Klimaveränderungen treiben Tiere in andere Gebiete / Bremer Forscher untersuchen Folgen für Norwegen Natur im Wandel

Im Laufe der Erdgeschichte haben sich die Lebensbedingungen immer wieder verändert. Seit einiger Zeit spielen dabei auch menschliche Einflüsse eine zentrale Rolle. Davon zeugen nicht zuletzt Schlagworte wie Umweltzerstörung oder Umweltgifte. Dass auch der Klimawandel weitreichende Folgen hat, ist erwiesen. Viele Pflanzen und Tiere wandern in andere Gebiete. Was das für die Natur und Menschen bedeutet, etwa Bewohner Norwegens, zeigen aktuelle Forschungsarbeiten.
18.02.2014, 00:00
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Natur im Wandel
Von Jürgen Wendler

Im Laufe der Erdgeschichte haben sich die Lebensbedingungen immer wieder verändert. Seit einiger Zeit spielen dabei auch menschliche Einflüsse eine zentrale Rolle. Davon zeugen nicht zuletzt Schlagworte wie Umweltzerstörung oder Umweltgifte. Dass auch der Klimawandel weitreichende Folgen hat, ist erwiesen. Viele Pflanzen und Tiere wandern in andere Gebiete. Was das für die Natur und Menschen bedeutet, etwa Bewohner Norwegens, zeigen aktuelle Forschungsarbeiten.

Von 1880 bis 2012 hat sich die Atmosphäre in Bodennähe nach Angaben des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change) im globalen Mittel um 0,85 Grad Celsius erwärmt. Regional gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. So hat die Biologin Andrea Grill von der Universität Wien kürzlich im Zusammenhang mit einer im Fachjournal „PLOS ONE“ veröffentlichten Studie darauf hingewiesen, dass die Temperatur im Dadia National Park im Nordosten Griechenlands zuletzt innerhalb von nur 13 Jahren um 0,95 Grad Celsius angestiegen sei. Dies hat nach den Erkenntnissen der Wissenschaftlerin und ihrer Kollegen erhebliche Auswirkungen auf die Schmetterlinge, die dafür bekannt sind, besonders rasch auf Veränderungen zu reagieren. Während Arten, die kühlere Temperaturen bevorzugten, seltener geworden seien, sei die Zahl der Vertreter anderer Arten stark gestiegen. Beispiele hierfür lieferten der Große Waldportier und das Ochsenauge.

Im Meer verzeichnen Wissenschaftler nicht nur steigende Temperaturen, sondern auch einen veränderten Säuregrad des Wassers. Verantwortlich dafür, so heißt es, seien größere Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid aus der Atmosphäre, die vom Ozean aufgenommen und dort in Kohlensäure umgewandelt würden. Mit den Folgen befassen sich auch zahlreiche Wissenschaftler Bremer Forschungseinrichtungen. Stefan Königstein und Stefan Goessling-Reisemann von der Universität Bremen haben jetzt einen Bericht über Erkenntnisse vorgelegt, die sie über Meeresökosysteme und wirtschaftliche Folgen von Veränderungen in der Norwegischen und der Barentssee gewonnen haben – unter anderem bei Interviews mit norwegischen Experten.

Nahrung im Meer

Eine wichtige Nahrungsgrundlage für andere Lebewesen bildet im Meer das pflanzliche Plankton (Phytoplankton). Es wird von tierischem Plankton (Zooplankton) gefressen, zu dem zum Beispiel Ruderfußkrebse gehören. Das tierische Plankton dient wiederum größeren Krebsen und Fischen als Nahrung. Von den kleineren Fischen ernähren sich die größeren, aber auch Robben, Wale und Seevögel. Mit anderen Worten: Zum Funktionieren der Meeresökosysteme tragen viele Lebewesen bei. Wenn Arten aufgrund von Veränderungen der Temperatur oder des Säuregrads Probleme bekommen, hat dies Folgen für andere Arten.

Königstein und Goessling-Reisemann zitieren Studien, nach denen die Artenvielfalt im Meer seit den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts weltweit um mehr als 20 Prozent abgenommen hat. Außerdem berichten sie, dass bei der Verbreitung von Lebewesen wie etwa Braunalgen in norwegischen Gewässern Veränderungen beobachtet worden seien. Dass in Nordnorwegen und auf der zu Norwegen gehörenden Inselgruppe Spitzbergen bestimmte Seevogelbestände zurückgegangen seien, hänge möglicherweise mit Veränderungen im Nahrungsnetz zusammen. So fehle es vermutlich an Fischen, die den Vögeln als Nahrung dienten.

Wie die Wissenschaftler schreiben, spielt die Fischerei für Norwegens Wirtschaft eine herausragende Rolle. Gefangen würden unter anderem Kabeljaue, Heringe und Makrelen. Die Verbreitung von Beständen habe sich nach den Beobachtungen von Experten in den vergangenen Jahren verändert. So schienen Kabeljaue und Makrelen weiter nach Nordosten gewandert zu sein. Außerdem tauchten in norwegischen Gewässern inzwischen auch Sardinen auf, die dort früher nicht anzutreffen gewesen seien. Insgesamt scheine es um die meisten Fischbestände derzeit gut bestellt zu sein, erklären die Forscher.

Das heißt allerdings nicht, dass es keine Probleme gibt. So wird nach Darstellung der Bremer Wissenschaftler aus dem Verwaltungsbezirk Finnmark im äußersten Nordosten Norwegens berichtet, dass Kabeljaubestände in den Fjorden zurückgegangen seien. Dies hänge möglicherweise mit den dort aufgetauchten Makrelen zusammen, weil die Arten um Nahrung konkurrierten. Außerdem fräßen die Makrelen Kabeljaularven.

Nach den Worten von Königstein und Goessling-Reisemann ist auch der Tourismus für Norwegens Wirtschaft wichtig. Für die Aktivitäten in Küstengebieten, zu denen unter anderem das Angeln und das Beobachten von Walen gehörten, könnten die Veränderungen in den marinen Ökosystemen Folgen haben. Die Bremer Forscher sind dabei, ein Computermodell zu entwickeln, das die ökologischen und sozioökonomischen Folgen der Veränderungen erfasst.

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