Radfahrer erobern die Städte – Kommunen prüfen neue Verkehrskonzepte

Fest im Sattel

Hannover. Die Wetterunempfindlichen treten das ganze Jahr in die Pedale, für die übrigen Radfahrer ist nun mit Beginn des Frühlings wieder Saisonstart. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einen Ausflug ins Grüne: In vielen Städten hat die Bedeutung des Fahrrads als Verkehrsmittel für die alltäglichen Wege in den letzten Jahren enorm zugenommen.
21.03.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Michael Evers

Die Wetterunempfindlichen treten das ganze Jahr in die Pedale, für die übrigen Radfahrer ist nun mit Beginn des Frühlings wieder Saisonstart. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einen Ausflug ins Grüne: In vielen Städten hat die Bedeutung des Fahrrads als Verkehrsmittel für die alltäglichen Wege in den letzten Jahren enorm zugenommen. In Kiel und Hannover etwa haben Radler inzwischen einen Anteil von rund 20 Prozent am Verkehr, in Bremen sogar von 25 Prozent. Die Innenstädte für die steigende Zahl von Radfahrern zu rüsten, stellt manche Kommune vor eine Herausforderung. Neben sicheren Radwegen geht es auch um ausreichend Stellplätze.

„Immer mehr Menschen entdecken, dass man mit dem Rad in der Stadt bequem und sogar schneller unterwegs ist, als beispielsweise mit dem Auto“, sagt Sabine Stanelle. Sie ist beim Verkehrsclub Deutschland (VCD) Projektleiterin der Aktion „Mehr Platz fürs Rad!“. „Fahrstrecken in den Städten sind meist nur bis zu fünf Kilometer lang und von der Entfernung ideal fürs Radfahren.“ Einen hohen Radleranteil gebe es oft in mittelgroßen Städten, auch aber in Universitätsstädten.

Radfahren liege im Trend und habe ein positives Image: Es sei umweltverträglich, flexibel und zugleich noch gut für die Gesundheit, so Stanelle. Außerdem bieten die Hersteller inzwischen eine enorme Modellvielfalt für verschiedene Zwecke und Lifestyles - bis hin zu Lastenrädern und Erwachsenen-Dreirädern. Um zwölf Prozent auf 2,42 Milliarden Euro stieg alleine im vergangenen Jahr der Umsatz der deutschen Fahrradhersteller. Die Branche verkaufte 4,35 Millionen Fahrräder, 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Als Testfahrer unterwegs

Um die lange Zeit aus Autofahrersicht gestalteten Verkehrswege nach den Bedürfnissen der Radfahrer zu gestalten, haben viele Städte inzwischen eigene Radverkehrsbeauftragte. In Hannover etwa kümmert sich Heiko Efkes um ein 957 Kilometer langes Netz. Dabei prüft er nicht nur am Planungstisch, ob Straßenumbauten radfahrfreundlich ausfallen, sondern ist – wenn immer möglich – selber auf dem Zweirad in der Stadt unterwegs. „Wichtig ist die Fahrradperspektive, man muss das erfahren“, sagt er. „Die Bordsteinabsenkung ist unpraktisch, da gibt es einen Schlag ins Fahrrad“, notiert er etwa nach einer Tour.

Hannover hat sich vorgenommen, den Radverkehrsanteil auf 25 Prozent zu steigern, dafür soll das Radstreifennetz verbessert werden, 500 kleinere Baumaßnahmen sind dafür in den nächsten fünf Jahren geplant. Damit Lastenräder und Radler mit Kinderanhängern überholt werden können, sollen manche Pisten breiter werden, außerdem wird an einem „City Radring“ gearbeitet und werden „Radschnellwege“ geprüft.

Noch ehrgeizigere Ziele hat sich Osnabrück gesteckt, wo der Anteil des Radverkehrs von 20 auf 30 Prozent steigen soll, wie die städtische Verkehrsplanerin Ulla Bauer erklärt. Nachhilfe genommen hat die Stadt bei Experten aus Kopenhagen, aus Sicht vieler Kommunen das Radfahrer-Paradies in Europa. Dort gibt es neben dem Netz der Autostraßen ein separates Radfahrnetz – etwas, was sich in Osnabrück aus Platzgründen nicht verwirklichen lässt. Parallel zu den Hauptverkehrsstraßen aber will die Stadt prüfen, ob sich auf Seitenstraßen ein effizientes Radnetz etablieren lässt. „Die Parallelrouten aber müssen mindestens so kurz und schnell sein wie die Wege entlang der Hauptstraßen“, sagt Bauer.

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