Papenburg Die Vertiefungen der Ems und ihre Folgen

Papenburg. Die Ems leidet seit Jahrzehnten unter einem schweren Konflikt: Arbeitsplätze halten oder die Umwelt schützen? Weil die von der Meyer-Werft in Papenburg gebauten Kreuzfahrtschiffe immer größer wurden, reichte der Fluss irgendwann nicht mehr. Stets von großem Protest von Umweltverbänden, Anwohnern, Fischern und Bürgerinitiativen wie „Rettet die Ems“ begleitet, vertiefte man ihn, um den Riesen den 40 Kilometer langen Weg in die Nordsee zu ebnen.
02.07.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Die Ems leidet seit Jahrzehnten unter einem schweren Konflikt: Arbeitsplätze halten oder die Umwelt schützen? Weil die von der Meyer-Werft in Papenburg gebauten Kreuzfahrtschiffe immer größer wurden, reichte der Fluss irgendwann nicht mehr. Stets von großem Protest von Umweltverbänden, Anwohnern, Fischern und Bürgerinitiativen wie „Rettet die Ems“ begleitet, vertiefte man ihn, um den Riesen den 40 Kilometer langen Weg in die Nordsee zu ebnen.

1983 passierte das zum ersten Mal. Schiffe mit bis zu 5,70 Meter Tiefgang konnten die Ems danach passieren. 1991 und 1993 wurde wieder gebaggert, für einen Tiefgang von bis zu 6,80 Meter. Gerhard Schröder, damals Ministerpräsident Niedersachsens, sprach von einer „letztmaligen“ Emsvertiefung auf 7,30 Meter – bei Bedarf. Die Meyer-Werft meldete diesen an. Doch WWF, Nabu und BUND klagten gegen die vierte Vertiefung. 1994 schlossen sie dann mit dem Land eine Vereinbarung ab: Die Klage fällt, wenn 7,5 Millionen Mark in ökologische Ausgleichsmaßnahmen fließen und weitere zehn Millionen Mark in einen Fond mit dem selben Zweck. Ab dem Zeitpunkt wurde die Ems jährlich auf 7,30 Meter ausgebaggert.

1995 kündigte die Meyer-Werft jedoch an, dass der Auftrag für ein Schiff mit 8,30 Meter vorlege. Im März 1997 begann dann eine Projektgruppe des Niedersächsischen Amts für Wasser und Küstenschutz, das Emssperrwerk zu planen. Es sollte einerseits Ostfriesland und das Emsland vor Sturmfluten schützen, andererseits die Ems so stauen können, dass Schiffe mit einem Tiefgang von 8,50 Meter den Fluss befahren können. Am 14. August 1998 genehmigte die Bezirksregierung Weser-Ems das Sperrwerk in Gandersum. Umweltverbände, Anlieger und Unternehmen klagten – am 17. September 1998 aber begann der Bau mit dem ersten Rammschlag durch Ministerpräsident Schröder. Durch Eilanträge an das Verwaltungsgericht Oldenburg konnten die Kläger den Bau zwar zeitweise stoppen, aber nicht aufhalten: Im Jahr 2002 ging das Sperrwerk in Betrieb.

Umweltschützer kritisieren, was die Eingriffe am Fluss bewirkt haben. „Die Ems hat ihren natürlichen Zustand nahezu komplett verloren“, sagt Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler, Geschäftsführer des BUND-Landesverbandes in Niedersachsen. Weil die Flut flussaufwärts „galoppiere“, das Wasser dagegen nur langsam ins Meer zurückfließe, sei die Ems verschlickt. Ein bisschen wie eine Mondlandschaft sehe das Flussbett heute aus. Bodenstein-Dresler erinnert sich: Der Gutachter des BUND habe damals schon gesagt: „Ihr werdet im Schlick ersticken“. Außerdem gelange durch die höhere Geschwindigkeit Salz weiter den Fluss hinauf. „Das vertragen viele Pflanzen nicht.“ Auch fänden Fische kaum mehr Laichplätze. Bodenstein-Dresler nennt die Ems einen „zeitweise toten Fluss“. Im Sommer, wenn wie jetzt gerade hohe Temperaturen herrschten, sei sie für Fische und Kleinstlebewesen wie Schnecken nämlich kein Lebensraum mehr. Der Sauerstoffgehalt sinke dann dramatisch.

Hoffnung setzt der Umweltschützer in den Masterplan Ems. Der soll das ökologische Gleichgewicht zwischen Ebbe und Flut sowie die auentypische Landschaft wiederherstellen. Die gebe es an der Ems kaum noch. Dazu sollen Ausgleichsflächen entstehen, die derzeit noch landwirtschaftlich genutzt werden. Im März dieses Jahres stimmten alle beteiligten Parteien dem Plan, der auch die Arbeitsplätze der Werft halten soll, nach langen Diskussionen zu. Niedersachsen war gezwungen, ein Sanierungsprogramm zu starten, es drohten Millionen-Strafen der EU-Kommission. Der Plan könnte also eine Lösung des langen Konflikts um die Ems sein. Doch schon fürchten die Landwirte um ihre Flächen.

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