Medizin Krebsforscher fordert flächendeckende HPV-Impfung

Berlin. Vier Jahre nach Einführung der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ist die Wissenschaft zuversichtlich, dass sich die Zahl der Erkrankungen damit deutlich senken lässt.
16.09.2011, 14:21
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Berlin. Vier Jahre nach Einführung der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ist die Wissenschaft zuversichtlich, dass sich die Zahl der Erkrankungen damit deutlich senken lässt.

"Die Daten, die jetzt vorliegen, sind sehr, sehr erfreulich", sagte Prof. Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg zum Auftakt einer internationalen Konferenz zu krebserregenden humanen Papillomviren (HPV) in Berlin (bis 22. September). Messbare Erfolge werde es in Deutschland allerdings erst geben, wenn die derzeitige Impfrate von 30 Prozent deutlich gesteigert werde. Forscher am DKFZ hatten für den Impfstoff grundlegende Vorarbeiten geleistet.

Gissmann verwies auf aktuelle Daten aus Australien. Das Land hatte 2007 als eines der ersten ein flächendeckendes Impfprogramm mit dem Impfstoff Gardasil gegen vier HPV-Typen begonnen, die Impfrate dort liegt zwischen 80 und 90 Prozent. Bereits drei Jahre nach Beginn der Impfkampagne seien die behandlungsbedürftigen Krebsvorstufen bei Mädchen unter 18 Jahren um etwa 60 Prozent zurückgegangen. Der zweite zugelassene HPV-Impfstoff Cervarix zeige zudem eine "phänomenale Kreuzprotektion" gegen weitere, Krebsvorstufen auslösende HPV-Viren.

Bei bereits sexuell aktiven jungen Frauen sei in Australien kurz nach Start der Impfung außerdem die Häufigkeit von Genitalwarzen um 59 Prozent zurückgegangen. Von dem Impfeffekt profitieren auch junge, heterosexuelle Männer aufgrund der Herdenimmunität: Sie werden einfach seltener angesteckt. So sei bei ihnen ein Rückgang von Genitalwarzen um 28 Prozent beobachtet worden. Auch die Warzen werden von bestimmten HPV-Typen ausgelöst.

"Die Bedenken, die geherrscht haben, sind unbegründet", sagte der Forscher. Dazu zählten etwa die Sorge, dass die Impfung nicht sicher sei sowie Zweifel an ihrer Wirksamkeit. Gissmann räumte allerdings ein, dass es aufgrund der langsamen Tumorentstehung noch mindestens 10 bis 15 Jahre dauern wird, um einen tatsächlichen Rückgang an Krebsfällen belegen zu können.

Optimistisch sind die Forscher auch, was die Entwicklung neuer Impfstofftypen angeht. So erproben amerikanische Wissenschaftler derzeit einen Impfstoff mit dem HPV-Protein L2 anstelle des bisher genutzten L1 als Impf-Antigen, erläuterte Andreas Kaufmann von der Gynäkologischen Tumorimmunologie der Charité in Berlin. Der neue Impfstoff sei einfacher und kostengünstiger herzustellen als die bisherigen, davon könnten vor allem Frauen in Entwicklungsländern profitieren. Zudem zeigten sich auch hier gute Kreuzreaktionen gegen andere HPV-Typen.

Bislang erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 6200 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1700 sterben daran. Rund zwei Drittel der Erkrankten sind jünger als 59 Jahre, 20 Prozent sogar zwischen 15 und 39. Die HPV-Impfung wird für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren von den Krankenkassen erstattet. (dpa)

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