Tradition trifft Moderne

Leuchtend sauber und duftend frisch

Seit rund 2500 Jahren, seit es Teppiche gibt, machen sich die Menschen Gedanken darüber, wie man sie am besten sauber hält.Die meiste Zeit reichte es aus, Teppiche auszuschlagen oder abzubürsten. Noch heute stehen in manchen Gärten oder Hinterhöfen eiserne Teppichstangen, an denen die gewissenhafte Hausfrau früher mit dem Teppichklopfer die gesamte Nachbarschaft einnebelte, um ihr gutes Stück von Staub und Dreck zu befreien.
02.04.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Lars Lenssen

Seit rund 2500 Jahren, seit es Teppiche gibt, machen sich die Menschen Gedanken darüber, wie man sie am besten sauber hält.

Die meiste Zeit reichte es aus, Teppiche auszuschlagen oder abzubürsten. Noch heute stehen in manchen Gärten oder Hinterhöfen eiserne Teppichstangen, an denen die gewissenhafte Hausfrau früher mit dem Teppichklopfer die gesamte Nachbarschaft einnebelte, um ihr gutes Stück von Staub und Dreck zu befreien.

„Klar, das hat meine Oma damals auch so gemacht. Da kann ich mich noch gut dran erinnern, weil ich ihr helfen musste, die Teppiche nach draußen und später wieder zurückzutragen“, erzählt Sven Sasse mit einem Schmunzeln. Wenn der Bremer Reinigungsexperte heutzutage in seiner neuen, großzügig gestalteten Werkstatt in Ottersberg-Otterstedt, Hauptstraße 32, loslegt, ist in einigen Arbeitsgängen immer noch Muskelkraft gefragt. Einen Großteil der Arbeit erledigen allerdings Maschinen und moderne Reinigungsmittel. Und was diese aus so manchem alten und verblichenem Schätzchen machen, ist verblüffend. „Früher hätte man diesen Teppich wahrscheinlich weggeschmissen“, sagt Sasse, als er sich einen ziemlich in die Jahre gekommenen geknüpften Perser vorknöpft, um ihm wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Es ist gleichzeitig eine Demonstration dessen, was mit modernen Maschinen, speziellen Waschmitteln und Jahrzehnte langem Know-how möglich ist.

Die erste Station jedes Teppichs in Sasses Meisterbetrieb ist die Klopfmaschine, die vor allem Sand und groben Schmutz herausrüttelt. Um abgetretene lose Wolle, aber auch Motten und deren Nester komplett herauszubekommen, wird der Teppich zusätzlich gebürstet, was auch den Flor wieder aufrichtet. Das ist eine Prozedur, die durchaus ein oder zwei Stunden dauern kann. Gut, das kann ich auch bei mir zu Hause im Garten mit einem Teppichklopfer erledigen, mag nun der eine oder andere denken. Doch so richtig sauber ist der Teppich danach noch lange nicht. Denn der eigentliche Schmutz sitzt viel tiefer – nämlich im Gewebe.

„Natürlich gibt es viele Leute, die versuchen mit irgendwelchen Reinigern selbst Hand anzulegen. Doch die müssen schnell erkennen, dass die Mittel nicht halten, was die Werbung verspricht. Deshalb landen die meisten am Ende mit ihren Teppichen dann doch bei uns“, sagt Sasse, dessen Unternehmen auf mehr als 50 Jahre Erfahrung zurückgreift.

Ein ganzes Arsenal an Reinigungsmitteln haben er und sein Team für das große Waschen und Spülen zur Verfügung. Hinzu kommen Maschinen mit rotierenden Bürsten, die spezielle Shampoos – auf Wunsch auch auf Biobasis – einmassieren und dafür sorgen, dass die Reinigung bis in die Tiefe des Flors geht, bevor mit einer großen Menge Wasser der gesamte Teppich gründlich durchgespült wird. So wird aus schmuddelig und muffig wieder leuchtend sauber und duftend frisch. Da sieht und riecht man tatsächlich, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Und was noch hinzu kommt: Eine professionelle Reinigung trägt dazu bei, die Qualität und den Wert eines Teppichs zu erhalten, da durch spezielle Waschzusätze selbst organische Gerüche und sogar hartnäckige Rückstände beseitigt werden. Besonders lohnt sich der Aufwand aber bei handgeknüpften und hochwertigen Orientteppichen, deren Wert oft zwischen 10 000 und 20 000 Euro liegt.

Was mit Teppichen funktioniert, klappt in etwas modifizierter Form auch mit Polstermöbeln, dem zweiten Standbein des Reinigungsprofis. „Wir holen die Möbel bei unseren Kunden ab und bringen sie hinterher zurück. Die Sachen vor Ort zu reinigen, ist eigentlich nicht möglich, weil wir eben auch mit viel Wasser arbeiten“, erläutert Sasse. Eine Garnitur aus zwei weißen Sesseln und einer Couch steht in seinem XXL-Waschsalon. Ehemals weiße Möbel müsste man sagen. Denn momentan sieht das Ensemble, auf dem offensichtlich auch gern gegessen und getrunken wurde, eher aus wie ein Fall für den Sperrmüll. „Wenn wir mit dieser Reinigung fertig sind, werden Lehnen und Polster fast wie neu aussehen“, sagt Sasse überzeugt und fügt hinzu: „Wir können nicht garantieren, dass wir jeden Fleck rausbekommen, aber wir sind schon sehr erfolgreich.“

Mit dem Entfernen von Ei, Blut und Kakao warb einst ein großer Waschmittelhersteller für sein Produkt. Von all diesen Flecken lässt Sasse sich nicht Bange machen. „Normalerweise bekommen wir auch Rotweinflecken raus“, sagt der Reinigungsexperte über den Albtraum eines jeden, der einmal viel Geld in seinen Teppich oder seine Polstermöbel investiert hat.

Jetzt, wo die Tage deutlich länger werden und das Wetter besser wird, beginnt die Hauptsaison der Reinigungsprofis. „Wenn die Sonne in die Wohnung scheint, fällt es den Leuten natürlich schneller auf, wenn ihr Teppich ein bisschen grauer ist als früher und die Farben nicht mehr so leuchten“, weiß Sasse, der zum Jahreswechsel aus Platzgründen den Sitz seiner Firma von Bremen nach Ottersberg-Otterstedt verlagert hat.

Mit 400 Quadratmetern hat der Reinigungsexperte dort knapp doppelt so viel Platz für sein Unternehmen. Zudem hat Sasse noch einige neue Maschinen angeschafft. „Das Arbeiten macht so gleich doppelt Spaß“, sagt Sasse lachend. Für die Kunden, die ihre Teppiche und Polster bringen, hat er ausreichend Parkplätze vor der Tür. Wer sich die Mühe des Transports sparen möchte, bei dem holt Sasse auch persönlich und kostengünstig Teppiche und Polstermöbel ab. Nach der Reinigung liefert er sie in neuem Glanz wieder aus. Momentan besonders günstig, denn mit seinem Frühjahrsangebot gewährt Sasse bei Vorlage dieses Zeitungsartikels noch bis Karfreitag auf jede Teppichwäsche einen Rabatt in Höhe von 20 Prozent.

Seit Kurzem bietet Sasse auch einen Kettelservice an. Ketteln ist eine Variante, um große Flächen mit Teppich-Meterware von der Rolle auszulegen. Die Schnittkanten und Ränder werden dabei mit einem speziellen und farblich passenden Garn gesäumt, ein Verfahren, das in ähnlicher Form aus der Herren- und Damenschneiderei bekannt ist. Auf diese Weise entstehen maßgeschneiderte Teppichlösungen mit sauberen, gleichmäßigen und verstärkten Kanten, die ein Ausfransen verhindern. „Teppiche einfassen zu lassen hat den Vorteil, dass man sie nicht verkleben oder auf andere Weise befestigen muss. Bei einem Umzug kann man die gekettelten Bodenbeläge also jederzeit problemlos entfernen, mitnehmen und gegebenenfalls verkleinern lassen“, erläutert Sasse.

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