Manche Reedereien sind auf Gäste mit Handicap bereits gut vorbereitet / Einschränkungen beim Landausflug Mit dem Rollstuhl auf Kreuzfahrt

Wer als Rollstuhlfahrer in den Urlaub fahren möchte, dem stehen schon allein deshalb nicht alle Reiseangebote zur Verfügung, weil es nicht überall oder in ausreichender Anzahl barrierefreie Unterkünfte gibt. Viele Reedereien für Hochseekreuzfahrten haben sich dagegen schon seit Längerem auf Gäste mit Handicap eingestellt und bieten barrierefreie Kabinen an.
30.01.2015, 00:00
Lesedauer: 6 Min
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Mit dem Rollstuhl auf Kreuzfahrt
Von Peter Hanuschke

Wer als Rollstuhlfahrer in den Urlaub fahren möchte, dem stehen schon allein deshalb nicht alle Reiseangebote zur Verfügung, weil es nicht überall oder in ausreichender Anzahl barrierefreie Unterkünfte gibt. Viele Reedereien für Hochseekreuzfahrten haben sich dagegen schon seit Längerem auf Gäste mit Handicap eingestellt und bieten barrierefreie Kabinen an.

Allein barrierefreie Kabinen sind nicht das einzige Kriterium, nach dem Rollstuhlfahrer beziehungsweise Menschen mit eingeschränkter Mobilität ihre Kreuzfahrt auswählen sollten. Auch die Route ist entscheidend: Denn welcher Hafen angelaufen wird, kann die Reise maßgeblich beeinflussen – etwa weil das Schiff dort nur über eine sehr steile Gangway erreichbar ist und die auch schon für den geübten Rollstuhlfahrer selbst mit Begleitperson ein unüberwindbares Hindernis werden kann. Oder die Teilnahme am Landausflug wird unmöglich, weil das Schiff auf Reede liegt und das Ufer nur mit einem Tenderboot erreichbar ist.

„Ich würde einem Rollstuhlfahrer, wenn er denn vor allem wegen der Landausflüge eine Kreuzfahrt machen möchte, beispielsweise auch nicht eine Tour nach Norwegen empfehlen – in den Fjorden wird nun einmal sehr viel getendert“, sagt Reiseexperte Nils Boldt vom Bremer Kreuzfahrtspezialisten Hanseat Reisen.

Wenn Tenderhäfen angefahren werden, hat etwa die Kreuzfahrt-Reederei Tui Cruises eindeutige Regelungen: „Dort ist es Gästen, die blind oder ausnahmslos auf einen Rollstuhl angewiesen sind, leider nicht möglich, das Schiff zu verlassen.“ Alles andere würde einem verantwortlichen Handeln widersprechen. Außerdem heißt es: „Zu ihrer eigenen Sicherheit können Gäste, die dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sind, nur zusammen mit einer Begleitperson auf ihrer Kabine reisen.“ Ziel sei es, „allen Gästen jederzeit die Möglichkeit zu geben, alle Programmpunkte miterleben zu können – leider sind uns auf einem Schiff teilweise technische Grenzen gesetzt“, so Torben Knye von Tui Cruises.

Bei Aida Cruises heißt es zum Thema „Landgang als Rollstuhlfahrer“: „Das Schiff ist über eine Gangway zugänglich.“ Durch schwankende Wasserstände habe diese Gangway mehr oder weniger steile Stufen. „Wenn Sie aus dem Rollstuhl aufstehen und die Stufen selbst bewältigen können, ist ein Landgang immer möglich. Können Sie nicht aus dem Rollstuhl aufstehen, versuchen wir, Ihnen Ihren Landgang zu ermöglichen.“ Ob ein Landgang sicher sei, prüfe und genehmige der Kapitän. Um Rollstuhlfahrern mehr Mobilität zu ermöglichen, hat Aida Cruises alle Schiffe, auf denen es technisch möglich ist, mit sogenannten Rollstuhl-Treppenraupen ausgestattet, um den Transport über die mitunter steile Gangway zu unterstützen.

Die Richtlinien zur Sicherheit seien unter den Reedereien sehr ähnlich, so Boldt. „Die Reedereien setzen in der Regel auch voraus, dass der Reisende mithilfe seiner Begleitperson auch in der Lage ist, die Gangway eigenständig hoch- und runterzukommen.“ Das bedeute nicht, dass Gäste nie Hilfe von der Crew bekommen. „Die Reedereien können das aber nicht für jede Situation garantieren.“ Die Rückmeldungen seiner Kunden mit eingeschränkter Mobilität bezüglich der Hilfsbereitschaft der Crews seien aber durchweg positiv. Bei Aida Cruises heißt es zur Hilfestellung: Eine besondere Betreuung könne nur bedingt übernommen werden. „Deshalb empfehlen wir generell die Begleitung durch eine verantwortliche Begleitperson.“

Trotz der Einschränkungen sind Kreuzfahrten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen attraktiv. Boldt: „Das liegt vor allem daran, weil auf den großen Hochseekreuzfahrtschiffen bis manchmal auf wenige Ausnahmen alle Angebote an Bord auch von Rollstuhlfahrern oder von denjenigen, die auf einen Rollator angewiesen, nutzbar sind.“ Auch wenn nicht jeder Landausflug für jede Person geeignet sei, überwiegen häufig die Vorteile einer Kreuzfahrt gegenüber anderen Reisen: „Reisende mit Rollstuhl haben ihre barrierefreie Kabine immer dabei. Sie können viele Länder bereisen, ohne sich jedes Mal ein barrierefreies Hotel suchen zu müssen.“

Auch für sehbehinderte und hörgeschädigte Gäste bieten ein paar Reedereien Hilfen an. Seit 2011 hat der Aida-Urlaub für hörgeschädigte Gäste noch weniger Barrieren. Aida stellt etwa unter anderem ein Kabinenset zur Verfügung, das Alarmsignale, Türklopfen, Telefon- und Weckerklingeln in Lichtsignale oder Vibrationsimpulse umwandelt. Zudem wurden auf allen Schiffen an der Rezeption oder im Bord-Theater induktive Höranlagen installiert. Sie verstärken die gesprochenen Worte. Gäste mit eingeschränkter Sehfähigkeit finden an Bord eine Orientierungsbeschilderung in kontrastreicher Profil- und Brailleschrift. Fußbodenbeläge haben einen optischen und strukturellen Kontrast.

Welche Schiffe eine behindertengerechte Ausstattung bieten, dazu hat das deutsche Internet-Portal kreuzfahrten.de die nebenstehende Übersicht über die großen Anbieter zusammengestellt. Auch die Internetseite www.rollstuhl-kreuzfahrten.

de hilft bei der Suche nach dem geeigneten Schiff.

AIDA CRUISES

Fast alles erreichbar

Alle Aida-Schiffe sind für Menschen mit Mobilitätseinschränkung geeignet und verfügen über barrierefreie Kabinen. Die meisten Bars, Restaurants und Außendecks sind erreichbar, außer der FKK-Bereich. Einschränkungen gibt es auch beim Pool-Zugang. Gäste mit individuellem Handicap erwartet beim Einsteigen ein spezieller Schalter. Jedes Schiff verfügt über ein modern eingerichtetes Hospital.

CUNARD CRUISE LINE

Per Lift in öffentliche Räume

Alle Cunard-Schiffe sind rollstuhlgeeignet, und betroffene Gäste kommen per Lift in alle öffentlichen Räume. Die Kabinen sind barrierefrei. Für Passagiere mit Mobilitätseinschränkung gibt es ein Priority Boarding mit Hilfsangeboten. Wer einige Schritte gehen kann, der kann an allen Ausflügen teilnehmen. Die Schiffe verfügen über voll ausgestattete Bordhospitale, die für kleine Operationen ausgerüstet sind.

NORWEGIAN CRUISE LINE

Pool per Lift erreichbar

Die ganze Flotte bietet Kabinen für körperlich beeinträchtigte Gäste mit breiteren Türen und größeren Badezimmern. Blindenhunde dürfen mitgeführt werden. Der Zugang zu den Decks und zu allen öffentlichen Räumen ist barrierefrei. Der Pool ist per Lift erreichbar. Für Rollstuhlfahrer werden geeignete Ausflüge angeboten, jedoch nicht in jedem Hafen. An Bord aller Schiffe gibt es einen Arzt.

CARNIVAL CRUISE LINES

Behindertengerechte Aufzüge

Alle 24 Schiffe der Flotte sind für Rollstuhlfahrer geeignet und bieten barrierefreie Kabinen. Die Schiffe bieten behindertengerechte Aufzüge mit erfühlbaren Armaturen für blinde Menschen. Die Wege und Zugänge auf dem Schiff sind breit. Landausflüge sind nur möglich, wenn die Häfen zugänglich sind. Eine Krankenstation mit ärztlichem Personal ist an Bord, ausgebildete Begleittiere sind erlaubt.

HAPAG-LLOYD-KREUZFAHRTEN

Crew wird vorab informiert

Vier Schiffe der Flotte verfügen über Suiten, die barrierefrei eingerichtet sind. Alle öffentlichen Räume sind mit Rollstuhl zugänglich. Die Crew wird vorab über die Handicaps betroffener Gäste informiert und ist vorbereitet. Der Einstieg in die Tenderboote ist durch eine Rampe gewährleistet. Allerdings kann der Aus- und Einstieg dadurch nicht in jedem Hafen garantiert werden.

ROYAL CARIBBEAN INTERNATIONAL

Per Lift zum Tenderboot

Alle Schiffe der Redereien Royal Caribbean International und Celebrity Cruises verfügen über besonders ausgestattete Kabinen, breite Korridore und Bäder. Viele Bereiche der Schiffe sind über Rampen zugänglich. Lifte an einem Pool und einem Whirlpool und behindertengerechter Zugang zum Tenderboot per Lift heben Barrieren weitestgehend auf. Die Schiffe sind mit Krankenstationen ausgerüstet.

COSTA KREUZFAHRTEN

Vorrang beim Einschiffen

Alle 14 Costa-Schiffe sind behindertengerecht ausgestattet und verfügen über Kabinen, die zum Teil direkt am Lift liegen. Gäste mit Mobilitätseinschränkung haben Vorrang beim Ein- und Ausschiffen. Manche Decks sind allerdings nur über eine Treppe erreichbar. Die medizinischen Einrichtungen an Bord der Costa-Schiffe sind auf die Erst- und Grundversorgung der Gäste ausgerichtet.

MSC KREUZFAHRTEN

Einige Schiffe geeignet

Einige MSC-Schiffe sind für Rollstuhlfahrer geeignet. Sie bieten barrierefreie Kabinen und Zugang zu den öffentlichen Räumen. Manche Sonnendecks auf einigen Schiffen sind nicht zugänglich. Einige Landausflüge bieten sich für Rollstuhlfahrer an, und bei Voranmeldung kann die Reederei entsprechende Ausflüge organisieren. Auf allen Schiffen steht ein medizinisches Zentrum zur Verfügung.

TUI CRUISES

Landausflüge „Extra leicht“

Alle drei Schiffe sind mit barrierefreien Kabinen ausgestattet und haben Fahrstühle, die den Zugang zu nahezu allen Decks ermöglichen. Im Theater sind für Gäste mit Mobilitätseinschränkung Plätze reserviert. Bei Landausflügen sollten Gäste auf den Vermerk „Extra leicht“ achten, da diese Angebote auch für Rollstuhlfahrer geeignet sind. An Bord befinden sich jeweils ein modernes Hospital und Schiffsärzte.

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