Mit dem Rad auf den Bungsberg Gipfelsturm in Ostholstein

Rund um die Holsteiner Seenplatte erwartet Besucher nicht nur viel Historisches, sondern auch eininge Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Belohnt wird die Mühe mitunter mit einem malerischen Ausblick.
14.12.2019, 05:00
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Gipfelsturm in Ostholstein
Von Gesa Below

Eutin, Kreisstadt von Ostholstein, knapp 17.000 Einwohner, inmitten der Holsteinischen Seenplatte: Es gibt ein Schloss und einen prächtigen Schlosspark, gelegen am Großen Eutiner See, kopfsteingepflasterte Altstadt-Gassen, viel Historie. Auf den Komponisten Carl Maria von Weber, berühmten Sohn der Stadt, und dessen musikalisches Werk ist man so stolz, dass man anlässlich seines 125. Todestages seit 1951 die Eutiner Festspiele begeht. Seitdem trifft sich die Opern- und Operettenszene alljährlich im Juli und August, um auf der meist ausverkauften Seebühne zu gastieren. Die liegt, wie auch das Schloss, in einem weitläufigen Parkgelände, das im Lauf der Jahrhunderte einige Umwandlungen erfahren hat, bis es zu dem Landschaftsgarten geworden ist, der in Deutschland als einmalig gilt. Mittendrin: Der ehemals herzogliche Nutz- und Ziergarten, der 2016 als Bühne für die Landesgartenschau diente, und der für die Projektleiterin, vulgo: Chefgärtnerin Stephanie Bolz „der schönste Arbeitsplatz der Welt“ ist.

In den Gewässern der Holsteiner Seenplatte kann man auch schwimmen

Stichwort Natur: Auch an Wasserflächen mangelt es dem nördlichsten Bundesland wirklich nicht: Rechts ein Meer, links ein Meer, und zwischendrin zum Beispiel die Holsteiner Seenplatte mit mehr als 200 Einzelgewässern, untereinander verbunden durch das Flüsschen Schwentine – „mit 62 Kilometern einer der längsten Flüsse Schleswig-Holsteins“, wie zahlreiche Infoseiten stolz vermelden. Man kann paddeln, rudern, segeln und natürlich schwimmen – man kann aber auch an Land sportlich aktiv sein. Zwischen den Wasserflächen gestalten eiszeitliche Endmoränen seit der Gletscherschmelze vor 10.000 Jahren die buchenbewaldete Landschaft, die in einem Maße hügelig ist, dass wir Norddeutschen schon von Bergen sprechen. Deshalb kamen die Verantwortlichen in Ostholstein 1971 auf die Idee, auf dem Bungsberg einen Skilift einzurichten und damit mutig in Konkurrenz zu den bis dahin als alpin geltenden Harburger Bergen zu treten.

Der Bungsberg ist, der Eiszeit sei Dank, ein Nunatak: So bezeichnet die Glaziologie „einen isolierten, über die Oberfläche von Gletschern und Inlandeismassen aufragenden Felsen oder Berg“. Schleswig-Holsteins höchste Erhebung, mit 168 Metern über Normalnull nur einen Meter niedriger als unser Heidegipfel in Wilsede, war ab dann jahrzehntelang so etwas wie der Kultberg im nördlichsten Bundesland: 200 Meter downhill mit Ski- und Rodel, einfach zum Abfahren! Im Internet wird das Liftangebot sogar auf den ansonsten doch eher alpin ausgerichteten Infoseiten gelistet.

„An den Wochenenden war hier immer richtig was los“, sagt Burkhard Busch vom Amt Ostholstein-Mitte in Schönwalde – die Gemeinde, in der der Bungsberg die Landschaft überragt. Vor einigen Jahren hat sogar der Bundesseilbahnausschuss auf dem Bungsberg getagt –„und im Jahr vorher waren die auf der Zugspitze.“ Die ostholsteinische Endmoräne in einem Atemzug mit Deutschlands höchstem Alpengipfel – was für eine illustre Gesellschaft!

Jetzt ist der Liftbetrieb seit einigen Jahren eingestellt. „Den letzten Schnee hatten wir 2018 am 1. April“, erinnert sich Busch etwas wehmütig. Ein Scherz? Leider nein. Ob es in diesem Winter klappen wird mit einem neuen Lift-Betreiber und mit genügend Schnee, das weiß er noch nicht. Nun geht es also nur noch im übertragenen Sinne abwärts mit Ski und Rodel.

Bergauf hingegen bietet sich außerhalb der ohnehin nicht schneesicheren Monate ein Kontrastprogramm auf zwei Rädern an. Wir nützen einen Sommertag zu einem Aufstieg mit dem Rad; es gibt auf den Bungsberg einen gut ausgeschilderten Radweg. Der ist gekennzeichnet mit einer grauen Doppelspitze für die 38 Kilometer lange „Bergtour“, die am besten von Eutin aus gestartet wird, und die ihrem Namen Ehre macht, denn die Steigungen sind teilweise mit bis zu acht Prozent für Norddeutsche schon so etwas wie eine Trainingsfahrt fürs Hochgebirge – schweißtreibend. Aber schön!

Unsere Fahrt von Eutin aus ostwärts lässt sich auf den ersten Kilometern noch eher steigungsarm an. Wir radeln entlang des Großen Eutiner Sees, haben einen Blick auf die hinter uns liegende Stadtsilhouette und sehen viele auf Beute lauernde Reiher. Lange müssen sie da nie warten: Der Fischbestand in den Seen ist hoch, von A wie Aal bis Z wie Zander schwimmen viele Arten in den Gewässern des Naturparks Holsteinische Seen.

Es wird hügelig, die ersten Anstiege stimmen ein auf die Bergtour. Das Sträßchen führt, geschützt von den typisch norddeutschen Knicks, durch endlose Ackerflächen; zur Rapsblüte ist dort Gelb die angesagte Farbe. Wir genehmigen uns eine Verschnaufpause auf einer Natursteinmauer mit Blick auf die gepflasterte Allee des Guts Stendorf. Das hat in den vergangenen 60 Jahren als Kulisse für „Immensee“, den Traumfilm aller pferdebegeisterten Mädchen, ebenso gedient wie für Utta Danellas „Der blaue Vogel“, „Das Geheimnis meiner Schwestern“ und „Der Geschmack von Apfelkernen“. Das Genre lässt es ahnen: Herrschaftliche Gutsanlage plus Lindenallee, Heckenrosen, Buchenwälder und blau blinkende Seen liefern den perfekten Hintergrund für Romantik.

Die Aussicht über die ostholsteinische Landschaft ist die Anstrengung wert

Nach der Pause wird es steil. Den Bungsberg erkennt man vor lauter anderen Endmoränen-Hügeln inmitten der Wälder zwar nicht so genau, aber der Funkturm obendrauf weist ihn aus. Außerdem muss die Schaltung ein paarmal betätigt werden. Und dann: der Gipfel! Aussicht gibt’s auf dem baumumstandenen Plateau zwar nicht, aber den Aufstieg über 136 Stufen bis zur Aussichtsplattform des Elisabethturms in 22 Metern Höhe schafft man dann auch noch, und das wird belohnt mit Ostseeblick und Aussicht über die ostholsteinische Landschaft. Das macht Lust auf andere Radtouren in der Gegend. Muss ja nicht immer ein Berg sein.

Mehr Reiseziele in der Nähe von Bremen lernen Sie in unserer Serie „Kurz raus“ kennen.

Info

Zur Sache

Radeln in Schleswig-Holstein

Anreise: Nach Eutin über die A1: Ab der Ausfahrt Scharbeutz geht es auf der B 76 nach Eutin. Mit der Bahn können Urlauber über Hamburg und Lübeck anreisen. Ganz entschleunigt und landschaftlich sehenswert ist die Fahrt, wenn man von Lüneburg über Büchen, Mölln und Ratzeburg, Lübeck und Bad Schwartau nach Eutin fährt.

Beste Reisezeit: Zwischen April und Oktober. Besonders bunt ist es in der Zeit der Rapsblüte von Ende April bis Mai oder zur Laubfärbung im Oktober.

Restaurants: Stilvoll genießen kann man im Restaurant und Café Schlossküche im Eutiner Schloss. Infos unter www.schlosskueche-eutin.de. Im Bacchuskeller, Königstraßenpassage 2, in der Nähe vom Marktplatz sitzt man in altem Gemäuer unter der Stadt.

Information: Eine Attraktion sind die Eutiner Festspiele vom 20. Juni bis 23. August auf der Seebühne (www.eutiner-festspiele.de, Tickets: 0 45 21 / 8 00 1-0.) Weitere Infos bei der Tourist-Info Eutin unter 0 45 21 / 7 09 7 oder www.eutin-tourismus.de.

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