Lehrer aus Hamburg mit an Bord der fliegenden US-Sternwarte

Reise in die Milchstraße

Hamburg. Die fliegende Sternwarte der US-Weltraumbehörde NASA will die Entstehung neuer Sterne in der Milchstraße beobachten. Mit an Bord der Boeing 747 „Sofia“ ist Matthias Hünsch (53), Mathe- und Physiklehrer der Evangelischen Wichernschule in Hamburg.
17.05.2016, 00:00
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Reise in die Milchstraße

M. Hünsch

Stephan Wallocha, epd

Hamburg. Die fliegende Sternwarte der US-Weltraumbehörde NASA will die Entstehung neuer Sterne in der Milchstraße beobachten. Mit an Bord der Boeing 747 „Sofia“ ist Matthias Hünsch (53), Mathe- und Physiklehrer der Evangelischen Wichernschule in Hamburg. Er ist diesen Dienstag und am Mittwoch einer von vier Lehrern aus Deutschland, die an dem Sternenflug teilnehmen.

„Mir geht ein Lebenstraum in Erfüllung“, sagt Hünsch. Der Astrophysiker ist seit 2008 Lehrer an der Wichern-Schule. Zuvor widmete er sich knapp zehn Jahre lang als Wissenschaftler in Garching bei München und an der Uni Kiel dem Kosmos und den Sternen. Freiberuflich ist Hünsch auch an der Hamburger Sternwarte in Bergedorf engagiert, wo er regelmäßig seinen Schülern in Astro-Kursen den abendlichen Sternenhimmel erklärt.

Der Sternen-Flieger startet in Palmdale bei Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien. Doch wohin genau die Reise gehen wird, weiß Hünsch nicht: „Das hängt auch von Wetter und Wind ab.“ Weil der „Jumbo“ bis in die Stratosphäre steigen kann, lässt sich Infrarot-Strahlung aus den Weiten des Kosmos nahezu verlustfrei beobachten. Bodengebundene Teleskope sind dazu nicht in der Lage, weil der Wasserdampf in der Atmosphäre die Infrarot-Strahlung weitgehend abblockt.

Im Rumpf des weltweit einzigartigen Flugzeuges befindet sich ein 17 Tonnen schweres, in Deutschland entwickeltes Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 2,70 Metern. In die Bordwand des Fliegers ist ein etwa vier Mal sechs Meter großes Rolltor eingebaut. Bei der entsprechenden Flughöhe öffnet sich die Luke und gibt den Blick für das Teleskop frei.

„Die Beobachtungen erfolgen rein computergesteuert“, sagt Hünsch – in der offenen Klappe könne sich schließlich niemand aufhalten. Aber die aufgenommenen Daten werden 1:1 auf eine ganze Batterie von Bildschirmen und Rechnern in das Technikzentrum von „Sofia“ überspielt. „Es wird grandios sein, das in Echtzeit live verfolgen zu können.“

Die Wichern-Schule ist die einzige Partnerschule von „Sofia“ in Hamburg, neben Hünsch sind nur noch zwei Lehrer aus Baden-Württemberg und einer aus Bayern an Bord. Zur weiteren Crew gehören rund zwei Dutzend Besatzungsmitglieder, davon drei im Cockpit, sowie zehn Techniker.

Hintergrund für die Lehrer-Mitflüge bei dem Unternehmen ist die Förderung der Naturwissenschaften in den Schulen, den sogenannten „MINT“-Fächern, die vom DLR offensiv unterstützt wird. Hünsch hatte sich um die Beteiligung an dem Programm beworben – und wurde prompt eingeladen.

„Sofia“ wurde erst im Juni/Juli 2014 bei der Lufthansa Technik in Hamburg generalüberholt. Der Check galt im wesentlichen der Bordelektronik und den Flugeigenschaften der Boeing 747 – das Teleskop des „Jumbo“ erwies sich als okay. Einzelne Verschleißteile wurden ausgetauscht und Instrumente neu justiert.

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