Was Patienten bei heißen Temperaturen beachten sollten – Bremer Stiftung gibt Tipps Mit Herzproblemen in den Urlaub

Bremen. Urlaub ist die Zeit, in der Entspannung, aber auch Bewegung und viele andere Dinge, die im Alltag häufig zu kurz kommen, groß geschrieben werden. Die meisten Menschen zieht es dorthin, wo es warm und sonnig ist.
26.06.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Mit Herzproblemen in den Urlaub
Von Sabine Doll

Bremen. Urlaub ist die Zeit, in der Entspannung, aber auch Bewegung und viele andere Dinge, die im Alltag häufig zu kurz kommen, groß geschrieben werden. Die meisten Menschen zieht es dorthin, wo es warm und sonnig ist. Auch wer chronisch herzkrank ist, muss nicht auf dieses Programm verzichten, aber Patienten sollten einige Verhaltenstipps beachten. Denn: Gerade sommerliche Temperaturen und erst recht große Hitze können eine besondere Herausforderung für diese Patienten bedeuten, sagen Herzspezialisten. Die wichtigsten Tipps im Überblick:

Hohe Temperaturen: Sie können bei Menschen mit Herzproblemen schneller zu Müdigkeit, Erschöpfung und auch Konzentrationsstörungen, Muskelkrämpfen und sogar zu Herzrhythmusstörungen führen. Eine wichtige Verhaltensregel lautet deshalb: Damit Herz und Kreislauf nicht überbelastet werden, sollten diese Menschen besonders den schnellen Wechsel zwischen extremen Temperaturen meiden – etwa von klimatisierten Räumen direkt in die pralle Sonne. Raus aus dem klimatisierten Hotel, dem Flugzeug oder Einkaufszentrum in die Mittagshitze, davon rät die Stiftung Bremer Herzen dringend ab. Besser sei es, sich in dieser Zeit ein schattiges Plätzchen zu suchen und den Einkaufsbummel oder Strandspaziergang auf die kühleren Morgen- und Abendstunden zu verschieben.

Viel trinken – Vorsicht bei Herzschwäche: Um den Kreislauf zu entlasten und den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen, sollte ausreichend getrunken werden – wenigstens zwei Liter am Tag, an heißen Tagen könne es mehr sein. Das ist die Grundregel. Aber: Für Menschen mit einer Herzschwäche gilt nach Angaben der Bremer Stiftung eine Besonderheit, da sie normalerweise nicht so viel Flüssigkeit zu sich nehmen dürften. „Wer eine Herzschwäche hat, sollte seine Trinkmenge deshalb unbedingt mit dem Arzt abstimmen“, rät Professor Rainer Hambrecht, Vorsitzender der Bremer Stiftung und Chefarzt der Kardiologie am Klinikum Links der Weser. Die Getränke sollten nicht eiskalt sein, weil dadurch der Stoffwechsel und damit die Schweißproduktion erst recht angekurbelt würden. Auf gesüßte Getränke und vor allem Alkohol sollte ohnehin verzichtet werden.

Sport und Bewegung: Ein Aktivprogramm sei auch im Sommer wichtig für das Herz, betont der Bremer Chefarzt. Allerdings gelte auch hierbei: Anstrengungen sollten im Sommer auf die Morgen- und Abendstunden verlegt werden, bei allzu großer Hitze – etwa am Urlaubsort – kann das Sportprogramm auch auf einen kühleren Tag verlegt werden.

Wandertouren in den Bergen: Eine Besonderheit gilt auch beim Wandern in den Bergen, denn Aufenthalte in großen Höhen können bei manchen Herzleiden zu Problemen führen. „Vorsichtig sollten Menschen mit verengten Herzkranzgefäßen sein, denn der verminderte Sauerstoffgehalt kann dazu führen, dass einzelne Herzmuskelbereiche, die durch die Krankheit minderdurchblutet sind, nicht mehr ausreichend Sauerstoff erhalten“, heißt es von der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt am Main. Folgen könnten sogenannte Angina-pectoris-Anfälle (Brustenge) oder im schlimmsten Fall auch Herzinfarkte sein. Auf Wandertouren müsse aber nicht verzichtet werden.

Die Herzstiftung empfiehlt vor einem Höhenaufenthalt einen kurzen Check beim Hausarzt oder einem Herzspezialisten für ein Belastungs-EKG. Damit könne auch die Pulsobergrenze ermittelt werden, bis zu der körperliche Belastungen möglich seien. Beim Wandern könne man dann eine kleine Puls-Uhr am Handgelenk tragen, die mit akustischen Signalen vor zu hohen Herzfrequenzen und damit einer Überbelastung des Herzens warne. Preiswerte Uhren gebe es bereits für zehn bis 15 Euro. Grundsätzlich empfiehlt die Herzstiftung vor Wandertouren in Höhen eine Anpassungszeit von zwei bis drei Tagen mit Spaziergängen oder anderen leichten Belastungen, damit sich Herz und Kreislauf auf die Bedingungen einstellen können.

Dosierung der Medikamente: Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt außerdem, vor einem Urlaub mit dem Arzt über die Medikation zu sprechen. Das gelte insbesondere für sogenannte Diuretika zur Entwässerung bei einer Herzschwäche oder für Blutdrucksenker. Teilweise müssten die Dosierungen in den Sommermonaten reduziert werden. Aber dies dürfe keinesfalls in Eigenregie geschehen, sondern immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt, der die Dosierung überprüft, warnt Professor Thomas Wendt, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Herzstiftung.

Unterlagen mitnehmen: Der Bremer Herzspezialist empfiehlt Patienten zudem, wichtige Krankenunterlagen auch im Urlaub für einen Notfall stets griffbereit zu haben. Dazu zähle eine Liste aller Medikamente, die eingenommen werden. Ins Reisegepäck gehörten außerdem Ausweise für Herzschrittmacher oder beispielsweise Defibrillatoren. Außerdem sollten ausreichend Medikamente mitgenommen werden, vor allem, wenn die Reise ins Ausland geht. Herzkranke Menschen, die in den Urlaub fliegen, sollten grundsätzlich vorher mit ihrem Arzt über den Flug, das Reiseziel und die Vorbereitung der Reise sprechen, empfehlen Experten. Und wer gerade einen Eingriff am Herzen hinter sich hat, sollte seinen Urlaub zuvor grundsätzlich mit dem behandelnden Arzt besprechen.

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