradfahrern zu zeigen, wenn man sie überholt: Kondition statt Karbon ist das Motto.

Die schönste Tour

Die schönste und längste Tour habe ich gerade in diesem Jahr in Holland bei der Fiets-Elfstedentocht erlebt. Hier ging es über 235 Kilometer mit dem Klapprad und ohne Gangschaltung durch elf Städte in Friesland.

Der größte Erfolg

Ich bin oft mit meinem Team Klabba unterwegs. Wir fahren in der Regel jährlich bei der offiziellen Weltmeisterschaft im Klappradfahren mit. So waren wir in den vergangenen Jahren bei der Weltmeisterschaft immer wieder unter der Top Ten.

Die Vorgängermodelle

Nach der Jugendphase auf diversen Knabenrädern habe ich auf das sportliche Fahren umgestellt. Neben schnellen Rennern der Marken Stevens, Müsing und Focus – mit teuren Rahmen und modernen Schaltwerken mit zig Gängen – musste ich jedoch schnell erkennen, dass es mich vom kommerziellen Radfahren zurück zur Basis zieht. Die Umstellung auf 20 Zoll erfolgt Anfang der 2010er.

Der letzte Diebstahl

Toi Toi Toi – wurde mir bisher noch kein Fahrrad gestohlen. Wenn ich sportlich mit dem Klapprad unterwegs bin, habe ich immer ein wachsames Auge auf meinen kleinen Silberschatz. Wenn ich abends aber mal mit den Jungs unterwegs in Bremen und umzu bin, dann nehme ich immer das unauffällige Zweitrad mit.

Die Lieblingsstrecke

Die führt links der Weser über das Ochtumsperrwerk, Lemwerder und weiter nach Berne-Ohrt, wo man im Melkhus bei Karin Schumacher immer eine schone Rast bei einem kleinen Quarktraum einlegen kann.

Der ausgefallenste Fahrradschmuck

Neben einem weißen Fuchsschwanz als Reminiszenz an die 70er-Jahre trage ich beim Klappradfahren auch einen silberner Rennanzug, der mit Fasern aus der Raumfahrtindustrie bestückt ist und bei hohen Temperaturen im Sommer angenehm kühlt. Der Anzug ist natürlich auch Magnet bei den weiblichen Zuschauern, wie auch meine mit circa 5000 Pailletten bestückten Rennhelme. Meine Ventilkappen schütze ich mit ausgedienten Patronenhülsen, ein Ledersattel und der klassische Hornlenker eines Klapprads dürfen natürlich nicht fehlen.

Die am häufigsten gefahrene Strecke

Die häufigst gefahrene Strecke ist, wie für eigentlich jeden Bremer, die klassische Blocklandrunde.

Der schlimmste Unfall

Der letzte Unfall liegt gerade vier Wochen zurück. Bei der Elfstedentocht in Holland ist die Kette plötzlich abgesprungen und hat sich zwischen Freilauf und Rahmen verkeilt. Das hat zu einem blockierenden Hinterrad und zu einem Abflug über den Lenker im Supermanstyle geführt – bei Tempo 30 plus. Hämatome am Bein und am Oberschenkel und starke Prellungen der Schulter waren die Folge. Zum Glück nichts gebrochen!

Klappradfahrer sind ...

... authentische Menschen, die Spaß an der puristischen Technik und Freude an der Geselligkeit neben dem Fahrradfahren haben. Klappradfahrer sind tolerant und weltoffen. Das Klappradfahren dient also auch der Völkerverständigung.

Ich fahre gerne Fahrrad, weil …

... dieses der ideale Ausgleich zum täglichen Alltag ist.

Fahrradfahren in Bremen ist …

… eine spannende Sache und „eigentlich“ gar nicht so schlecht, wie viele behaupten. Es gibt ein gut ausgebautes Wegenetz, was hier und da sicherlich wieder einmal saniert werden müsste.

Die Fragen stellte Pascal Faltermann.

Info

Zur Person

Axel Rabe

ist Diplom-Ingenieur und Bauleiter im Tiefbau in Bremen. Der 46-Jährige hat drei Kinder. Aufgrund seiner zwiegespaltenen Persönlichkeit wird er nach Feierabend zum Asphaltprinzen, einer der schillerndsten Legenden im Klappradsport.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+