Naturschützer päppeln verletzten sieben Monate alten Kranich wieder auf

Paulinchen kann nicht starten

Angermünde. Beate Blahy und ihr Mann Eberhard Henne haben einen Vogel. Er – oder besser gesagt sie – ist ziemlich scheu und lebt bei ihnen im Gewächshaus auf einem einsamen Gehöft in der Uckermark.
10.01.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jeanette Bederke

Angermünde. Beate Blahy und ihr Mann Eberhard Henne haben einen Vogel. Er – oder besser gesagt sie – ist ziemlich scheu und lebt bei ihnen im Gewächshaus auf einem einsamen Gehöft in der Uckermark. Seit neun Wochen päppeln die beiden Naturschützer ein etwa sieben Monate altes Kranich-Mädchen auf. Es hat den Namen Paulinchen bekommen. Ein gebrochenes Bein verhinderte, dass der Jungvogel mit seinen Eltern zum Überwintern gen Süden fliegen konnte. „Wir haben das Bein vom Tierarzt schienen lassen, in der Hoffnung, dass es wieder zusammen wächst“, sagt der frühere Brandenburger Umweltminister Henne.

Doch vergeblich. Als die Schiene abgenommen wurde, war es nicht geheilt. „Vogelknochen sind hohl. Die wenigen Blutgefäße wurden beim Bruch durchtrennt“, erklärt Blahy. Sich auf nur einem Bein zu bewegen, sei ein langer Lernprozess. Der junge Kranich gerät häufig noch ins Taumeln. Dennoch soll Paulinchen im Frühjahr möglichst wieder ausgewildert werden. Klappt das nicht, muss sie wohl bei den Zieheltern bleiben.

Im Februar werden die ersten Kraniche aus dem Süden in Deutschland wieder zurückerwartet, sagt Günter Nowald, Leiter des Kranichinformationszentrums Groß Mohrdorf in Mecklenburg-Vorpommern. Die Zahlen seien seit Jahren stabil, da es bessere Lebensbedingungen als noch vor 20 Jahren gebe. In renaturierten Feuchtgebieten finden die Vögel Futter, Schutz vor Fressfeinden und können ihren Nachwuchs aufziehen.

Paulinchen war von einem Fischer zu dem Paar gebracht worden. Beide haben schon mehrfach Küken und Jungvögel groß gezogen und verletzte Exemplare gesund gepflegt. „Wir sind in der Brandenburger Landesarbeitsgruppe Kranichschutz engagiert“, erzählt Blahy. „Kraniche sind so wundervolle Tiere, da wird man zwangsläufig zum Fan.“

Beide Naturschützer geben leicht trillernde Laute von sich, wenn sie sich ihrem ­äußerst schreckhaften Schützling nähern. „Das ist ,kranisch‘. Ist kein Fremder dabei, antwortet Paulinchen uns auch so“, sagt der Hausherr.

Brandenburg gehört inzwischen zu einem der wichtigsten Brut- und Rastgebiete für Kraniche. Zum Abflug Richtung Süden in das Winterquartier in Spanien treffen sich zeitweise im Herbst Zehntausende Tiere an den Rastplätzen.

Auf der Reise drohen aber auch Gefahren – etwa von Freileitungen. „Entweder brechen sie sich Beine und Füße oder aber die Flügel“, sagt Tierschützerin Blahy. Im Spätherbst vergangenen Jahres war die Verdrahtung vermutlich einem Kranich zum Verhängnis geworden. Bernd – so hatten ihn Anwohner getauft – war wochenlang an einer Landstraße in der Uckermark hin und her gelaufen. „Am linken Flügel hatte er keine Handschwingen mehr, die er zum Fliegen braucht“, erzählt Blahy. Er hielt sich an der Straße auf, weil dort seine Partnerin überfahren wurde. Inzwischen ist Bernd aber verschwunden. Vermutlich ist auch er an der Straße verendet.

Bis zu 25 Jahre alt Weltweit leben 25 Kranicharten. In Nord- und Mitteleuropa gibt es nur eine: den grauen oder eurasischen Kranich. In Brandenburg sind nach Zählungen der AG Kranichschutz etwa 4000 Brutpaare heimisch. Sie bevorzugen Schlafplätze im flachen Wasser oder in Mooren. Wenn ein Paar keinen Nachwuchs bekommt, suchen sich beide Tiere andere Partner. Die größten europäischen Vögel können bis zu 25 Jahre alt werden. Mitte Oktober machen sie sich auf den Weg nach Spanien, wo sie überwintern. Bei der Rückkehr im Frühjahr besetzen die Bodenbrüter in der Regel ihre angestammten Reviere. Im Alter von etwa vier Jahren beginnen sie zu brüten, meist bekommen sie zwei Küken. Doch nur etwa 20 Prozent der Jungvögel überleben.
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