Bremen Auf in die weite Welt: nach Katzenelnbogen

Reisen bildet. Und da unser Sohn in der Schule offenbar gedanklich nicht oft genug in unbekannte Welten reist, fängt er jetzt das Fernreisen an.
09.10.2016, 00:00
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Auf in die weite Welt: nach Katzenelnbogen
Von Antje Stürmann

Reisen bildet. Und da unser Sohn in der Schule offenbar gedanklich nicht oft genug in unbekannte Welten reist, fängt er jetzt das Fernreisen an. Der Achtjährige möchte zu seinem Cousin nach Rheinland-Pfalz. Leider liegen zwischen Start und Ziel gut 400 Kilometer, zahllose Nester und es fehlen Verkehrsverbindungen. Weniger hier im Norden, als vielmehr in Rheinland-Pfalz auf dem Land. Die nächst-größere Stadt heißt Katzenelnbogen. Nomen et omen. Dort sagen sich nicht nur Hase und Fuchs „Gute Nacht“.

Jedenfalls hat die Tante unserem Sohn schon einen gehörigen Floh ins Ohr gesetzt. Sie fragte zuerst die Jungs, ob sie eine Ferienwoche zusammen verbringen möchten. Für uns als unbeteiligte Eltern eine Situation aus der Kategorie „Scheißenkleister“. Die beiden Jungs sind schier aus dem Häuschen und zählen seitdem die Tage. Problematisch nur: Das anvisierte Bring-Wochenende ist verplant, am angepeilten Hol-Wochenende ruft der Arbeitgeber.

Nun hält die Dienstleistungsgesellschaft für Eltern einige Möglichkeiten parat: den Flug in Begleitung (bei der Lufthansa 60 Euro extra), Bahnreise in Begleitung (35 Euro extra), Langstrecken erprobte Papas und aufopferungsvolle Mütter, die ihre nächtlichen Zeitreserven für diesen Notfall hergeben würden. Aber schickt man einen Achtjährigen quer durch Deutschland? Ich erinnere mich an meine eigene Kindheit. Die weiteste Fahrt, die ich im Alter von sieben Jahren allein unternahm, endete in der 14 Kilometer entfernten Kreisstadt. Schon im Heimatort verwechselte ich vor Aufregung den Bahnsteig und stieg in den falschen Zug. Mir gegenüber saß ein Nachbar. Er fragte mich, wo ich hinwolle und stellte fest, dass ich in die entgegengesetzte Richtung fuhr. Beruhigend war diese Erkenntnis nicht. Aus mir wurde trotzdem eine Gern- und Fernreisende.

Mit dem Zug quer durch Deutschland, nachts mit dem Auto in die Mecklenburgische Schweiz, in Russland mit einem klapprigen Bus über Land, mit der Bahn unter London, im Taxi durch New York. Was soll‘s. Wir springen über unsere Schatten: Der Achtjährige soll die Welt entdecken, aber jeder leistet einen Beitrag. Die Tante fährt dem Jungen entgegen, wir schauen nach einem günstigen Bahntarif und unser Sohn muss sein Sparschwein knacken – für die erste große Reise nach Katzenelnbogen.


Tipp:
Lieblingsziel suchen und Bahn fahren, bevor am 11. Dezember die Preise um 1,9 Prozent steigen.

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