Menschenaffen und Kriege

Bonobos, auch Zwergschimpansen genannt, und die etwas größeren Gemeinen Schimpansen sind genetisch eng miteinander verwandt und bilden gemeinsam die Gattung der Schimpansen. Diese Menschenaffen gelten als die engsten Verwandten des Menschen.
05.05.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Menschenaffen und Kriege
Von Jürgen Wendler
Menschenaffen und Kriege

Bonobos bei der Fellpflege. Beim Bonobo oder Zwergschimpansen handelt es sich um eine Schwesterart des Gemeinen Schimpansen. Schimpansen gelten als die nächsten Verwandten des Menschen. Forscher studieren ihr Verhalten auch, um etwas über die Wurzeln menschlicher Verhaltensweisen zu erfahren.

BORIS ROESSLER, dpa

Bonobos, auch Zwergschimpansen genannt, und die etwas größeren Gemeinen Schimpansen sind genetisch eng miteinander verwandt und bilden gemeinsam die Gattung der Schimpansen. Diese Menschenaffen gelten als die engsten Verwandten des Menschen. Bei der Suche nach Erklärungen für die Entwicklung menschlicher Verhaltensweisen richten Forscher ihren Blick deshalb auch auf die Schimpansen. Zur Geschichte des Menschen gehören kriegerische Auseinandersetzungen, und die gibt es auch bei Affen. Was lernen Wissenschaftler daraus?

Antwort: Das Führen von Kriegen scheine einen grundlegenden Einfluss auf die Struktur einer Gesellschaft zu haben, erklärt Martin Surbeck vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Er fasst damit die Ergebnisse einer aktuellen Studie zusammen, die im Fachjournal „Royal Society Open Science“ veröffentlicht worden ist. Für ihre Studie hatten Surbeck und seine Kollegen Daten zu fünf Schimpansen- und zwei Bonobogruppen an der Elfenbeinküste, in Uganda und in der Demokratischen Repu­blik Kongo ausgewertet.

Die Forscher ermittelten, welches Geschlecht Bonobos und Schimpansen bevorzugen, wenn sie sich mit Artgenossen umgeben. Wie sie feststellten, neigen bei den Gemeinen Schimpansen Männchen und Weibchen dazu, sich mit Geschlechtsgenossen beziehungsweise Geschlechtsgenossinnen zu umgeben. Die Schimpansengruppen sind nach Geschlechtern getrennt. Bei den Bonobos hingegen zeigte sich, dass beide Geschlechter lieber in Gesellschaft von Weibchen sind. Erklären lassen sich diese Ergebnisse nach den Angaben der Forschergruppe um Surbeck mit den verschiedenen Arten der Kooperation bei Schimpansen und Bonobos. Die Unterschiede hängen damit zusammen, dass kriegerische Auseinandersetzungen im Leben von Schimpansen eine wichtige Rolle spielen, im Leben von Bonobos aber nicht.

Beispiele für das Zusammenwirken beim Verfolgen bestimmter Ziele sind nicht nur in menschlichen Gesellschaften, sondern auch im Tierreich zu finden. So wechseln Waldrappe, Zugvögel aus der Familie der Ibisse, ihre Positionen in der Flugformation, damit alle Tiere Gelegenheit bekommen, Energie zu sparen. Die Vögel, die hinterherfliegen, müssen weniger Energie aufwenden. Auch in anderer Hinsicht können die Kooperation und das Leben in einer Gruppe Vorteile bringen. Unter Umständen fällt es auf diese Weise leichter, sich gegen Raubtiere zu verteidigen oder an Nahrung zu gelangen. Dass das Gruppenleben auch Nachteile haben kann, zeigt sich unter anderem dann, wenn es gilt, Nahrung zu teilen oder Paarungspartner zu finden. Der Konkurrenzdruck ist in Gruppen größer. Bestmöglich genutzt werden die Vorteile der Gruppe dadurch, dass für gemeinsame Aktionen gezielt geeignete Kooperationspartner ausgewählt werden.

Das zuletzt genannte Phänomen lässt sich besonders gut bei Schimpansen beobachten. Für Gemeine Schimpansen spielen Territorien beziehungsweise Reviere eine bedeutende Rolle. Die Affen verteidigen ihr Revier. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen sich verschiedene Gruppen wegen Territorien feindselig begegnen – oftmals mit tödlichem Ausgang für bestimmte Tiere. Dass Schimpansenmännchen einer Gruppe sich bei der Verteidigung ihres Reviers oder auch bei der gelegentlichen Jagd auf Säugetiere wie kleinere Affen gegenseitig unterstützen, ist vermutlich der Grund dafür, dass sie die Nähe von Geschlechtsgenossen suchen. Die Sozialstruktur der Gemeinen Schimpansen hängt folglich mit ihren Kooperationszielen zusammen, etwa der gegenseitigen Unterstützung bei kriegerischen Konflikten.

Ganz anders stellt sich laut Surbeck die Situation bei Bonobos dar. Bei diesen Menschenaffen unterhalten die verschiedenen Gruppen nach den Worten des Wissenschaftlers friedliche Beziehungen. Ihre Begegnungen endeten nicht tödlich. Dass Bonobos sich in territorialer Hinsicht anders verhalten als Gemeine Schimpansen, hat auch zur Folge, dass ihre Kooperationsziele andere sind. Konfliktfrei ist das Leben auch bei ihnen nicht. So kann es Konflikte zwischen Bonobomännchen einer Gruppe geben. Diese verlassen sich in solchen Fällen vor allem auf die Hilfe weiblicher Tiere, insbesondere ihrer Mütter. Sie tragen dazu bei, Konflikte beizulegen. Mithilfe weiblicher Tiere gelingt es Männchen, ihr Ansehen in der Gruppe zu steigern.

Biologen zählen neben den Schimpansen und den Gattungen der Gorillas und Orang-Utans auch den Menschen zu den Menschenaffen. Lange Zeit allein dem Menschen zugeschriebene Fähigkeiten wie der Gebrauch von Werkzeugen sind in den vergangenen Jahrzehnten auch bei Menschenaffen nachgewiesen worden. So nutzen Schimpansen Steine zum Nüsseknacken und Zweige, um Termiten aus Erdlöchern zu fischen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+