Ärzte: Hepatitis ist heute besser behandelbar / Viele Betroffene wissen nichts von ihrer Infektion Neue Medikamente gegen Leberentzündung

Hannover·Berlin. Viele Menschen leiden an chronischer Hepatits B oder C – und wissen nichts davon. Denn: Eine entzündete Leber macht sich nicht immer bemerkbar.
13.07.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Sabine Meuter

Viele Menschen leiden an chronischer Hepatits B oder C – und wissen nichts davon. Denn: Eine entzündete Leber macht sich nicht immer bemerkbar. Experten schätzen, dass in Deutschland vermutlich über fünf Millionen Menschen von einer Lebererkrankung betroffen sind. Oft genug werden erste Anzeichen wie Abgeschlagenheit als grippaler Infekt fehlgedeutet. Ein erstes Warnsignal können erhöhte Leberwerte bei einer Routineuntersuchung sein. Doch ein solcher Befund wird häufig unterschätzt. Das ist gefährlich, denn unbehandelt können Lebererkrankungen zu einer Leberzirrhose oder zum Leberzellkrebs führen. So weit muss es aber nicht kommen. Je früher die Infektion entdeckt wird, desto besser sind heute die Behandlungschancen.

Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Weil bei den Betroffenen mitunter die Haut oder der weiße Teil der Augen gelb gefärbt ist, wird die Erkrankung gelegentlich auch Gelbsucht genannt. „Bei einer Hepatitis sind Leberzellen geschädigt oder zerstört“, erklärt Markus Cornberg von der Deutschen Leberstiftung.

Hepatitis A gehört zu den typischen Reisekrankheiten. Risikofaktoren sind belastetes Trinkwasser und verunreinigte Lebensmittel wie etwa Muscheln und Austern oder mit Fäkalien gedüngtes Gemüse. Das Hepatitis-A-Virus wird über den Darm ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt daher vor allem über den virushaltigen Kot. Spezielle Medikamente zur Behandlung von Hepatitis A gibt es nicht. Vor Reisen etwa in die Tropen sollte man sich impfen lassen, sagt Mediziner Thomas Harder vom Robert Koch-Institut in Berlin.

Hepatitis B wird durch Viren übertragen, etwa bei Sexualkontakten. Auch der Kontakt mit infiziertem Blut kann eine Hepatitis B auslösen. Bei einem chronischen Krankheitsverlauf steht heute eine antivirale Therapie mit Medikamenten an. „Jeden Tag muss dann über Jahre hinweg eine Tablette eingenommen werden“, erklärt Cornberg. Gegen Hepatitis B gibt es Impfstoffe. „Alle Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten und Kleinkinder beziehungsweise noch nicht geimpfte Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr sollten sich impfen lassen“, rät Harder. Die Kosten für diese Impfung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.

Hepatitis C wird in aller Regel durch Blut übertragen. Mit dem Hepatitis-C-Virus infizieren sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit jedes Jahr drei bis vier Millionen Menschen neu. Gegen Hepatitis C gibt es allerdings keine Impfung. Aber es stehen neue Medikamente zur Verfügung: Durch Kombinationstherapien verschiedener antiviraler Medikamente sind nach Angaben von Cornberg inzwischen Heilungsraten von 90 bis 100 Prozent möglich. „Die Kosten belaufen sich aktuell auf circa 50 000 bis 60 000 Euro pro Behandlung“, sagt er. Für die Kosten kommen ebenfalls die gesetzlichen Krankenkassen auf.

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