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Bremerhaven wird für Costa Kreuzfahrten der vierte Abfahrtshafen in Deutschland. Was versprechen Sie sich davon?Hardy Puls: Das geht auf einen Wunsch unserer Vertriebspartner zurück, ob wir nicht noch einen norddeutschen Hafen dazunehmen können. Die Nachfrage sei da.
19.05.2017, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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„Internationale Gäste für die Stadt“
Von Peter Hanuschke

Bremerhaven wird für Costa Kreuzfahrten der vierte Abfahrtshafen in Deutschland. Was versprechen Sie sich davon?

Hardy Puls: Das geht auf einen Wunsch unserer Vertriebspartner zurück, ob wir nicht noch einen norddeutschen Hafen dazunehmen können. Die Nachfrage sei da. Und die Route, die die „Costa Magica“ normalerweise fährt, beinhaltet ja keinen deutschen Hafen, sondern geht in Amsterdam los. So haben wir Bremerhaven kurzfristig für unsere deutschen Gäste zusätzlich ins Programm genommen.

Und warum zusätzlich Bremerhaven?

Bremerhaven hat für uns mehrere Vorteile. Die etwa 500 Gäste, die wir in Bremerhaven einsteigen lassen, sind aus dem deutschen Markt heraus für uns zusätzliche Gäste. Die Gäste, die vorher nach Amsterdam gefahren sind, werden das auch weiterhin tun und dort einsteigen. Darüber hinaus hat Bremerhaven eine sehr gute Hinterlandanbindung und ist damit zum Beispiel gut aus Nordrhein-Westfalen erreichbar. Das ist wichtig, weil NRW einer der Kreuzfahrt-Kernmärkte ist. Außerdem ist Bremerhaven mit seinen kurzen Revierfahrten nautisch sehr gut zu erreichen.

Was wird die Stadt Bremerhaven vom Engagement von Costa merken?

Wir sind eine der wenigen Reedereien, die mit ihren elf Anläufen in diesem Jahr internationale Gäste in die Stadt bringen. Es sind über 2000 zumeist italienische, spanische und französische Gäste an Bord, die in Bremerhaven den letzten Tag ihrer Kreuzfahrt erleben, bevor es dann weiter nach Amsterdam geht. Hinzu kommt, dass die deutschen Gäste sicherlich auch ein paar Stunden in Bremerhaven verbringen werden.

Hat die Seestadt genügend zu bieten?

Wir haben Ausflüge in Bremerhaven und ins Umland organisiert. Dazu gehören beispielsweise Besuche des Klima- oder des Auswandererhauses. Es wird auch eine Tour nach Bremen angeboten. Ich denke, Bremerhaven passt sehr gut, weil die Leute von einer zehntägigen Fjord-Tour zurückkommen – also einer Route, die keine Großstädte beinhaltet. Insofern ist Bremerhaven als Abschluss für diese ruhigere Reiseroute passender als eine Millionen-Metropole.

Costa gehört wie Aida Cruises zur britisch-amerikanischen Carnival-Gruppe. Ist der deutsche Markt groß genug für beide Reedereien?

Wir haben grundsätzlich unterschiedliche Zielgruppen. Im Produktportfolio ergänzen wir uns letztlich sehr gut. Costa ist eben die internationale Kreuzfahrt. Wir betonen bewusst unsere italienischen Wurzeln. Das hört nicht bei Essen und Trinken auf – das Lebensgefühl an Bord ist einfach schon italienisch. Wer an Bord eines Costa-Schiffes geht, macht quasi einen Italien-Urlaub, auch wenn er ab Bremerhaven in den Norden fährt. Das ist schon ein anderes Publikum als das für Aida. Unsere Kunden schätzen unsere Internationalität, die Musik, das Essen, die Regional-Menüs aus Italien – das ist unseren Gästen sehr wichtig, hören wir immer wieder.

Also kommt man sich nicht ins Gehege?

Nein. Wir arbeiten aber auch abgestimmt zusammen in Marketing und Vertrieb.

Welchen Marktanteil will Costa in Deutschland erreichen?

Der deutsche Kreuzfahrtmarkt bietet aktuell und auch in den nächsten Jahren Platz für alle Wettbewerber, ob nun Aida, Tui Cruises, Costa, MSC und all die anderen. Die Wachstumsraten im zweistelligen Bereich haben das ja gezeigt. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend so weitergeht. Wir streben an, weiter zu wachsen, aber letztendlich hängt unser Marktanteil auch von der Gesamtentwicklung des deutschen Kreuzfahrtmarktes ab.

Im vergangenen Jahr gab es ein Rekordergebnis mit erstmalig über zwei Millionen Kreuzfahrtgästen in Deutschland. Sehen Sie irgendwo eine Wachstumsgrenze?

Im Moment sehen wir die nicht. Die Wachstumsdynamik hält ja weiterhin an. Vor allem konnten wir in der Vergangenheit noch nicht einmal die Nachfrage befriedigen. Man darf nicht vergessen, dass wir im Urlaubsreisemarkt ein Nischenprodukt sind. Die Kreuzfahrt macht gerade mal zwei Prozent aus – da ist also noch sehr viel Luft nach oben.

Welcher Typ Urlauber macht denn eigentlich eine Kreuzfahrt? Ist das für viele ein Zusatzurlaub?

Kreuzfahrten sind ja sehr unterschiedlich. Es gibt sicherlich die Abteilung „Once-in-a-Lifetime“, die wir auch bei Costa mit Weltreisen oder Touren zu den Malediven oder anderen ganz besonderen Zielen bedienen. Da träumen Menschen von, sparen und machen das denn einmal in ihrem Leben. Dann gibt es den Städteurlauber, der eine klassische Sieben-Tages-Tour macht. Das ist dann häufiger der Haupturlaub, genauso wie die zweiwöchige Kreuzfahrt mit der Familie im Sommer. Die drei- bis viertägigen Kreuzfahrten sind wahrscheinlich eher ein eingeschobenes Urlaubserlebnis.

Bei aller Freude über eine Kreuzfahrt wird die Branche auch immer wieder kritisch betrachtet. Umweltverbände führen hohe Umweltbelastungen an. Wie gehen Sie damit um?

Wir als Branche müssen das Thema Umweltschutz sehr ernst nehmen und tun das auch – auch wenn Kreuzfahrt nur einen Anteil von unter zwei Prozent an der gesamten Schifffahrt ausmacht. In Hamburg gab es im vergangenen Jahr etwa 9000 Schiffsanläufe insgesamt, davon weniger als 200 Kreuzfahrtschiffe. Hört man die Umweltverbände, könnte man glauben, es sind nur Kreuzfahrtschiffe unterwegs.

Ein Kreuzfahrtschiff benötigt aber gerade im Hafen viel mehr Energie als ein Handelsschiff.

Das stimmt. Und wir nehmen ja Umweltschutz, wie bereits erwähnt, sehr ernst. Das sieht man allein auch daran, dass wir in vielen Bereichen in der Schifffahrt die Vorreiter sind, wenn es um die Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen geht. So wird die nächste Kreuzfahrtgeneration, die Carnival für Costa und Aida bauen lässt, mit LNG angetrieben. Und eine umweltschonendere Antriebsart als mit Flüssiggas gibt es derzeit nicht. Wir setzen das um, was technisch möglich ist. Es ist sehr komplex, auch gerade, wenn es um Abgasfilteranlagen geht. Da versuchen wir auch, zusammen mit unseren Zulieferern, noch besser zu werden. Wir als Branche leben doch davon, in einer intakten Umwelt fahren zu können.

Herr Puls, Sie sind beruflich viel auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs, machen Sie denn privat noch Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff?

Ja. Ich bin mindestens einmal im Jahr privat auf einem Kreuzfahrtschiff und mache Urlaub mit meiner Familie. Häufig auf Schiffen von Costa und Aida, aber auch mal auf Schiffen anderer Reedereien. Wir als Familie verbinden Urlaub mit Weltenbummeln, und eine Kreuzfahrt ermöglicht uns das auf eine sehr bequeme Art. Wir machen aber auch andere Urlaube und gehen beispielsweise wandern.

Dieses Jahr gibt es elf Abfahrten von Bremerhaven aus. Wie viele gibt es 2018?

Wir machen jetzt erst einmal den Erstanlauf, gucken, wie alles insgesamt läuft, und werden uns mit Veit Hürdler als Geschäftsführer des Columbus Cruise Center zeitnah zusammensetzen, um zu sehen, wie wir ins nächste Jahr gehen.

Das Gespräch führte Peter Hanuschke.

Zur Person

Hardy Puls ist seit Ende 2015 verantwortlich für Costa Deutschland. Der 40-jährige Kommunikationswissenschaftler ist verheiratet und hat ein Kind. Er leitete zuvor unter anderem bei A-Rosa und bei Aida Cruises das Marketing.
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