Trier Nachhaltige Reformen dringend notwendig

Mit dem heutigen Montag sind die natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren und damit nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Für den Rest des Jahres 2016 lebt die Menschheit von den stillen Reserven des Planeten.
08.08.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jörg-Andreas Krüger

Mit dem heutigen Montag sind die natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren und damit nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Für den Rest des Jahres 2016 lebt die Menschheit von den stillen Reserven des Planeten.

Damit ist der „Welterschöpfungstag“ (Englisch: Earth Overshoot Day) erneut im Kalender nach vorne gerutscht. Im vergangenen Jahr reichten die Ressourcen noch bis zum 13. August.

Seit über dreißig Jahren ist es uns nicht mehr gelungen, innerhalb der natürlichen Grenzen der Erde zu leben und zu wirtschaften. Durch diese dauerhafte, globale Übernutzung treiben wir die weltweiten Ökosysteme in einen gefährlichen Burn-Out. Die Folgen sind bereits heute sichtbar: Klimawandel, Artensterben, Wassermangel, die Übersäuerung der Ozeane oder die Überfischung der großen Meere.

Die Verantwortung für diesen Burn-Out tragen vor allem die wohlhabenden Industrienationen. Auch wir in Deutschland sind weit davon entfernt ein Musterschüler zu sein.

So braucht jeder Deutsche mehr als doppelt so viele Ressourcen, wie ihm jährlich zustehen würden. Dementsprechend müssen wir vorangehen. Die Ziele sind dabei längst definiert: Deutschland hat sich klar zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen und dem Pariser Klimaschutzabkommen bekannt. Es ist also auch für die Bundesrepublik Deutschland Zeit, endlich zu handeln.

Aus der deutschen Politik kommen derzeit allerdings gegenteilige Signale. Der vorgelegte Klimaschutzplan 2050 wird zunehmend abgespeckt. Von einem konkreten Kohleausstieg ist darin nichts mehr zu lesen. Obwohl die Bundesrepublik Deutschland, wenn sie das Unter-Zwei-Grad-Ziel von Paris ernst nimmt, bis spätestens 2035 aus dem Kohlestrom aussteigen müsste.

Auch eine nachhaltige Agrarwende ist längst überfällig – nicht nur unter Klimaschutzaspekten, sondern auch zum Schutz unserer biologischen Vielfalt. Und auch der Verkehrssektor müsste endlich in die Pflicht genommen und nachhaltiger ausgerichtet werden.

Zugegeben, solche Reformen treffen auch auf Widerstände. Aber wir können und müssen uns diese Anstrengungen als eine führende Industrienation leisten. Nicht zuletzt deswegen, da wir unseren eigenen Wohlstand nur sichern können, wenn wir die ökologische Ressourcenfrage lösen.

Sollten wir diese Herausforderung nicht meistern, werden nicht erst unsere Kinder und Enkel massiv unter den Folgen zu leiden haben.

Zur Person

Unser Gastautor Jörg-Andreas Krüger ist Leiter des Bereichs Biodiversität beim World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland. Jörg-Andreas Krüger arbeitet vor allem zur Frage globaler Ressourcen und zum Schutz der biologischen Vielfalt.
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