Homöopathie-Kongress in Bremen: Befürworter legen Studienübersicht zur Wirksamkeit vor

Neue Runde im Streit um Globuli

Bremen. „Similia similibus curentur“ – „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“ ist für Homöopathen das Leitmotiv. Von Gegnern werden sie oft als Kügelchen-Verteiler oder auch Scharlatane bezeichnet.
30.05.2016, 00:00
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Von Vera Jansen
Neue Runde im Streit um Globuli

Blick in einen Schrank mit Fläschchen mit homöopathischen Präparaten. Die Nachfrage nach alternativen Heilmethoden in Deutschland ist nach wie vor groß.

Frank Rumpenhorst, dpa

„Similia similibus curentur“ – „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“ ist für Homöopathen das Leitmotiv. Von Gegnern werden sie oft als Kügelchen-Verteiler oder auch Scharlatane bezeichnet. Die Debatte über die Wirksamkeit der Homöopathie wird von beiden Seiten emotional und polemisch geführt. Die Alternativmediziner haben nun nachgelegt.

Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (Wiss-Hom) legte am Freitag bei einem Homöopathie-Kongress in Bremen eine 60-seitige Untersuchung vor, die bereits vorhandene Studien bündelt. Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belege hinreichend einen therapeutischen Nutzen, sagte die Ärztin Michaela Geiger, zweite Wiss-Hom-Vorsitzende. Die Schulmedizin lehnt die Homöopathie ab, weil ihr wissenschaftliche Nachweise fehlen.

Im Februar startete die sogenannte Freiburger Erklärung. In dem Netzwerk haben sich Ärzte, Apotheker, Tierärzte, Biologen und andere Homöopathie-Kritiker zusammengeschlossen. Ihre Meinung: „Trotz der Förderung durch die Politik und des Schweigens derer, die es besser wissen müssten, ist und bleibt die Homöopathie ein Verfahren, das im klaren Widerspruch zu gesicherten wissenschaftlichen Grundlagen steht.“ Homöopathie sei eine sich hartnäckig haltende Glaubenslehre, die weder als Naturheilkunde, noch als Medizin anzusehen sei.

In homöopathischen Mitteln ist die Wirksubstanz so stark verdünnt, dass sie häufig nicht mehr chemisch nachweisbar ist. Warum die Präparate trotzdem wirken sollen, erklärt die neue Untersuchung nicht. In der Grundlagenforschung gebe es bislang keine Möglichkeit, zu ergründen, wie die spezifischen Effekte zustande kommen, sagte Michael Traut vom Wiss-Hom-Wissenschaftsteam.

Seit 2010 widmet sich Wiss-Hom dem Nachweis der homöopathischen Wirkung. In der neuen Untersuchung wurden nach Angaben von WissHom unter anderem randomisierte kontrollierte klinische Studien, Meta-Analysen und Grundlagenforschung ausgewertet und zusammengefasst. Mehr als hundert Quellen werden darin zitiert.

In Deutschland praktizieren über 7000 Ärzte mit homöopathischer Ausbildung. Der Zuspruch in der Bevölkerung ist groß. Ein Grund dafür seien oft enttäuschende Erfahrungen mit der Schulmedizin, sagt Professor Norbert Schmacke vom Institut für Public Health und Pflegeforschung an der Bremer Universität. Die Homöopathie werde konsultiert, immer wenn „Kranke sich nicht verstanden fühlen, in der Regel bei chronischen Erkrankungen für die es keine Patentrezepte gibt“. Aber auch Empfehlungen von Freunden und die Angst vor Nebenwirkungen führten die Menschen in die Praxen. Gesundheitsexperte Schmacke, der zu den Unterzeichnern der Freiburger Erklärung gehört, kritisiert: „Die Homöopathen versteigen sich, dass sie die Einzigen sind, die Krankheiten heilen können. Das behaupten sie für Krebs, für Schlaganfall, eigentlich für alles.“

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) rief zur Zusammenarbeit auf: „Es muss endlich Schluss sein mit dem unnützen Streit zwischen Schulmedizin und Homöopathie. Denn er schadet den Menschen nur.“ Die Streitparteien sollten im Interesse der Patienten gemeinsame Wege gehen. Überzogene Heilsversprechen durch alternative Therapien dürfe es dabei ebenso wenig geben wie nicht notwendige Operationen.

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