Reise

Potsdam im Winter

Es gibt Städte, die kann man am besten im Frühling oder im Sommer bereisen. Ganz anders, Potsdam. Dort entdeckt man im Winter klare Linien und eine verwunschen-schöne Architektur.
08.01.2018, 14:18
Lesedauer: 4 Min
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Von Marie-Chantal Tajdel
Potsdam im Winter

Klare Architektur, knorriger Wein: Die Terrassen, die zum Schloss Sanssouci führen, strahlen auch im Winter eine besondere Schönheit aus.

Marie-Chantal Tajdel

Potsdam. „Um Himmels Willen“, lautet der Rat einer regionalen Tageszeitung im Internet. „Kommen Sie bloß nicht im Winter nach Potsdam.“ Was dann folgt, sind allerdings zauberhafte Fotos von teils verwunschen schönen Orten der ehemaligen Preußenstadt: von den Gärten rund um Schloss Sanssouci, von raureifglitzernden Bäumen längs der Havel oder dem Marmorpalais im Neuen Garten, das sich in dichten Nebel gehüllt in einem See spiegelt. Den Hinweis „17 Gründe, warum man Potsdam im Winter meiden sollte“, sollten Leser allerdings nicht so ernst nehmen, kommentiert der Autor. Der Beitrag könne durchaus Spuren von Ironie enthalten. Denn Potsdam ist natürlich auch im Winter schön und bietet sich etwa für ein verlängertes Wochenende an. Wer Glück hat, und es schneit und friert, sieht die wundervollen Winterlandschaften mit eigenen Augen. Wer nicht, kann die winterlich-karge Landschaft trotzdem genießen.

Am besten lässt sich der Tag mit einem morgendlichen Rundgang durch die Gärten von Schloss Sanssouci – der Name heißt übersetzt übrigens ohne Sorge – beginnen. Denn das Schöne am Winter ist: Es sind nicht ganz so viele Touristen in der Stadt, und in ruhigen Momenten atmet der Park Sanssouci eine ganz besondere Atmosphäre. Schloss und Gärten sind nur wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt. Lässt man das schwere Eisentor hinter sich und spaziert durch die Alleen, kann man vielleicht erahnen, wie der Alte Fritz mit seiner Entourage über die Wege und durch die gepflegten Parkanlagen flaniert ist, um sich von seinen meist siegreichen Schlachten zu erholen.

So wirken die berühmten Weinbergterrassen, die den Besucher auf den Hügel zum Schloss begleiten, in der kalten Jahreszeiten nicht weniger schön, als im Frühling, wenn üppiges Grün sie bedeckt. Im Winter locken die bepflanzten Terrassen vielmehr mit ihrem knorrigen Ambiente und ihrer klaren Architektur. Hinter den verglasten Nischen wachsen Wein und Feigen – wie zu Zeiten König Friedrichs des Großen (1712-1786). Zwischenzeitlich hatte Friedrich Wilhelm IV. die Terrassen verändert und Büsche anpflanzen lassen. Doch Ende der 70er Jahre ließ die Potsdamer Schlösserverwaltung den friderizianischen Zustand wiederherstellen – mit Wein und Feigen.

Friedrich und sein Jugendfreund

Überhaupt: Kein anderes Schloss ist so mit der Persönlichkeit Friedrichs des Großen verbunden wie Sanssouci. Um Friedrichs vielschichtige, ambivalente Persönlichkeit ranken sich bis heute zahlreiche Anekdoten und Legenden. So litt Friedrich in seiner Kindheit unter seinem dominanten Vater, König Friedrich Wilhelm I. Der hatte weder für den sensiblen Charakter seines Sohnes noch für dessen musische Interessen ein besonderes Verständnis. Als Friedrich 1730 mit seinem engen Jugendfreund Hans Hermann von Katte fliehen will, vereitelt der Vater den Versuch und lässt von Katte vor den Augen seines Sohnes hinrichten. Nach dieser dramatischen Episode näherten sich Vater und Sohn zumindest vermeintlich in Teilen wieder an.

Zeit seines Lebens behielt Friedrich trotz seiner militärischen Ambitionen und zahlreicher erfolgreicher Kriege seine musische Ader bei. In Sanssouci versammelte er oftmals eine illustre Runde von Geistesgrößen, darunter den Philosophen Voltaire oder den Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach. Der Name Sanssouci – ohne Sorge – ist dabei als Wunsch und Leitmotiv des Königs zu verstehen, denn hierher zog er sich mit seinen Hunden am liebsten zurück. Sein Sommersitz war ihm zuletzt Lieblingsort und wichtiges Refugium in schwierigen Zeiten. Die Räume des Schlosses sind elegant, stilvoll und prächtig eingerichtet.

Drehort für Serien und Filme

Der Alte Markt ist ein guter Ausgangspunkt, um in den zweiten Tag zu starten. Wer sich dort einmal um die eigene Achse dreht, wird beeindruckt von dem restaurierten, lebhaften Platz sein: Dort stehen die imposante Nikolaikirche, die nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel gebaut wurde, das Alte Rathaus, das nach Ideen und im Auftrag Friedrichs des Großen entstand, sowie der Landtag mit der Fassade des alten Stadtschlosses. Das Palais Barberini erstrahlt mit rekon­struierter Fassade und dem Kunstmuseum im Inneren. Dort kann man bei rauem Potsdamer Winterwetter erst einmal mit einem Ausstellungsbesuch des Museum Barberini beginnen, das die Alten Meister ebenso wie zeitgenössische Kunst zeigt. Nach dem Besuch des Museums ist es nur ein kurzer Weg bis in die Innenstadt zum Holländischen Viertel – ein historisches Bauensemble mit 134 dunkelroten Backsteinhäusern, in denen sich kleine Boutiquen, Cafés, Antiquitäten und stilvolle Restaurants befinden.

Dabei ist das Holländische Viertel nicht nur schön anzuschauen, sondern war schon Drehort für den Kinderfilm „Hexe Lili“ und für die US-Serie „Homeland“. Auch der Park Sanssouci oder der Alte Markt dienten schon als Filmkulisse. Wer aber einmal hinter die richtigen Filmkulissen schauen möchte, kommt an einem Besuch im Filmpark Babelsberg nicht vorbei. Dort können Gäste Requisiten, Kostüme und Technik erleben. Neben Filmgeschichte und aktuellem Filmgeschehen gibt es Attraktionen wie das 4D-Action-Kino oder Stuntshows, die Sandmann-Ausstellung und die Original-Außenkulissen des Kinofilms „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Zurück in Potsdam lohnt ein Besuch des Filmmuseum Potsdam im ehemaligen Marstall der Preußenkönige. Die Dauerausstellung „Traumfabrik – 100 Jahre Film in Babelsberg“ und zusätzlich wechselnde Ausstellungen zeigen Original-Kostüme und -Requisiten.

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