Feuerwehr hat neue Katastrophe bei Bränden in Australien vorerst verhindert

Helden wider Willen

Wenn Buschbrände außer Kontrolle wüten, schlägt die Stunde der RAFT-Teams. Die Elite-Brandbekämpfer sind mit Kettensägen und Sensen zwischen den Feuerfronten unterwegs. Trotz Gluthitze und heftigem Wind hat die Feuerwehr die Buschbrände in Australien gestern unter Kontrolle gehalten. Entspannung ist in den bedrohten Regionen dennoch nicht in Sicht.
24.10.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Sid Astbury

Wenn Buschbrände außer Kontrolle wüten, schlägt die Stunde der RAFT-Teams. Die Elite-Brandbekämpfer sind mit Kettensägen und Sensen zwischen den Feuerfronten unterwegs. Trotz Gluthitze und heftigem Wind hat die Feuerwehr die Buschbrände in Australien gestern unter Kontrolle gehalten. Entspannung ist in den bedrohten Regionen dennoch nicht in Sicht.

Hubschrauber fliegen in sicherer Höhe über die Buschbrände, an Bord Brandbekämpfer, die sich an Seilwinden herablassen. Dort unten gibt es keine Fluchtwege und keine Zufluchtsorte; die Männer und Frauen der Elite-RAFT-Truppe sind auf sich gestellt. Sie versuchen, gefährdete Ortschaften vor dem Feuersturm zu schützen. Sie schlagen von Hand mit Sensen oder Kettensägen Brandschneisen und stellen sicher, dass bereits gelegte Schneisen tatsächlich ausgebrannt sind und keine Nahrung mehr für neue Flammen bieten können.

„Das können wirklich nur wenige Leute“, sagt der Einsatzleiter der ländlichen Feuerwehr, Simon Topp, der Zeitung „Sydney Morning Herald“. RAFT, das steht für „Remote Area Fire Fighting Team“, etwa: Brandbekämpferteam für abgelegene Regionen. Hunderte dieser Topspezialisten sind in New South Wales im Einsatz, wo die Regierung wegen der Buschbrände wie berichtet den Notstand ausgerufen hat.

„Von RAFT-Mitgliedern wird überdurchschnittliche Ausdauer und Kondition erwartet“, heißt es in einer Informationsbroschüre der ländlichen Feuerwehr. „Ihre Arbeit kann manchmal außerordentlich anstrengende Einsätze in Notsituationen erfordern.“ Interessenten müssen einen rigorosen Fitness-Test ablegen. Zum Beispiel rund fünf Kilometer in 45 Minuten laufen – mit einem 20 Kilogramm schweren Rucksack. „Die Einsätze sind physisch eine extreme Herausforderung“, sagt Einsatzleiter David Crust von der Wildschutzbehörde der Zeitung „Australian“.

Einsatz im Flammenmeer

Wo möglich, sind die Trupps mit wendigen Fahrzeugen mit kleineren Wassertanks als die normale Feuerwehr in den Brandschneisen unterwegs. In abgelegeneren Regionen seilen sie sich aus Hubschraubern ab. Sie sind oft stundenlang in sengender Hitze unterwegs, in schroffem Terrain, in schwerer Brandschutzkleidung und mit schweren Geräten. Je nach Einsatz tragen sie dazu Trinkwasser, Proviant und Brandschutz-Decken, unter denen sie sich im schlimmsten Fall schützen können.

Die Elitetruppen durchkämmen Meter um Meter Buschland und Wälder und ersticken jedes glimmende Grasbüschel. „Wir sind den ganzen Tag an den Steilhängen unterwegs gewesen und haben noch rauchende Baumstämme rausgezogen“, sagte Jess Ella dem „Sydney Morning Herald“. „Manchmal glimmen die Wurzeln unterirdisch weiter“, sagt Paul Downie der Zeitung. Er führt zwei Teams mit zusammen 20 Mitgliedern. „Es ist absolut wichtig, dass wir genau hinschauen und wirklich aufräumen.“

Die meisten Mitglieder sind Ehrenamtliche, die sich nicht als Helden feiern lassen wollen. Die Feuerwehr lehnt den Helden-Ethos ab. Das sagt auch Premierminister Tony Abbott, selbst seit Jahren freiwilliger Feuerwehrmann. „Viele Leute nennen die Feuerwehrleute ,Helden’, aber ich habe noch nie einen Freiwilligen getroffen, der sich selbst so sieht. Wie sind einfach nur Männer und Frauen die den Job machen, für den sie ausgebildet worden sind.“

Nach einer erster Bilanz am Abend kam in der Krisenregion rund um Sydney niemand zu Schaden und keines der gefährdeten Häuser brannte nieder. Die Zahl der Brandherde stieg von gut 60 auf mehr als 70. In den Blue Mountains durften Anwohner in ihre Häuser zurückkehren. Während sich die Lage in den Blue Mountains entspannte, brach bei Newcastle nördlich von Sydney ein neues Feuer aus. Die Armee räumte ein, dass sie einen der verheerendsten Brände vergangene Woche bei einer Schießübung ausgelöst hat.

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