Kraftwerk verzichtet nicht komplett auf die Weser als Transportweg Kohle kommt auch per Schiff

Farge. Am Anleger des Kraftwerks Farge sollte eigentlich nichts mehr los sein. Umso überraschender wirkt der Anblick eines randvoll mit Kohle beladenen Binnenschiffs.
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Von Volker Kölling

Am Anleger des Kraftwerks Farge sollte eigentlich nichts mehr los sein. Umso überraschender wirkt der Anblick eines randvoll mit Kohle beladenen Binnenschiffs. „Das ist die ,Luna’. Die ist regelmäßig hier. Die Kohlenzüge allein reichen oft nicht, um das Kraftwerk mit ausreichend Brennmaterial zu versorgen,“ erzählt ein Matrose der Fähre „Berne-Farge“, der schon ab und zu mit dem Binnenschiffer geplaudert hat. Aber warum lässt der Betreiber dann überhaupt Kohlenzüge mit stinkenden Dieselloks über die Schienen rumpeln, wenn letzten Endes immer noch Binnenschiffe ranmüssen?

Die Pressesprecherin des Kraftwerksbetreibers GDF Suez Energie in Berlin muss sich erst einmal schlau machen, verweist aber sofort darauf, dass die Züge ja nun nicht mehr mitten in der Nacht rollen. „Die ersten Züge aus Wilhelmshaven werden nicht mehr gegen 6 Uhr, sondern frühestens gegen 7 Uhr am Kraftwerk Farge entladen. Die Abfahrt vom Rangierbahnhof Bremen in Richtung Kraftwerk Farge erfolgt nach dem angepassten Fahrplan der Nordwestbahn dann erst ab 6 Uhr,“ heißt es in der Pressemitteilung.

Dass der „Logistikpartner HHPI“ immer noch uralte kanadische Loks mit stinkenden gelbbraunen Abgasfahnen durch die Gegend fahren lässt, wird hier nicht erwähnt. Wohl aber steht auch am 10. Oktober noch in der einer GDF-Pressemitteilung, dass das Kraftwerk Farge die Kohlelogistik im April 2013 vom Schiff auf die Bahn umgestellt habe. Die Wirtschaftlichkeit solle so verbessert werden. Tatsache ist aber, dass die „Luna“ auch schon Kohle am 2. Oktober nach Farge geschippert hat und die Blumenthaler vorher und nachher schon öfter Kohlelieferungen per Binnenschiff beobachtet haben.

Unternehmenssprecherin Alexa Schröder klärt das Ganze per Mail ein bisschen auf: „Seit April 2013 wird die Kohle zum Kraftwerk Farge hauptsächlich über die Bahn transportiert.“ Man achte auf die neue Vokabel „hauptsächlich“. Der Transport über Binnenschiffe aus Nordenham bleibe aber weiterhin möglich, um die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten, falls die Transportkapazitäten über die Bahn – beispielsweise aufgrund von Bauarbeiten auf der Strecke von Wilhelmshaven – nicht ausreichten. Alexa Schröder: „Allerdings ist der Schiffstransport eher die Ausnahme.“

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