Studie belegt besonderes Orientierungsvermögen der Vögel auf ihren Flügen zwischen Afrika und Europa Kuckucke halten Kurs

Küstenseeschwalben brüten in der Nordpolarregion und fliegen zum Überwintern ans andere Ende der Welt: in die Antarktis. Nicht ganz so gewaltig sind die Distanzen, die andere sogenannte Langstreckenzieher bewältigen, so etwa Störche und Mauersegler. Sie fliegen von Europa bis ins südliche Afrika. Auch europäische Kuckucke pendeln zwischen Afrika und Europa. Dabei beweisen sie ein besonderes Orientierungsvermögen.
22.01.2014, 00:00
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Kuckucke halten Kurs
Von Jürgen Wendler

Küstenseeschwalben brüten in der Nordpolarregion und fliegen zum Überwintern ans andere Ende der Welt: in die Antarktis. Nicht ganz so gewaltig sind die Distanzen, die andere sogenannte Langstreckenzieher bewältigen, so etwa Störche und Mauersegler. Sie fliegen von Europa bis ins südliche Afrika. Auch europäische Kuckucke pendeln zwischen Afrika und Europa. Dabei beweisen sie ein besonderes Orientierungsvermögen.

Eine internationale Forschergruppe hat Kuckucke mit fünf Gramm schweren Minisendern ausgestattet und die Flüge der Vögel zwischen dem südlichen Schweden und Dänemark sowie Zentralafrika über ein Jahr hinweg verfolgt. Alle zwei Tage funkten die Sender zehn Stunden lang Positionsangaben an Satelliten in 850 Kilometern Höhe. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler, zu denen Professor Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell gehört, im Fachjournal „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Wie sich herausstellte, starteten die europäischen Kuckucke ihre im Schnitt gut 7000 Kilometer lange Reise in die afrikanischen Überwinterungsgebiete zwischen Ende Juni und Anfang August. Für jeweils einen Monat rasteten sie in Polen und später in Südosteuropa. Die Sahara überflogen sie im Grenzgebiet von Libyen und Ägypten, um am Ende in Waldgebieten Zentralafrikas zu überwintern. Im Februar machten sie sich von dort auf die Reise in ihre Brutgebiete in Dänemark und Südschweden. Dabei flogen sie weiter westlich. Zwischenstopps gab es unter anderem in Ghana, Westafrika und Italien. Von den acht Vögeln, die mit Sendern ausgestattet worden waren, kehrten drei im darauffolgenden Jahr wieder in ihre Brutgebiete zurück, zwei davon genau an den Ort, wo sie gefangen worden waren.

Nach den Angaben der Wissenschaftler gestalten die Kuckucke ihre Reise so, dass sie dort, wo sie landen, gute Nahrungsbedingungen vorfinden. Südlich der Sahara landeten sie zum Beispiel nach der Regenzeit – genau dann, wenn es dort ein reiches Nahrungsangebot gebe. Kuckucke, die eine Spannweite von mehr als einem halben Meter erreichen, ernähren sich vor allem von Insekten.

Ein besonders beeindruckendes Beispiel für den Orientierungssinn der Kuckucke sei der lange Überflug über die Sahara, sagt Wikelski. Trotz der Tausende Kilometer langen Reise seien die mit Sendern ausgestatteten Vögel genau am angepeilten Ziel angekommen, nämlich im Süden des Tschad. Dies sei auch deshalb erstaunlich, weil jeder Vogel für sich allein geflogen sei, und das zumeist auch noch nachts. Da ältere Vögel die Brutgebiete zudem meistens vor den Jungtieren verließen, könnten sich diese – anders als bei anderen Arten – nicht auf die Erfahrungen von routinierten Artgenossen verlassen.

Angeborenes Programm

Vermutlich folgten sie einem angeborenen Flugprogramm, betont Wikelski, weist aber zugleich darauf hin, dass die vergleichsweise engen Flugkorridore damit allein nicht zu erklären seien. Offenbar würden auch zusätzliche Informationen genutzt, etwa über Windverhältnisse, Gerüche oder Strukturen in der Landschaft. Die Forscher räumen ein, dass die genauen Gründe für das besondere Orientierungsvermögen – insbesondere das der Jungvögel – weiter unklar seien. Die Fähigkeit von Vögeln, zielsicher in Tausende Kilometer weit entfernte Gebiete zu fliegen, übt auf Wissenschaftler schon lange eine besondere Faszination aus. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Studien veröffentlicht worden, die Hinweise auf mögliche Grundlagen liefern. So gilt inzwischen als sicher, dass Zugvögel, aber zum Beispiel auch Brieftauben, ihre Flugrichtung mithilfe der Sterne, des Sonnenstands und des Erdmagnetfelds bestimmen können. Selbst Haushühnern wird nachgesagt, zur Orientierung das Magnetfeld der Erde zu nutzen. In speziellen Sehzellen der Hühner wiesen Forscher ein Molekül namens Cryptochrom 1a nach, das sie mit der Magnetfeldorientierung in Verbindung bringen.

Dass Tauben eine räumliche Vorstellung besitzen, das heißt in unbekanntem Gelände wissen, wo sie sich in Bezug auf ihren Heimatschlag befinden, legt eine im vergangenen Jahr im „Journal of Experimental Biology“ erschienene Studie nahe. Forscher um die Biologin Nicole Blaser von der Universität Zürich hatten Tauben nicht in ihrem Heimatschlag, sondern in einem 30 Kilometer entfernten Schlag gefüttert. Später brachten sie die Tiere an einen anderen, ihnen unbekannten und sowohl vom Heimatschlag als auch vom Futterplatz 30 Kilometer entfernten Ort. Dort erhielten manche Tauben vor dem Heimflug die Möglichkeit, sich satt zu fressen, während andere nichts bekamen. Wie sich herausstellte, steuerten die hungrigen Tiere im Gegensatz zu den satten zunächst den Schlag an, an dem sie früher Futter erhalten hatten, ehe sie nach Hause flogen. Die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Flugzielen auszuwählen, werten die Forscher als Hinweis auf kognitive Fähigkeiten und eine mentale Karte im Gehirn der Tiere.

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