Die Maibaumsetzer Lemwerder sorgen auch für Weihnachtsstimmung Der größte Adventskranz der Wesermarsch

Die Interessengemeinschaft der Maibaumsetzer sorgt dafür, dass der größte Adventskranz der Wesermarsch auf dem Rathausplatz Lemwerder zu bewundern ist.
18.12.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Hannelore Johannesdotter

Lemwerder. Die Interessengemeinschaft der Maibaumsetzer Lemwerder ist kein eingetragener Verein. Dennoch besteht sie schon seit 58 Jahren. Die Mitglieder halten an einem alten Brauch fest – dem Errichten eines Maibaums.

Alljährlich errichten die Männer und Frauen am 30. April einen prächtig geschmückten Maibaum vor dem Rathaus in Lemwerder. Seit 20 Jahren stellen sie dort außerdem am ersten Advent einen der größten Adventskränze in der Wesermarsch auf.

„Wir sind ein zusammengewürfelter Haufen“, bezeichnet Dieter Preuß die Frauen und Männer zwischen 35 und 80, die die Tradition pflegen. Er schmunzelt dabei. Preuß ist Vorsitzender der Maibaumsetzer. Er rechnet nach. In der Interessengemeinschaft kommt er auf derzeit „22 Mitglieder auf dem Papier, aber nur die Hälfte aktiv“. Im Einsatz waren sie dieser Tage wieder in der beheizten Werkhalle der Tischlerei Rodiek.

Dort dürfen die Maibaumsetzer im Winter den mittleren Ring vom Maibaum – 4,20 Meter im Durchmesser – für den großen Adventskranz binden. Das dafür benötige Tannengrün erhalten sie in der Regel aus Privatgärten. „Wir haben einen Baum, der zu groß geworden ist und weg muss. Ihr könnt euch das Grün holen“, heißt es oft. „Wir fällen die Bäume auch selbst“, erzählt Dieter Preuß. Er hat einen Motorsägenschein. „Die Sicherheitsregeln werden also eingehalten“, versichert er.

Der Adventskranz geht auf einen Wunsch der Werbegemeinschaft in Lemwerder zurück. Sie wollte das als Werbeaktion. Seit zwei Jahrzehnten nun kümmern sich die Maibaumsetzer darum. Einige Mitglieder der Werbegemeinschaft, wie beispielsweise Klaus Rodiek, der selbst einmal Maibaumsetzer war, unterstützen die Interessengemeinschaft. Die Firma Ohlenbusch stellt einen Firmenwagen plus Anhänger zum Transport des Tannengrüns zur Verfügung. Die mitwirkenden Frauen und Männer möchten ganz einfach die Tradition des Maibaumsetzens bewahren. Das ist der Hintergrund, weshalb sie sich in der Gemeinschaft zusammenschlossen. Wann der erste Maibaum in Lemwerder aufgestellt wurde, weiß inzwischen aber niemand mehr.

Maibaumsetzer Harald Schöne hat aber dennoch Wissenswertes in den Annalen gefunden. Danach wurde der Brauch mindestens seit 1939 in Lemwerder gepflegt. Der 30. April jenes Jahres ist ein wichtiges Datum.

Damals klauten 16 Maibaumsetzer die Maibäume vom Pferdemarkt und dem Dobben in der Stadt Oldenburg. Sie nahmen die Bäume zwar nicht mit, aber pfändeten sie und ließen sich das Auslösen mit einer zünftigen Feier „bezahlen“.

In den Kriegsjahren unterblieb der fröhliche, oft mit einem Maiball verbundene Brauch. Erst 1958 ließen die Maibaumräuber und einige junge Männer die Tradition wieder aufleben. Am 30. April wurde der erste Nachkriegs-Maibaum wieder aufgestellt – zunächst nur mit einem geschmückten Kranz.

Er hatte seinen Standort auf dem Dreieck vor den Geschäften in der Straße Am Schaart. Erst ab 1961 mit einem größeren Baumstamm trug der Maibaum drei Kränze mit Bändern in den Farben Rot und Blau des Oldenburger Landes.

Später kamen das grüne Gemeindewappen und Zunftschilder dazu. Der Baum wurde bis 1962 mit vereinten Kräften aufgerichtet. Danach half ein Kran der Vereinigten Flugtechnischen Werke bei dem Kraftakt. Der Platz Am Schaart erwies sich auf Dauer aber nicht als ideal. Der Maibaum wurde deshalb ab 1968 auf dem Parkplatz des Hotels „Zur Fähre“ errichtet.

Noch zwei Mal klauten die Lemwerder Maibaumsetzer unbewachte Maibäume in Neuendeel und Warfleth. Dann ließ dieser Schabernack nach, weil die meisten Bäume heute nicht mehr bewacht werden. Das Hinweisschild „Dieser Baum wird nicht bewacht!“ erlaubt den Maibaumklau nicht.

Auch in Lemwerder wurde der Maibaum früher bewacht. „Dazu wurden bis morgens pro Stunde drei Mann benötigt“, kann sich der Vorsitzende noch gut erinnern. „Da benötigten wir 35 verschiedene Männer für den Wachplan.“ Das sei heute, auch angesichts des Alters der meisten Maibaumsetzer nicht mehr leistbar. Die nächtliche Bewachung endet spätestens um Mitternacht.

Im Jahr 1999 erhielt der Maibaum seinen neuen Standort auf dem Platz vor dem Lemwerder Rathaus. Hier hat der 18 Meter hohe Mast, dessen Spitze eine junge Birke krönt, ein würdevolles Ambiente. Die 25 Meter lange Girlande, die um den Mast gewunden wird, besteht, wie beim Adventskranz, aus Tannengrün. Sie wird auf dem Hof von Hans-Dieter Seemann in Edenbüttel gebunden, in dessen Scheune auch die Ringe – der größte mit 5,60 Meter Durchmesser – aufbewahrt werden.

Nach dem Binden geht es traditionell mit dem Handwagen zum Holzlager von Tischlerei Rodiek, wo der Mast lagert. Die Kränze werden auf einen Treckeranhänger verladen. Mit musikalischer Begleitung durch den Spielmannszug Lilienthal-Falkenburg und gesichert durch die Freiwillige Feuerwehr führt eine kleine Abordnung der Maibaumsetzer den Zug an.

Pünktlich um 18 Uhr beginnt die Zeremonie auf dem Rathausplatz mit Ansprachen des Bürgermeisters und des Vorsitzenden der Maibaumsetzer. Der trägt zu diesem Anlass einen schwarzen Zylinder. Das ist in jedem Jahr so. Tradition eben.

Das Spektakel wird alljährlich von der Bevölkerung gut angenommen, freut sich Dieter Preuß. Während es beim Aufstellen des Adventskranzes nichts zu essen gibt, können die Zuschauer beim Maibaumsetzen sich an einer Wurstbude und dem Bierwagen stärken. Beide Betreiber zahlen eine Standmiete an die Maibaumsetzer, die für Reparaturen oder Ersatzbeschaffungen verwendet wird. „Spenden sind immer willkommen“, sagt Dieter Preuß.

Auch wenn die Maibaumsetzer kein ins Vereinsregister eingetragener Verein sind, so legen sie doch Wert darauf, ihre Zusammengehörigkeit nach außen zu dokumentieren: Die schmucke Kluft besteht aus weißem Hemd und rotem Halstuch, schwarzer Samtweste, schwarzen Hosen oder Jeans, Baseballcap mit Emblem. Sie halten zusammen, und ein Sommerfest mit den allen Familien trägt auch zum Zusammenhalt bei.

Die Maibaumsetzer haben aber Sorgen. Sie wissen nicht, ob sich auf Dauer genügend Nachwuchs findet, um das Brauchtum auch in Zukunft zu erhalten. Sie selber werden ja nicht jünger. Die meisten Kinder der Aktiven wohnen auch nicht mehr am Ort. Sie können also nicht in die Fußstapfen der Väter treten. Dieter Preuß blickt hier ein wenig neidisch nach Altenesch. Dort ist es dem Heimatverein kürzlich gelungen, eine Jugendgruppe ins Leben zu rufen. „Altenesch ist noch mehr Dorf geblieben, Lemwerder durch viele Zugezogene eher bremisch orientiert“, meint Preuß.

Wer beim Maibaumsetzen und Aufstellen des Adventskranzes nicht nur zuschauen möchte, sondern Lust hat, aktiv mitzuwirken und ein Brauchtum am Leben zu halten, ist bei den Maibaumsetzern willkommen. Interessierte können sich wenden an: Dieter Preuß, Telefon 04 21 / 67 18 13, Bastian Auffarth, 04 21 / 67 98 65, oder Heino Krapp, 04 21 / 67 06 91.

„Wir sind ein zusammengewürfelter Haufen.“ Dieter Preuß, Maibaumsetzer
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