Ausweisung als Risikogebiet

Wie Bremer Rückkehrer ihren Urlaub auf Mallorca erlebt haben

Spanien als Corona-Risikogebiet? Bremer Mallorca-Rückkehrer zeigen sich überrascht, haben für die nun geltende Testpflicht aber Verständnis.
18.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie Bremer Rückkehrer ihren Urlaub auf Mallorca erlebt haben
Von Marc Hagedorn
Wie Bremer Rückkehrer ihren Urlaub auf Mallorca erlebt haben

Ein bisschen Geduld ist erforderlich: Spanien-Rückkehrer müssen sich in Terminal 2 am Bremer Flughafen nun testen lassen.

Frank Thomas Koch

Der kleine Junge will nicht weitergehen. Keinen Schritt macht er mehr. Er lässt sich auf den Boden fallen und weint. Auch dass Mama ihm die Hand reicht und ihn an sich zieht und ganz fest drückt, ändert nichts. Der Junge streikt. Die Frau und ihr Sohn sind gerade mit dem Flieger aus Mallorca gekommen und in Bremen gelandet. Jetzt haben sie sich in die Schlange am Corona-Testcenter in Terminal 2 eingereiht. Dem Jungen ist die Szenerie offenbar unheimlich. Gemeinsam mit ihren rund 100 Mitreisenden aus der Sundair-Maschine, Flug 2801, müssen sie sich hier auf Corona testen lassen, denn Spanien und die Balearen sind seit dem vergangenen Freitagabend Risikogebiet.

Stella Schottke ist aus einem anderen Holz geschnitzt als der weinende Junge. Das Mädchen ist zwar nicht viel älter als er, aber es kommt jetzt strahlend aus der Testkabine. „War gar nicht schlimm, Mama“, ruft sie, „beim Scharlach war es schlimmer.“ Mama Katrin ist erleichtert. „Ein bisschen aufgeregt war Stella vor dem Abstrich nämlich schon“, sagt die Mutter. Aber jetzt ist alles gut für die vierköpfige Familie aus Bremen.

„Damit hätten wir definitiv nicht gerechnet“

Als die Schottkes in ihren Urlaub gestartet sind, konnten sie noch nicht wissen, dass sie aus einem Corona-Risikogebiet zurückkehren würden. Und wenn sie nicht zufällig am Freitagabend noch die aktualisierte Liste mit den Risikogebieten auf der Seite des Robert-Koch-Instituts gecheckt hätten, hätten sie es vielleicht auch gar nicht geglaubt: Mallorca als Risikogebiet? „Damit hätten wir definitiv nicht gerechnet“, sagt Katrin Schottke.

Die Familie hatte sich in ein kleines Hotel im Norden einquartiert, „und dort verlief alles ganz ruhig und geordnet“, sagt Katrin Schottke. Mit einem Mietwagen sind sie für drei Tage auch auf der Insel herum gefahren. Ihr Eindruck auch hier: „Kein Vergleich zu den Bildern, die wir in den letzten Tagen von Nord- und Ostsee und den Badeseen in Deutschland gesehen haben. Da lagen die Menschen ja dicht an dicht.“ Bei ihnen auf Mallorca dagegen: „Jede zweite Liege leer und immer genügend Abstand zwischen den Leuten.“

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Ein ähnliches Bild beschreibt Hartmut Geerken. Der Ritterhuder war mit ein paar Freunden für zehn Tage auf Mallorca. „Skurril“, nennt er seine Spanien-Erfahrung. „Wo sich sonst die Leute gedrängt haben, war diesmal nichts los“, sagt Geerken. Eine Inselrundfahrt hat er mitgemacht, hin zu mehreren Hotspots, zur Schinkenstraße etwa. Und? „Tote Hose“, sagt Geerken. In Palma, so sein Eindruck, hätten 99 Prozent der Menschen auf der Straße einen Mundschutz getragen, und diejenigen, die es nicht getan hätten, seien von der Polizei und den Ordnungskräften darauf hingewiesen worden. „Die Menschen dort waren sehr gewissenhaft“, sagt Geerken, „die Hygieneregeln sind eingehalten worden, soweit ich das feststellen konnte.“ Sein Fazit: „Ich habe mich auf Mallorca sehr sicher gefühlt. Sicherer als zuletzt in Bremen.“

An der Einschätzung des Robert-Koch-Instituts ändert das aber nichts. Spanien ist bis auf Weiteres Risikogebiet, und deshalb stehen sie jetzt alle hier in Terminal 2 am Bremer Airport. Für den Flughafen und das Gesundheitsamt bedeutet die veränderte Lage eine neue logistische Herausforderung. Die zwei Testzentren am Flughafen gibt es schon länger, aber da die Testpflicht jetzt nicht mehr nur Rückkehrer aus der Türkei betrifft, „werden wir etwas umstellen müssen“, sagt Lukas Fuhrmann aus der Gesundheitsbehörde.

Reibungsloser Testablauf

Beide Teststellen sind jetzt parallel besetzt. Alle Fluggäste, die nicht aus Risikogebieten kommen, sich aber trotzdem testen lassen wollen, werden in Terminal 1 empfangen. Fluggäste aus Mallorca, Alicante und Malaga sowie aus Antalya und Izmir in der Türkei landen vor Terminal 2. Am Montag liefen die Tests weitestgehend reibungslos. Wer ganz hinten in der Schlange stand, musste allerdings Geduld aufbringen. „Das lässt sich leider nicht verhindern, wenn Sie 100 Leute auf einmal testen müssen“, sagt Fuhrmann.

In den nächsten Tagen dürfte es ähnlich wie am Montag ablaufen. An diesem Dienstag zum Beispiel landen drei Maschinen aus Spanien, ihre Ankunftszeiten sind aber gut über den Tag verteilt. Etwas kniffliger könnte es am kommenden Sonnabend werden, dann dürfte am Vormittag Rushhour herrschen, wenn zwischen sieben und 11 Uhr vier Maschinen, drei aus Spanien und eine aus der Türkei, landen. Mit 500 bis 600 Tests in Terminal 2 rechnet die Behörde für diesen Tag, „aber die Kapazität dafür haben wir“, versichert Fuhrmann.

Dafür sorgen unter anderem auch 16 Bundeswehrsanitäter, die die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes bei der Durchführung der Tests seit einiger Zeit unterstützen. Drei Tische sind an diesem Nachmittag besetzt. Männer und Frauen mit Mundschutz, Schürzen und Gummihandschuhen nehmen Personalien auf, geben Röhrchen und Formulare aus und führen den Abstrich in Mund und Nasenlöchern durch. Zwar könnten die Urlaubsrückkehrer diesem Prozedere direkt nach der Landung auch entgehen, theoretisch könnten sie sich innerhalb von drei Tagen an einem anderen Zentrum testen lassen, aber das tut an diesem Tag niemand. „Absolut richtig, dass getestet wird“, sagt Katrin Schottke, „wenn wir nicht verpflichtet wären, hätten wir es auch freiwillig getan.“

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Entspannen würde sich die Lage an der Teststation am Bremer Flughafen, wenn sich die Rückkehrer schon in Spanien hätten untersuchen lassen. Aber das hat kein Einziger getan. "Dafür war die Zeit einfach zu knapp“, sagt Katrin Schottke. Bei Türkei-Rückkehrern sieht es da schon anders aus. Der Gewöhnungseffekt – die Türkei ist seit Mitte Juni Risikogebiet – hat laut Gesundheitsbehörde dazu geführt, dass inzwischen über die Hälfte aller Urlauber ein Testergebnis aus der Türkei mitbringt.

Testergebnisse nach 24 bis 36 Stunden

Die Testergebnisse aus Bremen sind in der Regel nach 24 bis 36 Stunden ausgewertet, in Einzelfällen kann es auch mal drei Tage dauern. Positive Fälle werden telefonisch informiert. Wer nach drei Tagen noch nichts vom Gesundheitsamt gehört hat, darf die Quarantäne verlassen. Die Schottkes haben sich auf die Quarantäne, die bei Urlaubsantritt noch nicht absehbar war, eingestellt. „Oma und Opa kaufen jetzt ein“, sagt Katrin Schottke.

Für ihren Mann hat die überraschende Statusänderung von Mallorca von einem Nicht-Risikogebiet zu einem Risikogebiet Folgen. Er muss für 14 Tage von zu Hause aus arbeiten. Eine Corona-Ausbreitung kann sich der Betrieb partout nicht leisten. Torben-Helge Schottke arbeitet als Flugsicherungsingenieur bei der Deutschen Flugsicherheit GmbH.

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