Routenvorschlag (4): Der „Weyerbarger Sliekpadd“ ist ein geruhsamer Spaziergang für die Sinne

Entschleunigung am Weyerberg

Worpswede (tm). Der heutige Routenvorschlag ist als geruhsamer Spaziergang über den Weyerberg gedacht.
12.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Tim Mahnken

Worpswede (tm). Der heutige Routenvorschlag ist als geruhsamer Spaziergang über den Weyerberg gedacht. Der Weg hat den plattdeutschen Namen„ Weyerbarger Sliekpadd“ bekommen. Er soll dazu anregen, langsam zu gehen, Neues zu entdecken, die Natur wahrzunehmen, die Sinne anzuregen sowie die Möglichkeit zur Entschleunigung bieten.

Auf der Webseite www.teufelsmoor.de wird der Weg detailliert beschrieben. Dort ist auch ein Audio-Podcast zum Sliekpadd abrufbar. Der Hörer begleitet dabei ein Mitglied der Initiative „Entschleunigung in Worpswede“, Herbord Schröder, mit Thorsten Milenz von der Touristikagentur auf ihrem Weg über den Pfad.

Der „Schleichweg“ beginnt an der Touristikinformation in der Bergstraße. Er führt zunächst die Lindenallee hinauf. Die Baumkronen dieser beeindruckenden Allee summen zur Blütezeit von den vielen Bienen und verströmen einen wunderbaren Duft.

Rechts ab geht es auf den Overbeck Weg. Dort befindet sich ein Blühstreifen, der den ganzen Sommer über die Sinne erfreut. Vor dem Friedhof ist ein ehemaliger Acker, der jetzt mit Buchweizen, Saatwucherblumen und Kornblumen bestellt wird. Die Kirchengemeinde unterhält einen Streifen mit Sonnenblumen und Dahlien, die gegen eine Spende geschnitten werden dürfen.

Dann führt der Weg vor dem Fußballplatz nach links zum Manfred-Hausmann-Weg. Das Gehölz verbirgt einige alte Apfelbäume und Buscheichen. Neben dem Wasserhochbehälter am Manfred-Hausmann-Weg plant die Gruppe um Herbord Schröder einen Aussichtsturm. Im weiteren Verlauf des Weges befindet sich ein weiterer Blühstreifen, der als Bienen- und Insektenweide dient; die Pflanzen bleiben im Herbst stehen, sodass sie im Winter den Vögeln und dem Wild noch Nahrung bieten.

Am Ende des Weges, vor dem Niedersachsenstein, ist links ein weiteres Blühfeld. Im Sommer geht dort gegen Sonnenuntergang oft eine Ricke hinein, die aus dem Getreidefeld kommt. Das Reh findet im Blühfeld zusätzliche Nahrung in Form von Kräutern. Als Selektivfresser suchen Rehe stets nach abwechslungsreicher Kost.

Rechts ab geht es den Lisel-Oppel-Weg weiter. Auf der kleinen Wiese links sollen „Ruheliegen für Himmelsseher“ gebaut werden; daneben könnten Schröder zufolge zwei Himmelsgucker entstehen: Röhren, durch die man den Himmel ausschnitthaft betrachten kann. Am Ende des Wäldchens ist in Zusammenarbeit mit der Worpsweder Schule ein Insektenhotel geplant.

Am Waldrand soll für die kleinen Helfer des Ökosystems Totholz abgelagert werden: Wenn Bäume oder Äste absterben beginnt ein Verrottungsprozess, von dem viele andere Lebewesen profitieren oder sogar leben. Pilze siedeln sich an und Insekten legen ihre Eier in das morsch werdende Holz. Die Insekten wiederum ziehen Vögel an, die das Totholz untersuchen.

Spechte nutzen das weichere Holz zum Bau von Höhlen. In verwaisten Spechthöhlen finden auch Fledermäuse Unterschlupf.

Der Westhang mit seinem weiten Ausblick in die Landschaft ist schon vor den Zeiten der ersten Künstler und Künstlerinnen Ziel so mancher Spaziergänge gewesen. Er lädt einfach zum Verweilen ein. Der Acker rechts oberhalb des Weges bis zum Susenbarg ist ein Buchweizenfeld. Buchweizen blüht den ganzen Sommer über in weißen bis zart rosa Tönen; er bildet die Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Im Herbst verfärben sich die Stängel in ein kräftiges Dunkelrot. Über die Samen freuen sich die Vögel und Tiere im Winter.

Parallel zum weiter unten verlaufenden Fritz-Mackensen-Weg befindet sich ein weiterer einjähriger Blühstreifen, der von den Landwirten angelegt wird. Der Weg führt in den Wald zur Lichtung mit dem Findorff-Denkmal – dem Platz, an dem einst der Landgraf Friedrich von Hessen-Eschwege sein Lustschloss plante und auch zu bauen begann.

Die jetzige Nutzung als gelegentlicher Versammlungsplatz zeigt die bis heute spürbare, besondere Ausstrahlung dieses Ortes. Sie könnte durch eine sensible Möblierung mit Sitzgelegenheiten zu einer Oase der Ruhe für die Spaziergänger werden.

Im Frühjahr und Sommer ergibt das nahezu geschlossene Blätterdach der Buchen den Charakter eines großen Raumes beziehungsweise einer hohen Kathedrale. Es gibt außerdem die Idee, an diesem Platz nach den Grundmauern jenes Schlosses aus dem 17. Jahrhundert zu suchen. Durch eine künstlerische Installation, die flach im Boden eingelassen wird, könnte der Schlossplatz wieder in Erinnerung gerufen werden.

Der Weyerbarger Sliekpadd folgt dann dem Weg hinter der Mackensen-Villa in den Ort hinunter. Die Findorffstraße wird in Richtung Straßentor überquert. Der Weg führt nun in das historische Zentrum Worpswedes. Dort kann man die Entwicklung des Bauerndorfes zum Künstlerort nachvollziehen. Aus der ehemaligen Bötjerschen Hofstelle ist inzwischen das Rathaus geworden. Davor steht die rekonstruierte alte Feuerglocke des Dorfes, die bei Gefahr geläutet wurde. Heute ruft sie nur noch zum Erntedank.

In der Scheune der ehemaligen Hofstelle Tietjen arbeiten Bildhauer, sodass dort ein Skulpturengarten mit aktueller Kunst besichtigt werden kann. Dort endet der Worpsweder Pfad auf dem Rastplatz.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+