Bahn entgleist, Menschen in Garage eingeschlossen Gewitter sorgen für Chaos

Frankfurt. Schwere Gewitter mit Hagel, Sturm und sintflutartigen Regenfällen haben in Deutschland erneut erhebliche Schäden angerichtet. Mehr als 90 Menschen wurden verletzt, als Blitz und Donner vorerst die Tropenhitze aus Deutschland vertrieben.
26.06.2016, 00:00
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Von Marion Thunemann und Maren Hennemuth

Frankfurt. Schwere Gewitter mit Hagel, Sturm und sintflutartigen Regenfällen haben in Deutschland erneut erhebliche Schäden angerichtet. Mehr als 90 Menschen wurden verletzt, als Blitz und Donner vorerst die Tropenhitze aus Deutschland vertrieben. Besonders betroffen waren der Südwesten sowie Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Der abrupte Wetterwechsel mit schweren Gewittern und heftigen Regenfällen richtete dabei in der Nacht auf Sonnabend erhebliche Schäden an. Noch am Freitag hatten beispielsweise die Berliner bei 36,4 Grad geschwitzt. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete, war der Freitag der bislang heißeste Tag des Jahres in Deutschland.

In Rheinland-Pfalz rutschte am Sonnabendmorgen durch den starken Regen Geröll auf die Bahnstrecke von Koblenz nach Frankfurt. Daraufhin entgleiste gegen 5.30 Uhr zwischen Bacharach und Oberwesel der vordere Teil eines Zuges, wie eine Polizeisprecherin sagte. Zehn Menschen seien verletzt worden. Unter den Verletzten sei der Lokführer. Neun Passagiere seien mit leichten Verletzungen davongekommen.

Wie eine Sprecherin der Polizei weiter berichtete, war ein großes Aufgebot an Rettungskräften im Einsatz. Die Bundesstraße 9 musste gesperrt werden. Zu Verkehrsbehinderungen kam es aber nicht. Die linksrheinische Bahnstrecke wurde für die Bergungsarbeiten ebenfalls gesperrt. Die Bergung des Zuges wird nach Polizeiangaben rund zwei bis drei Tage dauern. Zuvor war es am Freitag auf derselben Bahnstrecke nach einem heftigen Gewitter im Mittelrheintal zu Beeinträchtigungen gekommen. Beiderseits des Rheins wurden die Gleise unterspült.

Beim „Southside Festival“ im Kreis Tuttlingen (Baden-Württemberg) mit Zehntausenden Besuchern wurden am Freitagabend 25 Musikfans verletzt, fünf von ihnen kamen ins Krankenhaus, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Die Veranstaltung wurde anschließend abgebrochen, weil die Sicherheit auf dem Gelände nicht mehr gewährleistet werden könne, wie die Organisatoren mitteilten. Die Besucher wurden aufgefordert, die Heimreise anzutreten.

Das „Southside Festival“ findet traditionell gleichzeitig mit dem „Hurricane Festival“ in Scheeßel statt. Dort wurde die Veranstaltung am Freitagabend wegen eines Unwetters zwischenzeitlich unterbrochen (Bericht auch auf Seite 18).

In Pfullingen in Baden-Württemberg traten zwei Bäche über die Ufer und überfluteten Teile der Stadt. „Mehrere Menschen waren in Tiefgaragen eingeschlossen“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Gebäude standen unter Strom, die Retter mussten zunächst die Stromversorgung kappen. „Eigentlich sind das ruhige Bäche, am Freitagabend war das Wasser allerdings zwei Meter höher als normal“, berichtete der Sprecher. Fast im Minutentakt gingen Notrufe ein. „Es sieht verheerend aus im Stadtgebeit“, sagte Bürgermeister Michael Schrenk.

Unterdessen haben schwere Überschwemmungen im Osten der USA mindestens 23 Menschen in den Tod gerissen. Das bestätigte ein Sprecher des Katastrophenschutzes im Bundesstaat West Virginia dem Sender CNN. Einige Gebiete des bergigen Staates in den Appalachen waren von der Außenwelt abgeschnitten. West Virginias Gouverneur Earl Ray Tomblin sagte am Freitag, ein verheerendes Tief habe zu Erdrutschen, Überflutungen und Schlammlawinen geführt. Straßen und Gleise seien zerstört worden. Zehntausende Menschen waren ohne Strom. Fast 500 Menschen saßen seit Donnerstag in einem Einkaufszentrum in Elkview nordöstlich der Hauptstadt Charleston fest, weil Hochwasser eine Zufahrtsbrücke zerstört hatte. Der Katastrophenschutz legte eine provisorische Schotterstraße an, um die Menschen herauszuholen, wie CNN berichtete.

Nach Angaben der Meteorologen war der Pegel des Elkview River zwischen Donnerstagnachmittag und Freitagmorgen um mehr als acht Meter gestiegen und erreichte den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 125 Jahren. Im weiter nördlich gelegenen Ravenswood wurde ein vierjähriger Junge am Donnerstag vor den Augen seines Großvaters von den Fluten mitgerissen, wie die Zeitung „Charleston Gazette-Mail“ berichtete. Rettungskräfte fanden die Leiche des Kindes am Freitag.

Währenddessen wüteten in Kalifornien Waldbrände. Mindestens zwei Menschen kamen dort ums Leben, Hunderte waren auf der Flucht. Rund 800 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um die sich schon auf gut 12 000 Hektar ausbreitenden Flammen einzudämmen. Mindestens zwei Menschen kamen nach Angaben der Feuerwehr ums Leben. Etwa 100 Gebäude in dem rund 175 Kilometer nördlich von Los Angeles gelegenen Brandgebiet wurden zerstört, weitere 1500 waren nach Angaben der Feuerwehr gefährdet. Es ist nicht das einzige Feuer, das derzeit in Kalifornien wütet. Der Bundesstaat wird von Dürren geplagt.

„Mehrere Menschen waren in einer Tiefgarage eingeschlossen.“ Feuerwehrsprecher aus Pfullingen
„Es sieht verheerend aus im Stadtgebiet.“ Michael Schrenk, Bürgermeister Pfullingen
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