Krakau ohne Krakauer

Polens fleischlose Küche entdecken

Bei Krakau denken viele an Wurst. Und bei polnischer Küche an Fleisch. Dabei hat gerade Krakau auch für Vegetarier und Veganer einiges zu bieten. Ein kulinarischer Streifzug.
13.08.2020, 04:51
Lesedauer: 2 Min
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Polens fleischlose Küche entdecken

Kazimierz ist Krakaus angesagtes Viertel - hier finden Besucher jede Menge Restaurants. Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt/dpa-tmn

Polnisches Fremdenverkehrsamt / dpa

Krakau (dpa/tmn) - „Sylwia, wo kann man hier eine Krakauer essen?“ Fast jede Gruppe, die Kunsthistorikerin Sylwia Jeruzal durch Krakau (Krakow) führt, stellt diese Frage. Und stets muss sie ihre Gäste enttäuschen. Nein, Krakauer gibt es in Krakau nicht.

Jedenfalls nicht in der Form, die der deutsche Wurstfreund kennt. In Krakau versteht man unter einer Krakauer eher einen Aufschnitt, überwiegend aus Schweinefleisch, erklärt Jeruzal.

Nun muss ein Gast deshalb nicht darben - und in Krakau schon gar nicht. Die Stadt hat gastronomisch mehr zu bieten als viele andere in Polen, auch ist die Restaurantdichte höher als andernorts. Krakau ist ein kulinarischer Schmelztiegel mit einem reichen gastronomischen Erbe. Und mit einem Umland, das frische Zutaten liefert.

Wer mit Sylwia Jeruzal durch Krakau streift, der registriert neben fast jeder touristischen Attraktion eine Einkehrmöglichkeit. Auch für all jene, die auf Fleisch gut verzichten können.

Wein oder Wodka

Das Pod Baranem ist eines der renommiertesten Lokale Krakaus und keine fünf Fußminuten von Königsschloss und Kathedrale auf dem Wawel entfernt. Auf der Karte finden sich neben Klassikern wie Krautwickel (Golabki) und Sauerteigsuppe (Zurek) fünf vegetarische Gerichte. Bei der Getränkewahl begegnen die Kellner jeder Entscheidungsschwäche souverän: „Weißwein? Rotwein? Oder gleich Wodka?“

Letzterer wird auch im Starka gern getrunken, zum Beispiel nach einer Gulaschsuppe im Brotlaib. Neben bewährter polnischer Küche bietet das beliebte Restaurant in Kazimierz, dem ehemaligen jüdischen Viertel, auch Alternativen - einen vegetarischen Krautwickel etwa oder einen mit Nüssen panierten Camembert.

Schlemmen in Kazimierz

Das Herz von Kazimierz schlägt am Nowy-Platz. Morgens wird hier mit Obst, Gemüse, Trödel und Tand gehandelt, tagsüber bekommt man seinen Brotkringel (Obwarzanek) oder geräucherten Hartkäse aus Schafsmilch (Oscypek). Abends steuern vor allem junge Leute die Rotunde in der Mitte des Platzes an. Der denkmalgeschützte Bau war früher eine koschere Schlachterei. Heute werden hier aus einem guten Dutzend Luken lange Weißbrotstangen gereicht. Die Zapiekanki werden mit einer Pilzpaste bestrichen, mit viel Käse bedeckt und im Ofen überbacken - eine Art polnisches Baguette und oft auch vegetarisch.

Dass eine neue Sensibilität in Sachen Ernährung eingekehrt ist, merkt man vor allem in der Altstadt und in Kazimierz. Ein Grund sind sicher die vielen Studenten in Krakau. Selbst in einem einfachen Lokal wie dem Madras Bistro am Platz der Ghettohelden, den man auf dem Weg zum Schindler-Museum passiert, wird man vom Koch gefragt, ob er denn beim Reisgericht wohl auch ein Ei in die Pfanne hauen darf. Die meisten der 14 Gerichte auf der Karte sind ohne Fleisch.

Veganer Szenetreff

Das wohl bekannteste Restaurant, an dem in Krakau kaum ein Vegetarier und erst recht kein Veganer vorbeikommt, ist das Veganic. Es liegt etwa zehn Fußminuten vom Hauptmarkt entfernt auf dem Gelände einer ehemaligen Zigarrenfabrik. Designer und Kulturschaffende sorgen hier für neues Leben in alten Werkshallen.

Immer noch in die Kategorie Geheimtipp fällt das Klimaty Poludnia. Hier dippt der Gast seine vegetarischen Pierogi in eine leckere Buttersoße. Das Haus liegt etwas versteckt in einem Hinterhof.

Über eine große Weinkarte verfügt das Szara Ges direkt am Hauptmarkt. Die „Graue Gans“ ist erste Adresse in Sachen moderne polnische Küche. Zwar haben es Vegetarier nicht leicht bei einer Karte, deren Schwerpunkt auf Geflügel liegt. Doch der Nachtisch ist ein Erlebnis: ein weißes Schokoladenei, gefüllt mit Mango-Mousse, auf einem Nest aus dunklen Schokoflocken und Zuckerwatte.

© dpa-infocom, dpa:200812-99-143655/2

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