Im Berufsverkehr geht ein Sattelzug in der Oströhre in Flammen auf / Verkehrschaos für Stunden

Ausgebrannt im Elbtunnel

Hamburg. Manches Schlechte hat sein Gutes. Nach dem Lkw-Brand am Mittwochmorgen im Elbtunnel und einem stundenlangen Stauchaos in der Stadt zogen zumindest die Retter eine durchweg positive Bilanz: „Das Rettungskonzept hat sehr gut funktioniert“, berichtete Feuerwehrsprecher Werner Nölken.
03.12.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Ausgebrannt im Elbtunnel
Von Markus Lorenz

Manches Schlechte hat sein Gutes. Nach dem Lkw-Brand am Mittwochmorgen im Elbtunnel und einem stundenlangen Stauchaos in der Stadt zogen zumindest die Retter eine durchweg positive Bilanz: „Das Rettungskonzept hat sehr gut funktioniert“, berichtete Feuerwehrsprecher Werner Nölken. Sowohl die neue Brandschutztechnik im Tunnel als auch die neuen Sonderlöschfahrzeuge hätten ihre Feuertaufe bestanden.

Gegen 5.30 Uhr hatte das Führerhaus eines Sattelschleppers plötzlich in Flammen gestanden. Der mit Sojaschrot beladene Laster war in der Oströhre in Richtung Norden unterwegs, als etwa 200 Meter vor der nördlichen Ausfahrt ein Reifen platzte und das Rad heiß lief.

An den Monitoren in der Tunnelbetriebszentrale beobachteten Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei, wie Stichflammen aus der Zugmaschine schlugen und lösten Alarm aus – noch bevor der erste Notruf einging. „Das hat wertvolle Minuten eingespart“, sagte der Feuerwehrsprecher. Die an den Tunnelportalen stationierten Löschzüge seien binnen drei Minuten am Brandort, das Feuer schon zwei Minuten später erstickt gewesen. Die Zugmaschine brannte vollständig aus, ein Übergreifen auf die Ladung und auf andere Fahrzeuge konnte verhindert werden.

Zum Einsatz kamen drei besonders schmale Sonderlöschfahrzeuge, die ihr Wasser-Schaum-Gemisch über so genannte Frontwerfer bereits bei der Anfahrt versprühen können. Auch die Rauchabsaugung in der Röhre habe sehr effizient gearbeitet, sodass die Retter beim Eintreffen fast freie Sicht gehabt hätten. Die gesamte Sicherheitstechnik war 2013 aufwendig modernisiert worden. Das neue Lüftersystem kann mehr als 300 Kubikmeter Rauch pro Sekunde ansaugen und ableiten.

So gab es trotz der Dramatik des Vorfalls keine Verletzten. Der 56-jährige Brummi-Fahrer konnte sein brennendes Fahrzeug stoppen und über einen der Notwege flüchten. Die meisten Autos konnten einfach an dem brennenden Lastzug vorbei ins Freie fahren. Einige hätten gewendet oder seien rückwärts aus der Röhre in Richtung Süden rausgekommen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Mehrere Lastwagenfahrer flüchteten zu Fuß zum nahen Tunnelausgang. Sprecher Nölken: „Wir mussten lediglich 15 Personen über die Fluchttunnel in Sicherheit bringen.“

Nach Alarmauslösung waren sofort alle vier Röhren der Hauptverkehrsader gesperrt worden, auch das ein Bestandteil des Rettungskonzepts.

Daraufhin kam der Verkehr auf der Autobahn 7 und in anderen Teilen des Ballungsraums Hamburg über Stunden zum Erliegen. Insgesamt, so das Fazit der Polizei, stauten sich die Fahrzeuge vor dem Nadelöhr im morgendlichen Berufsverkehr zeitweise auf einer Länge von 50 Kilometern. Richtung Süden reichten die Schlangen bis Quickborn sowie auf der A23 bis Pinneberg-Nord. In Richtung Norden herrschte Stillstand bis Fleestedt. Gegen 6.50 Uhr waren beide Röhren in Südrichtung wieder frei, ab 7.20 Uhr auch eine Durchfahrt nach Norden.

Die betroffene Röhre 1 soll erst im Laufe des Donnerstags wieder passierbar sein. Dort müssen laut Verkehrsbehörde zunächst die Schäden an Brandschutzplatten, Tunneldecke, Brandschutzklappen und anderen technischen Anlagen begutachtet und später behoben werden. Für diese Reparatur soll die Durchfahrt in den kommenden Nächten nochmals voll gesperrt werden. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf 100 000 Euro.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+