Duftstoffe helfen Menschen, Vögeln und anderen Tieren bei der Wahl ihrer Partner

Mit dem richtigen Riecher

Das Aussehen, die Stimme, das Verhalten: Es gibt unterschiedliche Gründe dafür, dass sich Menschen zu bestimmten anderen Menschen hingezogen fühlen. Dass auch der Körpergeruch wichtig ist, gilt seit einigen Jahren als erwiesen. Der Grund scheint der Gleiche zu sein wie beispielsweise bei Mäusen. Jetzt haben Forscher Hinweise gefunden, dass er auch bei der Partnerwahl von Vögeln eine bedeutende Rolle spielt.
02.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Mit dem richtigen Riecher
Von Jürgen Wendler

Das Aussehen, die Stimme, das Verhalten: Es gibt unterschiedliche Gründe dafür, dass sich Menschen zu bestimmten anderen Menschen hingezogen fühlen. Dass auch der Körpergeruch wichtig ist, gilt seit einigen Jahren als erwiesen. Der Grund scheint der Gleiche zu sein wie beispielsweise bei Mäusen. Jetzt haben Forscher Hinweise gefunden, dass er auch bei der Partnerwahl von Vögeln eine bedeutende Rolle spielt.

Bei robusten, gesunden Nachkommen ist die Wahrscheinlichkeit besonders hoch, dass sie mit Herausforderungen zurechtkommen und überleben. Wie gesund Nachkommen sind, hängt vom Erbgut ab, das ihnen ihre Eltern mitgeben. Nach den Erkenntnissen von Forschern sind Nachkommen umso gesünder, je verschiedener die Immunsysteme ihrer Eltern sind. Entscheidende Hinweise, wer in dieser Hinsicht als Partner besonders gut geeignet ist, liefert der Körpergeruch.

Mit Experimenten haben Wissenschaftler zeigen können, dass Frauen den Geruch von Männern dann als besonders angenehm empfinden, wenn sich deren Immungene deutlich von ihren eigenen unterscheiden. Die Gene, um die es geht, werden als MHC-Gene bezeichnet. Sie liefern die Bauanleitung für bestimmte Eiweißstoffe, die MHC-Proteine. Solche Eiweißstoffe besitzen die Fähigkeit, Stücke von fremden Eiweißstoffen, sogenannte Antigene, die von Bakterien, Viren oder Parasiten stammen, zu binden. Besondere körpereigene Zellen, die T-Zellen, werden so in die Lage versetzt, die Antigene zu erkennen und Abwehrreaktionen in Gang zu setzen. Beim Menschen gibt es nicht nur eine ganze Reihe von unterschiedlichen MHC-Genen, sondern einzelne Gene kommen zudem in unterschiedlichen Varianten vor. Pflanzen sich eine Frau und ein Mann mit unterschiedlicher genetischer Ausstattung fort, erhöht dies bei ihren Nachkommen die Chance auf eine starke Immunabwehr.

Zu den Wirbeltieren, das heißt Tieren mit einer Wirbelsäule, zählen neben Säugetieren Reptilien, Amphibien, Vögel und Fische. Zu den Merkmalen von Wirbeltieren gehört, dass sie MHC-Gene besitzen. Mäuse sind Säugetiere. Bei ihnen haben Wissenschaftler festgestellt, dass der Uringeruch Informationen über das Erbgut liefert. Mäuseweibchen erkennen am Uringeruch eines Männchens, ob es sich um einen nahen Verwandten oder ein fremdes Tier handelt. Eine Forschergruppe um Richard Wagner von der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat jetzt im Fachjournal „Scientific Reports“ eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass ähnlich duftende Dreizehenmöwen ähnliche MHC-Gene besitzen. Wagner und seine Kollegen nehmen an, dass die Vögel ihren eigenen Geruch mit dem möglicher Partner vergleichen und ein Tier auswählen, mit dem sie nicht verwandt sind. Schon eine frühere Studie habe gezeigt, dass sich Dreizehenmöwen bevorzugt mit Vögeln paarten, die sich genetisch von ihnen unterschieden. Zunächst sei jedoch unklar gewesen, woran die Dreizehenmöwen solche Tiere erkennen könnten. Das Gemisch von Duftnoten entsteht in der Bürzeldrüse, einer Hautdrüse, die sich auf der Oberseite der Schwanzwurzel, dem Bürzel, befindet.

Duftstoffe sind in der Natur nicht nur bei der Partnerwahl wichtig. So setzen Blütenpflanzen solche Stoffe ein, um bestäubende Insekten anzulocken und so ihre Fortpflanzung zu sichern. Üble Gerüche können dazu dienen, Fressfeinde abzuschrecken. Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, zeigt unter anderem der Rübenkohl (Kohlrabi), eine Blütenpflanze. Forscher haben festgestellt, dass sich die Duftsignale verändern, wenn Raupen anfangen, an dieser Pflanze zu fressen. Statt des Blütendufts gibt sie Duftsignale aus ihren Blättern ab, die Schlupfwespen anlocken. Diese töten die Raupen, indem sie ihre Eier in ihnen ablegen.

Tiere nutzen Duftstoffe auch, um Reviere zu markieren oder sich mit Artgenossen zu verständigen. So ist zum Beispiel von Feuerameisen bekannt, dass sie auf dem Rückweg von einer Nahrungsquelle zur Ameisenkolonie einen Geruchspfad hinterlassen. Dieser hilft anderen Ameisen, den Weg zur Nahrung zu finden.

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